Wettfahrten

Rockwool Denmark SailGP in Aarhus: Furioses Ainslie-Comback: Mit über 50 Knoten in die Zukunft

Tatjana Pokorny

 · 19.08.2021

Rockwool Denmark SailGP in Aarhus: Furioses Ainslie-Comback: Mit über 50 Knoten in die ZukunftFoto: Ricardo Pinto for SailGP

Der viermalige Olympiasieger Sir Ben Ainslie hat es schon vor dem ersten Startschuss beim SailGP in Aarhus mit einem neuen Speed-Rekord krachen lassen

Sir Ben Ainslie ist zurück auf der internationalen Regattabühne. Nach der Geburts seines Sohnes Fox Mitte Juli hat sich der 44-jährige viermalige Olympiasieger vor Aarhus beim Training für den Rockwool Denmark SailGP mit einem imposanten Rekord zurückgemeldet. Im Trainingsrevier vor der Haustür des Aarhus Sailing Centers, das die SailGP-Organisatoren um Gründer Sir Russell Coutts für dieses Wochenende gleich komplett gemietet und in ihre Farben eingekleidet haben, erwischten die Briten am Mittwoch ideale Bedingungen für ihren Geschwindigkeitsrausch. Ihr foilender F50-Katamaran erreichte 53,1 Knoten – 98,3 Stundenkilometer! "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die 100 Stundenkilometer gebrochen werden", prophezeite Ainslie, dessen Mannschaft ab Freitag beim vierten SailGP der laufenden Saison gegen sieben weitere höchst prominent besetzte Teams um den Sieg in Dänemark und wertvolle Punkte für die Saisonwertung kämpft. An deren Ende heißt es nach insgesamt neun Regatten Ende März 2022: The Winner takes it all – das siegreiche Team kassiert eine Million US-Dollar!

  So glücklich war Sir Ben Ainslie nach dem Sieg seines Teams beim SailGP-Auftakt vor Bermuda. So darf es aus seiner Sicht nach dem Comeback infolge der Babypause in Aarhus weitergehenFoto: Bob Martin for SailGP
So glücklich war Sir Ben Ainslie nach dem Sieg seines Teams beim SailGP-Auftakt vor Bermuda. So darf es aus seiner Sicht nach dem Comeback infolge der Babypause in Aarhus weitergehen

Das "Who's Who" des internationalen Segelsports kreuzt vor Aarhus auf

Als Favoriten sieht sich Ainslie nicht: "Wir hinken in der Trainingszeit zurück. Ich war bei zwei der drei SailGPs der Saison nicht dabei." Landsmann Paul Goodison, Laser-Olympiasieger von 2008, hatte Ainslie nach dessen Auftakt-Sieg mit den Rängen sechs und vier in Italien und in England als Newcomer gut vertreten. Die Briten liegen nach drei Regatten der zweiten SailGP-Saison punktgleich mit den australischen Spitzenreitern um Skipper und Olympiasieger Tom Slingsby auf Platz zwei. Auf die Frage, wen er als Favoriten für den SailGP-Gipfel in Dänemark sieht, sagte "Goat" (Kürzel für "Greatest of all times") Ainslie in Aarhus: "Tom Slingsby ist sicher ein Kandidat. Die aktuelle Platzierung legt es nahe. Und Tom ist sehr gut darin, sein Können herunterzuspielen."

Zurück im Spiel sind auch die zweimaligen neuseeländischen America's-Cup-Gewinner Peter Burling und Blair Tuke. Die Kiwis hatten bei der Olympiaregatta in Tokio ihren zweiten Olympiasieg nach 2016 bei Punktgleichheit mit den britischen Goldmedaillengewinnern Dylan Fletcher und Stuart Bithell dramatisch knapp verpasst, mussten mit Silber zufrieden sein, waren es aber nicht wirklich. Hochmotiviert starten sie nun wieder im SailGP durch.

  Zurück im SailGP: Die Olympiazweiten Peter Burling (2. v. r.) und Blair Tuke (r.)Foto: Ricardo Pinto for SailGP
Zurück im SailGP: Die Olympiazweiten Peter Burling (2. v. r.) und Blair Tuke (r.)
  Neuseelands Segelstar Peter Burling kann nach der knappen Niederlage im Olympiaduell um Gold schon wieder lachen. In seiner Abwesenheit kam das neuseeländische SailGP-Team seiner ersten SailGP-Saison nicht über den achten und letzten Platz hinaus. Nun soll es mit der Rückkehr von "Pistol Pete" und seinem Mitstreiter Blair Tuke im SailGP aufwärts gehenFoto: Jon Buckle for SailGP
Neuseelands Segelstar Peter Burling kann nach der knappen Niederlage im Olympiaduell um Gold schon wieder lachen. In seiner Abwesenheit kam das neuseeländische SailGP-Team seiner ersten SailGP-Saison nicht über den achten und letzten Platz hinaus. Nun soll es mit der Rückkehr von "Pistol Pete" und seinem Mitstreiter Blair Tuke im SailGP aufwärts gehen

Das "Who's Who" der internationalen Segelelite hat sich zum Schlagabtausch in Aarhus versammelt. Mit von der Partie ist auch der siebenmalige America's-Cup-Teilnehmer und zweimalige Gewinner Jimmy Spithill, 42, der das amerikanische SailGP-Team anführt. Der bekannt furiose Angreifer sagte am Donnerstagmorgen in Aarhus: "Amerikas Olympiasegler waren in Japan nicht ganz so erfolgreich. Hier wollen wir in die Bresche springen und helfen, Amerikas Segler wieder an die Spitze zu führen."

Das Feld wird in der Bucht von Aarhus komplettiert von fünf weiteren Teams: Die Lokalmatadoren um Skipper Nicolai Sehested, dem auch die dänische Laser-Radial-Olympiasiegerin Anne-Marie Rindom und 49erFX-Seglerin Katja Salskov-Iversen angehören, wollen vor heimischem Publikum glänzen und ihren siebten Platz in der Saisonwertung verbessern. Das spanische Team mit Skipper Phil Robertson, in das die iberischen Olympiasegler gerade zurückkehrten, will von Platz sechs aus angreifen. Nathan Outteridge, Olympiasieger von 2012 im 49er, hat mit dem japanischen Team auch mehr im Sinn als den aktuellen fünften Platz im Klassement. Auffällig nach vorne geschoben haben sich zuletzt die Franzosen um Skipper Billy Besson, die nach den bisherigen drei SailGP-Regatten noch vor Jimmy Spithills US-Team auf Platz drei liegen.

  Das spanische Team mit dem neuseeländischen Steuermann und Lehrmeister Phil Robertson. Gemeinsam haben sie bei der letzten SailGP-Regatta in England erfahren müssen, wie schmerzhaft eine schwarze Flagge sein kann. Vor Aarhus soll es wieder aufwärts gehenFoto: Thomas Lovelock for SailGP
Das spanische Team mit dem neuseeländischen Steuermann und Lehrmeister Phil Robertson. Gemeinsam haben sie bei der letzten SailGP-Regatta in England erfahren müssen, wie schmerzhaft eine schwarze Flagge sein kann. Vor Aarhus soll es wieder aufwärts gehen

Mit der Wettkampfphilosophie von Formel-1-Pilot Ayrton Senna

Die Bühne war am Donnerstag schon bereit für die vierte Regatta der Saison. Im traumhaft schönen dänischen Segelrevier, in dem schon die Weltmeisterschaften aller olympischen Disziplinen 2018 begeistert hatten, geht es für die Formel-1-Piloten des Segelsports und ihre Crews zwei Tage lang zur Sache. Der österreichische Fernsehsender Servus TV überträgt die Rennen am Freitag ab 15 Uhr und am Samstag ab 13 Uhr. Bereits am Samstagnachmittag steht das Finale auf dem Programm. Nach einem neuen Speed-Rekord und mehreren engen Trainingsduellen sind bei der Gratwanderung zwischen Spaß und Gefahr packende Szenen und enge Duelle zu erwarten. "Keiner von uns ist hier, weil er nicht Druck gemacht hat", erklärt Slingsby den Anspruch, den alle Starter haben.

Der Automobilrennfahrer Ayrton Senna, so Slingsby, habe einmal gesagt: Wer nicht mehr die Lücke suche, der könne auch kein Gewinner mehr sein. Phil Robertson, Matchrace-Weltmeister und bekannt für virtuose bis aggressive Starts, hatte beim britischen SailGP im Juli mit seinem spanischen Team die erste schwarze Flagge und damit die erste direkte Disqualifikation in der SailGP-Geschichte kassiert, weil sein Team mit einem in den Augen der Schiedsrichter zu risikoreichen Manäver das US-Team gefährdet hatte. Ob er sich deswegen mehr zurückhalten wird? "Wir sind hier, weil wir Rennen gewinnen wollen. Wie jedes andere Team auch. Wir werden weiter Druck machen." Hier geht es zur SailGP-Homepage, allen Informationen rund um den SailGP in Aarhus und den Ergebnissen (bitte anklicken!).

  In den stärkeren, böigen Winden sind Dänemarks SailGP-Beste vor Beginn der Regatta im Training gekentert. Die Segler blieben dabei unverletzt, das Boot nahm kaum SchadenFoto: Ricardo Pinto for SailGP
In den stärkeren, böigen Winden sind Dänemarks SailGP-Beste vor Beginn der Regatta im Training gekentert. Die Segler blieben dabei unverletzt, das Boot nahm kaum Schaden

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