Segeln olympisch

Warten auf Olympia – IOC-Entscheidung um vier Wochen vertagt

Die Olympia-Verschiebung bleibt vorerst nur eine Hoffnung vieler Athleten, wird aber wahrscheinlicher. Das IOC will binnen Monatsfrist Klarheit schaffen

Tatjana Pokorny am 22.03.2020
Ready Steady Tokyo Test Event
World Sailing/Sailing Energy

Tokio und Enoshima wären bereit, doch die weltweite Corona-Pandemie lässt die termingerechte Austragung der Olympischen Spiele kaum mehr zu

"Menschenleben haben Vorrang vor allem, auch vor der Austragung der Spiele." Mit dieser und weiteren Kernaussagen wendete sich IOC-Präsident Thomas Bach heute in einem offenen Brief an die internationale olympische Athleten-Gemeinschaft. Dieser jüngsten offiziellen IOC-Reaktion waren am Wochenende viele Athleten-Aktionen vorausgegangen. Sie reichten von Boykott-Ankündigungen namhafter Olympioniken wie Fecht-Europameister Max Hartung im Aktuellen Sportstudio am Samstagabend über harsche Kritik an der zögerlichen IOC-Reaktion auf die Corona-Pandemie und ihre drastischen Auswirkungen auf die in Serie gestrichenen Olympia-Vorbereitungen und Qualifikationen bis hin zu Appellen an das IOC, die Austragung der Olympischen Spiele 2020 dringend zu verschieben. Nun haben das Internationale Olympische Komitee und sein Präsident ihr Vorgehen erläutert und angekündigt, binnen vier Wochen Klarheit über die Austragung der Olympischen Spiele zu schaffen. Einen Totalausfall schloss das IOC aus. Die noch nicht beschlossene Verschiebung ist mit der Ankündigung am heutigen Sonntag mindestens wahrscheinlicher geworden.

Segel-Weltmeisterschaft Aarhus 2008

IOC-Präsident Thomas Bach im Gespräch mit Nacra-17-Olympiasieger Santi Lange

Dirk Ramhorst

Kieler-Woche-Sportchef Dirk Ramhorst

Bei YACHT online hatte dazu bereits am Samstag Kieler-Woche-Sportchef Dirk Ramhorst deutlich Stellung bezogen. Seine Argumente und die Hintergründe zur frühzeitigen Verlegung der Kieler Woche in den September sind hier nachzulesen. Auch bekannte deutsche Olympiasegler hatten sich zuvor für eine Verschiebung der Olympischen Spiele ausgesprochen, darunter Laser-Weltmeister Philipp Buhl aus Sonthofen. Der 30-Jährige hält sich im heimischen Allgäu in den Bergen mit kontaktlosem Outdoor-Sport oder auf der Fahrradrolle fit und sagte YACHT online: "Wenn die Hälfte der Athleten sich nicht mehr vernünftig qualifizieren und nicht mehr zielführend trainieren kann, sind das schwiegendere Probleme als Event-Überschneidungen oder mediale Engpässe im Fall einer Verschiebung. Olympia hat eine höhere Mission als nur die Medaillenvergabe. Olympia soll die Welt zusammenbringen, und auch das ist aktuell kaum mehr möglich. Deswegen plädiere ich für eine Verschiebung." Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) befragt inzwischen seine Athleten zu ihrer Meinung, um sich ein Bild über die Lage zu verschaffen.

Philipp Buhl

Laser-Weltmeister Philipp Buhl plädiert für eine Verschiebung der Olympischen Spiele

Für die internationalen Sport-Dachverbände und die nationalen Verbände sowie die Athleten geht das Warten auf die finale Entscheidung mit der jüngsten IOC-Botschaft in eine weitere Verlängerung. Schöpft das IOC den vollen Monat aus, wird unter anderem auch eine Container-Ladung der Nationalsegler auf dem Schiffsweg nach Enoshima sein. Die deutschen Olympia-Kandidaten treffen sich am Montag unter höchsten Hygieneschutzmaßnahmen nacheinander am weitgehend geschlossenen Bundesstützpunkt Kiel, um Boote und Material für die Verladung vorzubereiten. Maximal zwei Wochen bleibt dann noch Zeit, bis die verpackte Ladung im Transport-Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) mit dem Logistikunternehmen Schenker nach Japan verschifft werden muss, um dort rechtzeitig vor der Mitte Juni stattfindenden Weltcup-Regatta im Olympiarevier von Enoshima einzutreffen, die in der Theorie als letzte Qualifikation für die Olympischen Spiele in Frage käme. "Solange wir keine andere belastbare Aussage haben, müssen wir so handeln", erklärt DSV-Sportdirektorin Nadine Stegenwalner den Vorgang, von dem noch nicht sicher ist, ob er tatsächlich Sinn machen wird. Die Aktion ist nur eins von Zehntausenden Beispielen in allen Sportarten und weltweit, die zeigt, dass jeder Tag einer früheren IOC-Entscheidung über die kaum mehr vermeidbare Verschiebung der Olympischen Spiele ein Gewinn für Athleten, Verbände, DOSB und viele weitere Beteiligte wäre. 

Ready Steady Tokyo Test Event

Der Olympiahafen von Enoshima

Das Schlusswort in dieser weltbewegenden Frage ist in Krisenzeiten noch nicht gesprochen. Wohl aber jenes, das den offenen Brief von Thomas Bach beendet: "Ich wünschte, und daran arbeiten wir alle, dass die Hoffnung, die so viele Athleten, Nationale Olympische Komitees und Internationale Sportverbände von allen fünf Kontinenten ausgedrückt haben, erfüllt werden: dass am Ende dieses dunklen Tunnels, durch den wir alle zusammen gehen und nicht wissen, wie lang er sein wird, die olympische Flamme das Licht am Ende dieses Tunnels sein wird."

Hier geht es zum Brief von IOC-Präsident Thomas Bach.

Olympische Testregatta in Enoshima 2019

Eine Impression von der Olympischen Testregatta in Enoshima 2019. Wann dort in Corona-Pandemie-Zeiten das nächste Mal gesegelt werden kann, bleibt noch maximal einen Monat offen

Tatjana Pokorny am 22.03.2020

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