Volvo Ocean Race

Warum John Fisher im Southern Ocean über Bord ging

Das Team Sun Hung Kai / Scallywag hat einen ersten Bericht über das tragische Unglück veröffentlicht, bei dem John Fisher über Bord ging und sein Leben verlor

Tatjana Pokorny am 28.03.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
VOR/Konrad Frost

Sun Hung Kai / Scallywag vor dem tragischen Unglück im Southern Ocean

Volvo Ocean Race 2017/2018

Verloren auf See am 26. März 2018: der britische Segler John Fisher, Crew-Mitglied im Team Sun Hung Kai / Scallywag

Der tragische Tod des britischen Seglers John Fisher, der am Montag etwa 1400 Seemeilen westlich von Kap Hoorn im Southern Ocean über Bord gegangen war und von seinem Team trotz der umgehend eingeleiteten Such- und Rettungsaktion und fast übermenschlicher Anstrengungen im Sturm nicht wiedergefunden werden konnte, beschäftigt die Segelwelt seit zwei Tagen. Jetzt hat das Team Sun Hung Kai / Scallywag einen ersten Bericht über die Abläufe des Mann-über-Bord-Unglücks veröffentlicht. Währenddessen ringt die Mannschaft um Skipper David Witt immer noch mit stürmischen Winden, versucht einen Hafen an der chilenischen Küste anzulaufen.

"Es ist die schlimmste Situation, die du dir für dein Team vorstellen kannst", sagte Sun Hung Kai / Scallywags Teammanager Tim Newton, der mit David Witt und Navigatorin Libby Greenhalgh über die Ereignisse am vergangenen Montag gesprochen hat. Newton sagte: "Wir sind absolut untröstlich für Johns Familie und Freunde. Ich weiß, dass David seinen besten Freund verloren hat. Es ist verheerend." Newton hat die Crew darum gebeten, eine zeitliche Einordnung der Abläufe zu verfassen.

Was am Montag an Bord des Teams Sun Hung Kai / Scallywag passierte, schildert die Crew so:

  • Am Montag, den 26. März, segelte Sun Hung Kai / Scallywag in Etappe 7 des Volvo Ocean Race von Auckland in Neuseeland nach Itajaí in Brasilien, befand sich etwa 1400 Seemeilen westlich von Kap Hoorn.
  • Die Wetterbedingungen waren 35 bis 45 Knoten Wind bei vier bis fünf Meter hohen Wellen, wobei Regenschauer die Sicht einschränkten. Es war noch eine Viertelstunde bis zum Sonnenaufgang.
  • Das Team segelte mit einem einfachen Reff im Großsegel und unter J2-Vorsegel. Der Fractional 0 (FR0, Gennaker, d. Red.) war gesetzt, aber eingerollt.
  • Gegen 13 Uhr UTC (15 Uhr deutscher Zeit) surfte SHK/Scallywag eine große Welle hinunter, was zu einer unbeabsichtigten Patenthalse führte.
  • John Fisher war an Deck, im Cockpit. Zu der Zeit bewegte er sich gerade nach vorn, um das FR0-Segel zu klarieren und hatte seinen Lifebelt (der ihn mit dem Boot verbindet, d. Red.) deshalb ausgehakt
  • Als das Großsegel in der Halse auf die andere Seite schlug, hat das Großsegel-System (Großbaum oder Baumniederholer, d. Red.) John erwischt und ihn vom Boot gehauen. Die Crew glaubt, dass John schon von dem Schlag bewusstlos war, bevor er ins Wasser fiel.
  • Er trug seinen Überlebensanzug mit einer Neoprenkapuze, Handschuhe und Rettungsweste. 
  • Die Markierungsboje und der Rettungsring wurden aus dem Heck des Bootes geworfen, um die Position zu markieren.
  • Es dauerte einige Zeit, das Boot unter Kontrolle zu bringen und unter Motor und Segeln zu der Stelle zurückzukehren, in deren Nähe sich der Mann-über-Bord-Vorfall ereignet hatte.
  • Um 13.42 Uhr UTC (15.42 Uhr deutscher Zeit) hat die Crew die Rennleitung per E-Mail darüber informiert, dass ein Mann über Bord gegangen ist und sie zur MOB-Position zurückkehren, um ein Suchraster zu beginnen.
  • Die Such- und Rettungsaktion wurde mit der Unterstützung des Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) und der Rennleitung in Alicante über mehrere Stunden durchgeführt, doch es gab keine Zeichen von John, dem Rettungsring oder der Markierungsboje.
  • Angesichts der sich verschlechternden Wetterbedingungen wurde die schwere Entscheidung getroffen, die Suche aufzugeben und die Sicherheit der verbliebenen Crew zu wahren.

Newton berichtet, dass sein Team verstört sei, aber sich klar darauf konzentrieren würde, die Mannschaft und das Boot zurück an Land zu bringen.

"Die Situation ist für unser Team noch nicht vorbei", sagte Newton am Mittwoch. "Die Bedingungen sind mit Blick auf die starken Winde und die sich über die kommenden Tage noch weiter aufbauende See extrem fordernd. Unser einziger Fokus liegt darauf, das Team mithilfe der Rennleitung sicher in den Hafen zu bekommen." Sei das einmal geschafft, so Newton, gäbe es genügend Zeit für ein ausführliches Debriefing.

VOR 2017/2018

Der am Montag über Bord gegangene und seitdem vermisste John Fisher vor dem Unglück am Grinder

Tatjana Pokorny am 28.03.2018

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

    ANZEIGE

    Das könnte Sie auch interessieren

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online