Volvo Ocean Race

"Wir haben unser Lächeln zurück"

Des einen Leid, des anderen Freud: Team Brunel hat seine Führung vorerst verloren. Und Dongfeng-Skipper Caudrelier freut sich übers Comeback

Tatjana Pokorny am 22.02.2015
Volvo Ocean Race 2014/2015, Etappe 4

Das Dongfeng Race Team ist nach langer zäher Aufholjagd zurück im Rennen

Es hatte sich schon abgezeichnet, dass Team Brunel mit dem zu frühen Vorstoß in Richtung Süden nicht den gleichen Erfolg erzielen würde wie mit dem Ausbruch nach Norden schon bald nach dem Startschuss. Seit Tagen war die Konkurrenz immer dichter an Skipper Bouwe Bekking und sein Team herangerückt. Allen voran Abu Dhabi Ocean Racing. Schon am Samstag hatte Brunels Anbord-Reporter Stefan Koppers mit Glagenhumor geschrieben: "Kennt ihr das Gefühl. wenn ihr einen Thriller seht und der Bösewicht einfach nicht sterben will? Das ist super nervig! Nach dem 'Kampf der Titanen' zwischen dem Guten und dem Bösen wird der Schurke in die Schlucht verklappt. Glücklich ist der Held, der seine Lieben umarmt, die er vor dem Bösewicht beschützt hat. Doch plötzlich stellt sich heraus, dass der Bastard noch am Leben ist, weil er sich wie durch ein Wunder mit einem einhändigen Griff nach einer Felskante retten konnte. Und der ganze Kampf beginnt wieder von vorn. So fühlt es sich für mich mit Abu Dhabi an. Die geben den Kampf einfach nicht auf! Nach der Hälfte des Rennens hoffte ich, dass Ian Walkers Crew geschlagen sei. Nachdem Capeys Meisterleistung mit der Nordoption erfolgreich war, hatten wir eine angenehme 65-Seemeilen-Führung. Einmal von Rotterdam bis nach Utrecht … und zurück!! Doch binnen zwei Nächten haben die Araber sie auf 14 Seemeilen runtergedrückt. Diese Jungs von Abu Dhabi Ocean Racing sind zähe Bösewichte. Doch es wird ihnen nichts nützen!"

Der letzte Satz von Coppers verlieh angesichts der Positionierungen schon eher der Hoffnung als dem Glauben Ausdruck – der Hoffnung, dass Brunels Skipper Bouwe Bekking als "der wahre Held" niemals aufgibt. Bekking, so berichtet Coppers, habe am Freitag noch kämpferisch gegrinst und gesagt: "Wir liegen immer noch in Führung. Und wir werden sie verteidigen."

Etappe 4, Positionen am 22. Februar morgens

Positionsreport vom 22. Februar, 7.40 Uhr deutscher Zeit: Man sieht deutlich, dass sich Team Brunel zu weit nach Süden gewagt hatte, reumütig zur Flotte zurückkehren und sich hinten einreihen musste

Volvo Ocean Race 2014/2015, Etappe 4

Wird es ein Matchrace ins Ziel geben? Die Männer im Team von Abu Dhabi Ocean Racing sind auf ein Duell gegen Charles Caudreliers Dongfeng Race Team eingestellt

Daraus aber wurde nichts. Team Brunel hatte sich zu weit nach Süden gewagt und war dort in flauen Feldern steckengeblieben, während die Konkurrenz etwas nördlicher am gelben Boot vorbeizog. So blieb Bekking und seinem erfahrenen Navigator Andrew Cape keine Wahl, als das Heckwasser der führenden Boote zu kreuzen und sich wieder ins Feld einzureihen. Dort liegen die in der vergangenen Woche noch "fliegenden Holländer" nun an Position fünf und müssen kämpfen, wenn ihre Thriller-Version beim Zieldurchgang in Auckland in etwa einer Woche noch wahr werden soll.

Volvo Ocean Race 2014/2015, Etappe 4

So flott wäre Team Brunel in den vergangenen Tagen gern gewesen. Doch inzwischen mussten sich die Holländer als Fünfte ins Feld einreihen

In Führung lag am frühen Sonntagmorgen Abu Dhabi Ocean Racing mit 5,4 Seemeilen Vorsprung vor der spanischen "Mapfre"-Crew und dem wiedererstarkten Dongfeng Race Team. Für die Gesamtführenden unter chinesischer Flagge hatte Skipper Charles Caudrelier bereits am Samstag seine Erleichterung ausgedrückt: "Wir sind zurück in der südlichen Hemisphäre. Wir haben in den vergangenen Tagen unser Lächeln zurückbekommen und segeln wieder auf einer Podiumsposition. Gestern haben wir SCA überholt, heute morgen Mapfre. Wir sind schnell, und das fühlt sich gut an."

In bester Laune segelt auch Abu Dhabi Ocean Racings Crew dem Ziel entgegen. Anbord-Reporter Matt Knighton berichtete: "Im glatten blauen Revier des Südpazifiks ist Ian (Red.: Skipper Ian Walker) bester Dinge. Mit Blick auf das erwartete Verdrängungsrennen in Richtung Süden hat Ian für uns das bevorstehende Szenario zusammengefasst: 'Ich wäre nicht überrascht, wenn es damit endet, dass wir und Dongfeng uns bis zum Ende der Etappe nach Auckland ein Matchrace liefern."

Dass Walker dabei die so lange in Führung gelegenen Holländer nicht mehr erwähnt, mag dem Kalkül des "Schurken" aus Stefan Koppers Träumen entsprechen. Oder aber einfach der aktuellen Lage: Team Brunel hat zum eigenen Entsetzen und Schrecken seiner Fans inzwischen 34 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiter angehäuft, dabei allein in der Nacht auf Sonntag – beim Wiedereingliedern ins Feld – 15 Seemeilen verloren. Ob es in diesem Etappen-Thriller noch einmal ein Comeback der Holländer geben wird, erscheint nach 14 Tagen auf See fraglich.

Volvo Ocean Race 2014/2015, Etappe 4

Das Team Abu Dhabi Ocean Racing fand sogar noch Zeit für eine weitere heitere Äquatortaufe

Tatjana Pokorny am 22.02.2015

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