WM 49er, 49erFX, Nacra 17

Vor dem WM-Krimi am Sonntag: zwei Skiff-Medaillen möglich

Am Samstag mussten die deutschen Skiff-Crews vor Auckland Rückschläge einstecken. Doch die Medaillenchancen sind vor dem Finale gewahrt, die Angriffslust groß

Tatjana Pokorny am 07.12.2019
Weltmeisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17
Weltmeisterschaft 49er, 49erFX, Nacra 17 / Sailing Energy

Als Gesamt-Vierte vor den beiden letzten Rennen der Hauptrunde und dem Medaillenfinale am Sonntag wahrten Tina Lutz und Sanni Beucke ihre Medaillenchancen bei der 49erFX-Weltmeisterschaft vor Auckland

Die Bilanz der deutschen Segler hätte am Vorschlusstag der Weltmeisterschaft für 49er, 49erFX und Nacra 17 besser, aber auch noch schlechter ausfallen können. Am bislang schwierigsten Renntag mussten Erik Heil und Thomas Plößel ihre bislang so souveräne Führung an die Olympiasieger und Top-Favoriten Peter Burling und Blair Tuke aus Neuseeland abgeben. Schwache Starts, aber teilweise überragende Aufholjagden ließen die Berliner, die für den Norddeutschen Regatta Verein starten, zwar auf Platz zwei zurückfallen. Ihre  Medaillenchancen aber verteidigten Heil/Plößel bei zwölf Punkten Rückstand auf die Kiwis und immerhin 24 Zählern Vorsprung vor den Briten Dyland Fletcher-Scott/Stuart Bithell vor den letzten beiden Wettfahrten der Hauptrunde und dem Medaillenfinale am Sonntag erfolgreich.

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Mussten sich am Samstag nach schwachen Starts in die komplizierten Bedingungen auf Kurs Takapuna reinknien, um ihre Medaillenchance zu wahren: Erik Heil und Thomas Plößel starten am Sonntag als Zweite in die letzten beiden Rennen vor dem Medaillenfinale

Für 49er-Steuermann Erik Heil kam die durchwachsenen Ergebnisse seiner Crew am Samstag (12-15-10) nicht völlig überraschend. Durch den Streicher infolge des Ruderbruchs zum WM-Auftakt vorbelastet, durfte sich sein Team in schwierigen Bedingungen keinen Frühstart leisten. Entsprechend vorsichtig agierten die bisherigen WM-Spitzenreiter, die sich zusätzlich wie die weitere Mehrheit ihrer Flotte mit dem Lesen der an diesem Tag komplizierten Windbedingungen auf dem neuen Kurs Takapuna schwertaten. "Es war nach unserer bislang so guten Serie klar, dass auch mal ein Tag weniger gut laufen würde. Angespannt waren wir aber nicht, eher locker. Unsere Starts waren aber ganz offenbar extrem schlecht. Und wir haben nicht ganz verstanden, was an diesem Tag auf Kurs Takapuna gefordert war. Es war schwer, einen Plan festzumachen. Unser letztes Rennen des Tages war trotz schlechtem Start das beste, weil wir auf der zweiten Kreuz von 24 auf zehn vorgefahren sind. Insgesamt hätte es uns noch weitaus härter treffen können. Es hat anfangs immer schlechter ausgesehen, als es im Ziel war. Wir bleiben ruhig und auf uns konzentriert."

Die Erleichterung und der Spaß am gelungenen Segeltag sind dem neuen 49er-Spitzenreiter Peter Burling deutlich anzusehen, dem die Verfolgerrolle von Heil/Plößel im Heimatrevier in den vergangenen Tagen so gar nicht gefallen haben dürfte. Burling und sein Vorschoter Blair Tuke übernahmen am Samstag pünktlich vor dem Finaltag die Führung vor Heil/Plößel. Insbesondere beim Sieg im letzten Rennen zeigten die Kiwis ihre ganze Klasse

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Kämpfen am Sonntag um eine WM-Medaille: Erik Heil und Thomas Plößel

Seinen großen Rivalen aus Neuseeland zollte Heil am Samstagabend in Auckland Respekt: "So eine Serie wie die heute von Peter und Blair ist in solchen Bedingungen mit den Ergebnissen 10-5-1 legendär, was die Punktebilanz angeht. Es war klar, dass die Locals und Favoriten irgendwann mal so einen guten Tag haben werden, wenn alle anderen einen schlechten erleben. Das ist ihre Stärke. Aber wir geben am Sonntag einfach Gas. Mit ein paar guten Rennen sind wir wieder dran und haben die Chance auf eine 'Metal Battle'. Alles ist möglich." Zwölf Punkte trennen die zweitplatzierten Deutschen vor den letzten beiden Rennen der Hauptrunde und dem anschließenden Medaillenfinale der Top Ten am Sonntagmorgen (Ortszeit) von den neuseeländischen Überfliegern, die nun im gelben Trikot in den letzten Tag starten.

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Die Attacke der neuseeländischen WM-Favoriten Peter Burling und Blair Tuke kam am Samstag und war erfolgreich. Die Kiwis übernahmen im Heimatrevier die Führung und werden sie am finalen WM-Sonntag mit allen Mitteln verteidigen

AUCH LUTZ/BEUCKE WAHREN MEDAILLENCHANCEN

Bei den 49erFX-Damen rutschten Tina Lutz/Susann Beucke (Chiemsee Yacht-Club/Hannoverscher Yacht-Club) am selben schweren Tag mit 18 Zählern Rückstand auf die drittplatzierten Däninnen Helene Næss/Marie Rønningen  auf Platz vier zurück. In Führung liegen punktgleich vor den brasilianischen Olympiasiegerinnen Martine Grael Soiffiatti/Kahena Kunze die Niederländerinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz (beide 76 Punkte). Vorschoterin Susann Beucke berichtete: "Das war ein sehr, sehr schwerer Tag. Da hat die ganze Bucht guten Wind, und die Wettfahrtleitung schickt uns genau dorthin, wo zwei Windsysteme miteinander ringen. Dort kam der Wind von überall her, und es war kaum zu erkennen, was als Nächstes passiert. Wir sind aber stolz darauf, dass wir trotz des abgegebenen roten Lycra heute keinen Druck verspürt haben. Und wir haben große Lust, uns das Shirt nach morgen wieder anzuziehen." Die Kampfansage der Deutschen könnte nicht klarer formuliert sein. "Das Gute ist", so Beucke, "dass wir morgen noch zwei Rennen segeln, danach erst das Medaillenfinale. Der Drops ist also noch lange nicht gelutscht."

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Spitzenreiterinnen im 49erFX mit der vielleicht wegweisenden Bugnummer 1: die Niederländerinnen Annemiek Bekkering und Annette Duetz

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Tina Lutz und Susann Beucke auf ihrem 49erFX mit der Segelnummer 29

DIE WICHTIGSTE AUFGABE IM NACRA 17 IST ERFÜLLT

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Die Pflichtaufgabe ist gelöst: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer haben den Nationenstartplatz für Deutschland bei der olympischen Regatta 2020 gesichert

Im WM-Feld der Mixed-Katamarane Nacra 17 liegen Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer vor den beiden Abschlussrennen und dem Medaillenfinale am Sonntag auf Platz 13. Ihre wichtigste Aufgabe haben sie gelöst, den Nationenstartplatz für Olympia 2020 für das German Sailing Team gesichert. "Das große Ziel für diesen Event ist erreicht, also sind wir damit schon zufrieden. Insgesamt erwarten wir natürlich in der Zukunft deutlich mehr von uns. Man kann im Nachhinein schon sehen, dass wir in einigen Wettfahrten sehr defensiv und mit dem einzigen Ziel der Sicherung des Nationentickets in diese Serie gegangen sind. Das hat an einigen Stellen auch zu falschen Entscheidungen in Richtung Gesamtergebnis geführt, mit dem wir nur zufrieden sein können, wenn wir mindestens in den Top Acht sind. Möglich wäre sogar mehr gewesen. Also morgen noch mal Angriff und schauen, was geht. Wir wollen natürlich das Medaillenrennen erreichen."

Hier geht es zu den Ergebnissen.

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Die italienischen Gesamt-Führenden im Nacra 17: Vittorio Bissaro und Maelle Frascari

Tatjana Pokorny am 07.12.2019

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