Segeln olympisch

Weltcup-Gold für die Bronzemänner in Miami

Die 49er-Segler Erik Heil und Thomas Plößel wurden bei ihrem Sieg von einem historischen deutschen Finalaufgebot begleitet

Tatjana Pokorny am 03.02.2019
Hempel World Cup Miami 2019
Pedro Martinez / Sailing Energy / World Sailing

Die Gold-Jungs von Miami: Erik Heil und Thomas Plößel gewannen die Weltcup-Regatta im 49er

Zehn Jahre 49er-Bootserfahrung und reichlich Kopftraining im Medizin- und Ingenieur-Studium – so beschreibt Erik Heil das Erfolgsrezept seines Teams mit Vorschoter Thomas Plößel in Kürze. Die Rio-Bronzemedaillengewinner aus Berlin haben trotz ihres aktuellen Trainingsrückstandes von mehreren Monaten die top-besetzte Weltcup-Regatta vor Miami gewonnen. Im 49er waren die Routiniers auch von einem unverschuldeten Crash am ersten Tag nicht zu stoppen. Die eingespielte Crew fand sich in den äußerst komplizierten leichten und drehenden Winden auf der Biscayne Bay am besten von allen 42 49er-Teams aus 21 Ländern zurecht, verwies die britischen Olympia-Aspiranten Dylan Fletcher-Scott und Stuart Bithell sowie die kroatischen Weltmeister Sime und Mihovil Fantela auf die Silber- und Bronzeplätze. "Uns liegt es, wenn die Bedingungen schwierig werden", beschrieb Heil eine seiner Vorlieben, die seinem Team in dieser Woche im amerikanischen Revier zugute kamen.

Lempel World Cup Series Miami 2019

Spaßbild des TV-Teams für die Vorstellung der deutschen Spitzenreiter vor dem Finale

Hempel World Cup Miami 2019

Die 49er-Weltcup-Sieger von Miami: Erik Heil und Thomas Plößel

Die beiden 28-jährigen Segler vom Norddeutschen Regatta Verein führten bei ihrem Sieg am Samstag eine deutsche Final-Armada an, die es so noch nicht gegeben hat: Gleich vier GER-Boote waren im 49er-Medaillenrennen mit von der Partie. Jakob Meggendorfer (23) und Andreas Spranger (22) vom Bayerischen Yacht-Club segelten mit Rang fünf im Finale auf Platz vier im Schluss-Klassement. "Darüber sind wir super happy", sagte Andreas Spranger, "wir waren von dem Weltcup schon Dritte bei den Midwinters und sind deshalb zuversichtlich und mit gutem Gefühl in den Weltcup gestartet. Unser Speed hat gestimmt. Wir haben uns dann vor dem Hintergrund der verhältnismäßig riesigen Flotte von 40 Booten auf saubere Starts fokussiert. Für uns ist dieser vierte Platz der bislang größte Erfolg in unserer Karriere."

Lempel World Cup Series Miami 2019

Der aus deutscher Sicht bemerkenswerte Endstand nach dem 49er-Finale

Auf Platz sieben beendeten die WM-Dritten Tim Fischer und Fabian Graf (Norddeutscher Regatta Verein/Verein Seglerhaus am Wannsee) ihren Saisonauftakt im 49er ebenso erfolgreich wie die Kieler Justus Schmidt und Max Boehme, die etwas zu ungestüm ins Medaillenrennen gestartet waren und – wie drei weitere Finalisten aus England, Holland und Spanien – disqualifiziert wurden. Das Gesamtergebnis des deutschen 49er-Quartetts, dessen Senioren unter der Regie von Marc Pickel aus Kiel trainieren, während Max Groy aus Fleckeby den Perspektivkader coacht, ist eineinhalb Jahre vor den Olympischen Spielen eine Kampfansage an die Internationale Konkurrenz und verspricht auch national hochkarätigen Wettbewerb. "Die Ausscheidung wird ein großer Kampf", prophezeite Thomas Plößel.

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Hier kreuzen Heil und Plößel die Ziellinie

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Interviewten sich nach dem Finale gegenseitig und hatten Spaß dabei: Thomas Plößel (r.) und sein Steuermann Erik Heil

Während die deutschen Skiffsegler jubelten, haderte Laser-Steuermann Philipp Buhl erneut und zum letzten Mal mit dem Miami-Weltcup, der in diesem Jahr nicht seiner war. Buhl muss sehr viele Jahre zurückdenken, um sich an eine Regatta zu erinnern, bei der er einmal so schwach abgeschnitten hat wie bei diesem Saisonauftakt-Gipfel in Florida. "Es ist mein schlechtestes Laser-Ergebnis seit acht Jahren", resümiert er. "Ich war nur viermal in meiner Karriere schlechter." Der 29-Jährige sonst so zuverlässige Leistungsträger beendete die Serie auf Platz 32, hatte in der Biscayne Bay seinen Weg in die Top Ten nur in drei von elf Rennen gefunden. Buhls junger Teamkamerad Nik Aaron Willim, der mit zwei Tagessiegen hatte aufhorchen lassen, fliegt als 41. heim aus dem über 30 Grad warmen Florida ins kalte Norddeutschland.

Die 49erFX-Seglerinnen Vicky Jurcok und Anika Lorenz, die bei dieser Regatta konstant in der Weltspitze agiert hatten, mussten sich nach verpatztem Schlusstag schon vor dem Medaillenrennen der Skiff-Seglerinnen mit Platz 18 anfreunden. Nur ein schwacher Tag am Ende und insgesamt zwei Frühstarts hatten die Berlinerinnen vom Verein Seglerhaus am Wannsee zum Schluss brutal abstürzen lassen.

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Schöne Finn-Studie von Fotograf Jesus Renedo

Pech hatte der in dieser Woche zunehmend besser in Fahrt kommende Kieler Max Kohlhoff, der den Einzug in das Finale der besten zehn Finn-Steuerleute als Elfter nur knapp verpasste. Kohlhoff verabschiedete sich nach einem Tagessieg mit einem überzeugenden vierten Rang in der achten und letzten Finn-Wettfahrt vor dem Finale aus Miami. Der Berliner Phillip Kasüske wurde 15. Neben den Medaillenentscheidungen im 49er wurden am Samstag die Sieger und Platzierten in vier weiteren Klassen geehrt: Die Australier Jason Waterhouse und Lisa Darmanin konnten im Nacra-17-Finale die Brasilianer Samuel Albrecht und Gabriela Nicolino de Sa sowie die Olympiasieger Santi Lange und Cecilia Carranza Saroli auf die Plätze zwei und drei verweisen. Im 49erFX triumphierten die brasilianischen Olympiasiegerinnen Martine Soffiatti Grael und Kahena Kunze vor den Neuseeländerinnen Alexandra Maloney und Molly Meech. Weltcup-Bronze gewannen die Britinnen Charlotte Dobson und Saskia Tidey.

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Fingen die als Spitzeneiterinnen ins Medaillenrennen gestarteten Neuseeländerinnen noch ab und gewannen die Weltcup-Regatta vor Miami: Weltumseglerin und Olympiasiegerin Martine Soffiatti Grael mit Kahena Kunze (r.)

Hempel World Cup Miami 2019

Vor Miami gab's für die Rio-Olympiasieger Santi Lange und Cecilia Carranza Saroli Bronze

Hempel World Cup Miami 2019

Bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro hatten sich Jason Waterhouse und Lisa Darmanin den argentinischen Olympiasiegern Santi Lange und Cacilia Carranza Saroli knapp beugen müssen. Vor Miami waren nun die Australier die dominierende Nacra-17-Mannschaft

Hier geht es zu den Endergebnissen der bereits beendeten Regatten. Fünf Medaillensätze werden am Sonntagabend deutscher Zeit noch vergeben. Medaillenchancen dafür haben sich die 470er-Seglerinnen erkämpft: Frederike Loewe und Anna Markfort vom Verein Seglerhaus am Wannsee starten als Spitzenreiterinnen ins Finale. Nur drei Zähler hinter ihnen lauern die Britinnen Hannah Mills und Eilidh McIntyre. Wiederum einen Punkt dahinter werden Fabienne Oster und Anastasiya Winkel vom Norddeutschen Regatta Verein um Edelmetall kämpfen, was ihnen die Teams auf den Plätzen vier bis acht noch streitig machen können. Es steht also aus deutscher Sicht ein weiteres packendes Finale an. Zur Live-Übertragung am Sonntag ab 18 Uhr deutscher Zeit geht es hier.

Hempel World Cup Miami 2019

Attacke am Sonntagabend: Fabienne Oster und Anastasiya Winkel könnten im 470er eine Weltcup-Medaille gewinnen

Tatjana Pokorny am 03.02.2019

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