Risiko SailGPKenterungen vor San Francisco: "Harter Tag im Büro"

Tatjana Pokorny

 · 25.03.2022

Risiko SailGP: Kenterungen vor San Francisco: "Harter Tag im Büro"Foto: SailGP

Mit dem australischen SailGP-Team um Tom Slingsby muss schon wieder ein Top-Team vor dem Finale am Wochenende eine Kenterung und Bruch wegstecken

Die SailGP-Teams haben in ihrer Trainingswoche vor dem Saisonfinale vor San Francisco an diesem Wochenende ganz offensichtlich ihre Grenzen ausgetestet. In einigen Fällen gingen sie auch darüber hinaus. Mehrere Kenterungen haben daran erinnert, wie gefährlich der Katamaran-Sport auch auf Weltklasseniveau ist. Bislang gingen die Kenterungen für die Sportler glimpflich aus: Die Segler blieben unverletzt, bescherten sich und der Landmannschaft allerdings einige Arbeit vor dem ersten Startschuss am Samstag um 22 Uhr deutscher Zeit. Gerade in San Francisco werden bei solchen Kenterungen aber immer auch traurige Erinnerungen wach an den todbringenden Unfall des America's-Cup-Teams Artemis. Bei der Kenterung der schwedischen Cup-Yacht war 2013 der britische Olympiasieger Andrew "Bart" Simpson ums Leben gekommen.

  Auch der Beste seiner Zunft konnte die Kenterung der Australier nicht vermeiden: Skipper und Steuermann Tom SlingsbyFoto: Bob Martin for SailGP
Auch der Beste seiner Zunft konnte die Kenterung der Australier nicht vermeiden: Skipper und Steuermann Tom Slingsby
  Autsch! So geriet der australische F50 in Not…Foto: AUS Team SailGP
Autsch! So geriet der australische F50 in Not…

Im SailGP sind Kenterungen keine Seltenheit. Sie bleiben trotz aller Sicherheitsmaßnahmen risikoreich. In dieser Trainingswoche geriet erst der amerikanische F50-Katamaran in Händen von Steuermann Jimmy Spithill außer Kontrolle. Jetzt ging auch die Crew um Tabellenführer und Top-Favorit Tom Slingsby baden. Der Laser-Olympiasieger, America's-Cup-Gewinner, Motten-Weltmeister und Weltsegler des Jahres kommentierte den Vorfall aber kurz und nüchtern: "Das war heute ein harter Tag im Büro mit einer Riesenkenterung. Zum Glück sind alle an Bord in Scherheit. Unglücklicherweise haben wir einen Haufen Arbeit verursacht, die nun bis zum Start zu erledigen ist. Danke an das Sicherungsteam und die Techniker für ihre Unterstützung!"

  Hier kentert das amerikanische TeamFoto: SailGP
Hier kentert das amerikanische Team

"Vielleicht ist der Eismann gar nicht so cool, wie er sagt?"

Acht Teams kämpfen am Wochenende beim Saisonfinale zwischen Golden Gate Bridge und Alcatraz nach dem Motto "The winner takes it all" um eine Million US-Dollar Preisgeld für den Sieger! Die nach sieben von achten Regatten der zu Ende gehenden zweiten SailGP-Saison führenden Australier und ihre amerikanischen Verfolger haben den Platz im Finale schon gesichert. Die Verfolger ringen noch darum. Mit den besten Chancen geht das japanische Team Japan mit Skipper und Steuermann Nathan Outteridge in die Rennen. Neben den Trainings-Einsätzen hat das "Säbelrasseln" vor der Entscheidung auch an Land begonnen. Die Top-Rivalen Tom Slingsby und Jimmy Spithill lassen sich beim verbalen Schlagabtausch nicht lumpen. Hier geht es zu einem Clip, der das auf humorvolle Weise zeigt (bitte anklicken!). Kleine Spitze von Slingsby in Richtung Spithill: "Vielleicht ist der Eismann ja gar nicht so cool, wie er sagt?"

Das SailGP-Finale wird am Wochenende jeweils ab 22 Uhr deutscher Zeit auf vielen Kanälen live übertragen. Hier geht es zur Homepage (bitte anklicken!).

  Wer gewinnt die eine Million US-Dollar Preisgeld? Favoriten sind Tabellenführer Tom Slingsby (r.) und Verfolger Jimmy Spithill (l.). Kann Nathan Outteridges Team Japan noch eingreifen?Foto: SailGP
Wer gewinnt die eine Million US-Dollar Preisgeld? Favoriten sind Tabellenführer Tom Slingsby (r.) und Verfolger Jimmy Spithill (l.). Kann Nathan Outteridges Team Japan noch eingreifen?

Phil Robertson verlässt die Spanier im Streit

Seinen ersten Personal-Aufreger hat das SailGP-Finale in den USA auch schon: Phil Robertson, angriffslustiger neuseeländischer Steuermann des spanischen SailGP-Teams, hat die Mannschaft vorzeitig verlassen. Das hatte er zwar für das Saisonende ohnehin mit Wechsel zum neuen kanadischen Team angekündigt, doch nun ist er mit einem Knall im Streit gegangen. María del Mar de Ros, CEO des spanischen SailGP-Teams, scheute sich nicht, in einem Statement deutlich zu werden: "Die Sache ist die: Phil hat das Gefühl, dass er in irgendeiner Weise überlegen ist. Und dass sie (Red.: die Crew) Kinder sind. Tatsächlich hat er in einer Epidode (Red.: Reportserie "Racing on the Edge") gesagt, dass er sie 'eine Kindertruppe' nennt. Wenn er sich mehr mit dem Team verbunden gefühlt hätte, dann wäre die Entscheidung vielleicht etwas anders ausgefallen."

Das spanische SailGP-Steuer übernimmt für den Mubadala SailGP United States der Spanier Jordi Xammar, bevor er nach Mallorca fliegt und in der neuen olympischen Disziplin mit Nora Brugmann angreift. In der Zweihandjolle gilt der erfahrene Spanier aktuell als die internationale Messlatte. Was er am F50-Steuer kann, muss er an diesem Wochenende zeigen.

  Dieses Bild ist Geschichte: Phil Robertson – hier neben Skipper und Trimmer Florián Trittel – wird nicht mehr als Steuermann für Spanien agierenFoto: Ugo Fonolla for SailGP
Dieses Bild ist Geschichte: Phil Robertson – hier neben Skipper und Trimmer Florián Trittel – wird nicht mehr als Steuermann für Spanien agieren

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