Segeln olympisch

Von Olympia motiviert: das Kohlhoff-Comeback

Am 23. Dezember 2017 hatte Paul Kohlhoff eine schwere Operation überstanden. Jetzt meldet er sich mit Alica Stuhlemmer im olympischen Segelsport zurück

Tatjana Pokorny am 01.05.2018
Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer
Team Kohlhoff/Stuhlemmer

Viele Monate lang hat Paul Kohlhoff abseits vom olympischen Rampenlicht um seine Rückkehr ins Leben und in den olympischen Segelsport gekämpft. Es war eine schwere Zeit, in der ihm seine Familie und Segelfreunde beistanden und um Rücksicht auf die Privatsphäre gebeten hatten. Es war eine Zeit, in der Paul Kohlhoff anfangs um sein Leben bangen musste und über Monate nicht sicher sein konnte, ob er jemals wieder auf olympischem Niveau würde segeln können. Er selbst hat daran geglaubt. Auch das hat ihm die Chance zum Comeback eröffnet.

Nacra17 WM

Das war vor der Operation: Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer bei der Nacra17-Weltmeisterschaft 2017

Die dunkelsten Monate in Paul Kohlhoffs Leben hatten im Dezember 2017 während eines Trainingslagers in Palma de Mallorca mit extrem starken Kopfschmerzen begonnen. Als die am nächsten Tag weiter andauerten, ließ er sich in einem Krankenhaus in Palma de Mallorca untersuchen. Die niederschmetternde Diagnose für den erst 22 Jahre alten Athleten: Hirnblutung! Die jedoch erschien aufgrund ihrer Lage zunächst nicht operabel. Als jedoch wenige Tage später eine Nachblutung erfolgt, gibt es keinen anderen Weg mehr. Ein spanischer Arzt traut sich den so seltenen wie gefährlichen Eingriff zu, wagt die Operation in Palma de Mallorca. "Er ist mein Lebensretter", weiß Paul Kohlhoff, der danach eine monatelange Reha durchlief und sich immer wieder in Geduld üben musste.

Bis Mitte Januar 2018 war der Kieler, den die schwere Krankheit aus seiner bereits angelaufenen zweiten Nacra17-Olympia-Kampagne mit Alica Stuhlemmer gerissen hatte, nicht transportfähig. Erst dann konnte der 1,87 Meter große Sportsoldat in die Heimat zurückkehren. Die Reha absolvierte der Steuermann, der Jupp Heynckes und Dirk Nowitzki zu seinen Vorbildern zählt, in Hamburg. Jetzt ist Paul Kohlhoff zurück im Leben und auch seglerisch wieder voll da. Gerade hat er mit Alica Stuhlemmer ein zehntägiges Segeltraining auf dem Gardasee absolviert. Die Sparring-Partner waren Kohlhoffs ehemalige Vorschoterin Carolina Werner und deren neuer Steuermann Johannes Polgar. 

Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer

Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer beim Nacra17-Training auf dem Gardasee

"Ich bin noch immer leicht eingeschränkt, musste über einen langen Zeitraum viele Medikamente einnehmen", so der Steuermann vom Kieler Yacht-Club, "ich bin aber zuversichtlich, dass wir zu den Höhepunkten des Jahres wieder voll da sein können. Ich bin den Prognosen der meisten Ärzte weit voraus." Der Traum davon, endlich wieder segeln zu können, war für Paul Kohlhoff in der Zeit der Wiedergenesung neben seiner Familie und den Freunden der wichtigste Antrieb. "Man sieht die Dinge jetzt aus ganz anderer Perspektive. Natürlich will ich immer noch gewinnen, aber das Genießen und die Freude am Sport sind unglaublich viel größer geworden. Meine Motivation könnte nicht stärker sein."

Eines aber stellt Kohlhoff auch klar: "Ich wünsche mir, dass meine Krankheit in der kommenden Zeit weder als Ausrede noch als Auslöser für Mitleid herangezogen wird. Mir geht es wunderbar, und wir werden uns zurückkämpfen." Erklärtes Ziel ist der zweite Olympia-Start nach Platz 13 bei den Olympischen Spielen 2016. 2020 wollen Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer im Nacra17 um eine olympische Medaille segeln. Dafür haben sie die Weichen nun als Team neu gestellt.

Mitte März hatten sich Paul Kohlhoff und Alica Stuhlemmer vor Mallorca erstmals wieder aufs Wasser gewagt. In 18 Knoten auflandigem Wind aber war bereits am ersten Tag der Mast ihres Nacra17 gebrochen und hatte das Auftakt-Trainingslager direkt wieder beendet. Mitten in ihrer Abiturzeit war es danach Alica Stuhlemmer, die das Boot allein aus Spanien geholt und nach Kiel gebracht hat, wo das Duo weitere Segeltests im Heimatrevier und anschließend das Gardasee-Trainingscamp erfolgreich abschließen konnte. "Meine Euphorie fürs Foilen hat nicht abgenommen", stellte Kohlhoff danach lächelnd und frohen Mutes fest. Das norddeutsche Duo will schon bei den wichtigsten Regatten in diesem Jahr wieder angreifen. Das Motto für die kommenden gut zwei Jahre: "Für Deutschland nach Tokio".

Hier geht es zur neuen Website des Teams Kohlhoff/Stuhlemmer.

Coole Performance der Vorschoterin, die mit diesem Clip schon vor Monaten Furore machte. Während Paul Kohlhoff sich auskurierte, ließ sie im Training nicht locker

Tatjana Pokorny am 01.05.2018

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