Volvo Ocean Race

"Wir sind am Boden zerstört"

Es gibt keine Hoffnung mehr für den im Southern Ocean verlorenen britischen Segler John Fisher. Die Statements vom Eigner und dem VOR-Präsidenten – AKTUALISIERT

Tatjana Pokorny am 27.03.2018
VOR 2017/2018
VOR/Konrad Frost

Die Volvo-Ocean-Race-Familie trauert um John Fisher. Der britische Segler war am Montagnachmittag im Southern Ocean in stürmischen Winden über Bord gegangen und konnte trotz sofort eingeleiteter Such- und Rettungsaktion in stürmischen Winden bei hohem Wellengang nicht wiedergefunden werden. Sein Team Sun Hung Kai / Scallywag hat die Suche im zunehmenden Sturm inzwischen abbrechen müssen und Kurs auf die rund 1200 Seemeilen entfernte Küste Südamerikas genommen. Über den genauen Ablauf der Tragödie sind noch keine weiteren Fakten bekannt.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Verloren auf See am 26. März 2018: Der britische Segler John Fisher, Crew-Mitglied im Team Sun Hung Kai Scallywag, ging im Southern Ocean über Bord und konnte nicht geborgen werden

Eigner Lee Seng Huang und Sponsor Sun Hung Kai haben am Dienstagvormittag folgendes Statement veröffentlich:

"Wir sind sind am Boden zerstört von den Nachrichten über unser Crew-Mitglied John Fisher nach einem Mann-über-Bord-Unglück am Montagnachmittag. Witty (Skipper David Witt, d. Red.) und die Scallywag-Crew hatten im Southern Ocean mit extrem tückischen Bedingungen zu kämpfen, und seine Tragödie ist herzzerreißend. Die Crew hat alles in ihrer Macht Stehende getan, um John zu bergen und in stürmischen Bedingungen eine intensive Such- und Rettungsaktion durchgeführt. Mit Blick auf die vorhergesagte weitere Wetterverschlechterung und die anbrechende Nacht hat das Team die schwierige Entscheidung getroffen, Kurs auf die etwa 1200 Seemeilen entfernt liegende Küste Südamerikas zu nehmen. Während unserer langen gemeinsamen Passagen habe ich Fish gut kennengelernt. Trotz der Gefahren des Sports hat er das Segeln geliebt. Er ist einer von uns, seit langem ein Teammitglied. Er ist ein großartiger und erfahrener Segler, der netteste Mensch und ein echter Scallywag. Unsere Gedanken und Gebete gelten in dieser schweren Zeit Johns Familie und der Crew. Wir arbeiten mit dem Volvo Ocean Race zusammen, geben alle Unterstützung, die wir nur bieten können. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, das Boot und die Crew in einen sicheren Hafen zu bekommen."

Die bislang bekannten Fakten und das Statement von VOR-Präsident Richard Brisius

Volvo Ocean Race 2017/2018

Sun Hung Kai / Scallywags Skipper David Witt muss seine schwer angeschlagene Crew nun durch den andauernden Sturm auf Kurs Südamerika in Sicherheit bringen

Volvo Ocean race 2017/2018

VOR-Präsident Richard Brisius

Auch Richard Brisius, Präsident des Volvo Ocean Race, hat am Dienstagvormittag ein Statement veröffentlicht:

Heute Morgen bin ich sehr traurig, dass ich darüber informieren muss, dass wir nun annehmen müssen, dass einer unserer Segler, John Fisher vom Team Sun Hung Kai / Scallywag, auf See verloren ist.

Das ist für uns alle herzzerreißend. Für uns als Segler und Renn-Organisatoren ist es eine unfassbare Tragödie, ein Crew-Mitglied auf See zu verlieren. Wir sind am Boden zerstört, und unsere Gedanken gelten Johns Familie, Freunden und Teamkameraden.

Die Rennleitung war gestern kurz nach 13 Uhr UTC (15 Uhr deutscher Zeit) vom Team Sun Hung Kai Scallywag über den Mann-über-Bord-Vorfall informiert worden. Wir haben (unsere Maßnahmen, d. Red.) sofort mit dem Team und auch mit dem Maritime Rescue Coordination Centre koordiniert, die ein Schiff ausgemacht und zur Unglücksstelle umgeleitet haben. Doch angesichts der gegebenen Geschwindigkeit befindet es sich immer noch einen Tag weit weg.

Weil sich der Rest der Volvo-Ocean-Race-Flotte etwa 200 Meilen vor dem Wind befand, war es keine realistische Option, sie gegen die stürmischen Winde zur Hilfe zurückzuschicken.

Das Team Sun Hung Kai / Scallywag hat über mehrere Stunden eine umfangreiche Suchaktion in extrem fordernden Bedingungen durchgeführt, doch es ist ihnen nicht gelungen, ihren Crew-Kameraden zu bergen. Mit Blick auf die kalten Wassertemperaturen, den extremen Wellengang und die Zeit, die seit dem Unglück vergangen ist, müssen wir nun annehmen, dass John auf See verloren ist.

Alle hier im Organisationsteam des Volvo Ocean Race senden unser herzliches Beileid an Johns Familie, seine Freunde und seine Teamkameraden. Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um sie in dieser sehr schweren Zeit zu unterstützen.

Das Team Sun Hung Kai / Scallywag ist nun mit nordöstlichem Kurs unterwegs. Tatsächlich befindet sich die Mannschaft weiterhin in sehr fordernden Bedingungen. Das Wetter verschlechtert sich und wird entsprechend der Prognosen über den Tag ziemlich heftig werden. Die Crew ist nach dem gerade Erlebten natürlich emotional und physisch angeschlagen. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, dem Team alle nur mögliche Unterstützung und Hilfe zukommen zu lassen. 

Wir sind sicher, dass es viele Fragen dazu geben wird, wie einer unserer Segler gestern über Bord gehen konnte. Wir werden diese beantworten können, nachdem ein vollständiges Debriefing mit der Crew erfolgt ist. Heute aber richten sich unsere Gedanken an Johns Familie und das gesamte Scallywag-Team."

Tatjana Pokorny am 27.03.2018

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