Regatta

Unter deutscher Flagge für das Ocean Race gemeldet

Nach seinem Vendée-Globe-Solo 2020/21 als erster Deutscher will Boris Herrmann in der 14. Auflage 2021/22 auch eine Crew um die Welt führen

Tatjana Pokorny am 14.06.2019
The Ocean Race 2021/2022
Andreas Lindlahr/Team Malizia

Team Malizia – hier vor der Hamburger Elbphilharmonie – hat fürs Ocean Race gemeldet

Im November 2020 wird Boris Herrmann der erste deutsche Segler in drei Jahrzehnten Vendée-Globe-Geschichte sein, der an der härtesten Segelprüfung für Mensch und Material teilnimmt. Doch damit nicht genug: Was YACHT online bereits berichtete, hat der Wahl-Hamburger inzwischen auch mit der offiziellen Meldung für The Ocean Race besiegelt: Der 38-Jährige und sein Team wurden als Teilnehmer für das bekannteste Mannschaftsrennen um die Welt akzeptiert. Der als Whitbread Round the World Race bekannt gewordene und als Volvo Ocean Race fortgeführte Meeres-Marathon startet in zwei Jahren in seine 14. Auflage und gilt als wichtigster Regattagipfel für Seesegel-Teams. Herrmanns formiert für die Herausforderung eine junge, deutsch-internationale Mixed-Crew, die auf der 18 Meter langen Imoca unter deutscher Flagge um die Welt segeln wird.

The Ocean Race 2021/2022

Team Malizia im Wettkampf mit den Größen der Szene

"Das Volvo Ocean Race wurde zur Legende und gehört neben der Vendée und dem America‘s Cup sowie den Olympischen Spielen zu den 'großen Vier' im Segeln. Nun heißt es The Ocean Race und ist damit auch für unseren deutschen Automobilpartner BMW potenziell attraktiv", sagt Herrmann, der seit zwei Jahren im Exekutivkomitee der Imoca-Klasse maßgeblich daran mitgewirkt hat, dass die modernen Open-60-Boote zukünftig auch im Ocean Race starten. Und weiter: "Dies ist eine einmalige Chance für uns und den gesamten Segelsport in Deutschland."

"Fantastisch, Hermann und sein Team dabei zu haben"

"Es ist fantastisch, Boris Herrmann und das Team Malizia willkommen zu heißen, nachdem sie die ersten Schritte für eine Teilnahme an der Ausgabe 2021/22 von The Ocean Race gegangen sind. Als registriertes Team haben sie bei ihrer Vorbereitung Zugang zu unseren unterstützenden Ressourcen seitens des Regattaveranstalters", freut sich Richard Mason, Organisationschef vom The Ocean Race. Deutschland habe eine kurze, aber eindrucksvolle Historie in diesem Rennen mit dem Gesamtgewinner illbruck Challenge 2001/02. "Boris hat mit seinem vollen Hochseeregattaprogramm bis zum Start von The Ocean Race eine gute Ausgangsposition, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben. Sein Team ist außerdem ein starker Botschafter für den Meeresschutz und Nachhaltigkeit, welche auch im Fokus des Events The Ocean Race der Zukunft stehen", so Mason.

Boris Herrmann

Haben schon einige Bewährungsproben souverän bestanden: "Malizia" und ihr Skipper Boris Herrmann

Seit dem Sieg der Leverkusener illbruck Challenge vor 20 Jahren hat kein deutsches Team mehr an der Weltregatta teilgenommen. Nun sind es möglicherweise gleich zwei, denn auch das Offshore Team Germany (OTG), das sein Boot am 21. Juni in Kiel tauft, segelt mit Kurs auf The Ocean Race. Die nächste Route soll wieder längere Südpolarmeer-Etappen aufweisen und dann über mehrere Etappenhäfen zurück nach Europa führen – was die Attraktivität für Fans und Sponsoren gleichermaßen erhöht. Gestartet wird im Herbst 2021 in Alicante/Spanien, das Ziel liegt im Sommer 2022 in Europa. Die exakte Route mit den Etappenhäfen soll in Kürze bekanntgegeben werden.

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Schneller Foiler "Malizia"

Mit Foils und Einheitsmast erfüllt "Malizia" die Voraussetzungen

"Mit der 'Malizia' hat unser Team ein hochgradig optimiertes Boot als Voraussetzung für eine erfolgreiche Teilnahme", so der Skipper. Nicht jedes IMOCA-Open60-Boot wird zum Ocean Race zugelassen. So müssen sie mit Foils (seitliche Tragflächen statt Steckschwerter) der neuesten Imoca-Generation ausgestattet sein sowie mit einem von der Klasse vorgeschriebenen Einheitsmast segeln. "Diese Kriterien erfüllt die 'Malizia' derzeit als einzige deutsche Yacht", so Boris Herrmann. Die 18,26 Meter lange und 5,50 Meter breite Rennyacht wurde 2015 als einer der ersten Open 60 für das französische Gitana-Team nach neuester Technologie mit Foils gebaut. Zwei Jahre später erwarb der mit Boris Herrmann befreundete Stuttgarter Immobilienunternehmer Gerhard Senft das Boot für das Team Malizia. Seitdem ist die Yacht im Hamburger Schiffsregister eingetragen und fährt unter deutscher Flagge.

Yacht Club de Monaco sichert Vendée Globe

Bei der vierjährigen Vorbereitung auf die Vendée Globe, die auch als Mount Everest der Meere bezeichnet, wird Herrmann maßgeblich vom Yacht Club de Monaco (YCM) unterstützt. Sein Segelfreund Pierre Casiraghi, ältester Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco, ist YCM-Vizepräsident und Teamgründer. Zu zweit bestritten der Deutsche und sein monegassischer Co-Skipper ihr erstes gemeinsamen Rennen des Jahres beim 67. Giraglia Rolex Race von Saint-Tropez in Frankreich um den Giraglia-Felsen im Norden Korsikas nach Monaco. Für die 241 Seemeilen brauchten sie nur 20 Stunden und gut 40 Minuten. Auch das legendäre Rolex Fastnet Race am 3. August in England werden Herrmann und Casiraghi gemeinsam bestreiten.

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Bei der Arbeit unter Deck: Pierre Casiraghi und Boris Herrmann

"Die Partnerschaft mit Monaco ist außergewöhnlich und stellt die erste deutsche Teilnahme an der Vendée finanziell sicher", dankt Boris Herrmann sowohl dem Club als auch dem Fürstentum insgesamt. Derzeit arbeiten im Team Malizia acht internationale Experten in Vollzeit, unterstützt von mehreren freien, professionellen Beratern. Das Budget ist im Vergleich zu anderen Top-Kampagnen klein, hat es aber bereits auf den zweiten Platz der Imoca-Weltrangliste geführt.

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Segelfreunde und bei Zweihand- und Teamregatten auch Co-Skipper: Pierre Casiraghi und Boris Herrmann

Partner aus der Wirtschaft für die Zukunft

Ungeachtet der Unterstützung durch den YCM sucht das Team Malizia einen starken Partner aus der Wirtschaft, der den Weg auch ab sofort über den Sommer 2021 hinaus mit ihm gehen will. The Ocean Race ist dabei nach der Vendée der nächste Meilenstein. Das Weltrennen mit zahlreichen Etappenstopps bietet global operierenden Unternehmen einzigartige Hospitality-Möglichkeiten und eine breite Sichtbarkeit ihrer Marken auf den wichtigsten Märkten. Seit der Gründung vor vier Jahren hat Boris Herrmann, der 2008/09 als erster deutscher Skipper ein Rennen um die Welt gewann (Portimão Global Ocean Race mit Felix Oehme) und mit 47 Tagen schnellster deutscher Weltumsegler ist, sein Team sportlich etabliert und in der Weltspitze positioniert.

In zehn Hochseeregatten mit dem Open 60, von denen keine einzige aufgegeben werden musste, landete der Skipper allein oder mit Crew immer unter den besten Sechs. Aufaddiert ist der Team Malizia bis heute schon zweimal um die Welt gesegelt und hat damit mehr Erfahrung gesammelt als alle Konkurrenten. Herrmann: "Wir wollen nächstes Jahr das zuverlässigste Schiff am Start haben. Das ist die Grundlage für einen soliden Erfolg." Obwohl die Konzentration derzeit der Vorbereitung des Einhand-Olymps gilt, agiert das Team Malizia zwischendurch auch immer wieder in Crewstärke. 2018 gewann Boris Herrmann mit einer fünfköpfigen Mannschaft aus Norddeutschland das Atlantic Anniversary Race als schnellstes Schiff im Ziel vor Cuxhaven und stellte beim ersten Rennen mit dieser Crewstärke auf einer Imoca-Open60-Yacht unter Beweis, dass die Klasse hierfür ideal geeignet ist. 

49er-FX-Seglerin Susann Beucke an Bord

Vor kurzem ging erstmals die 49er-FX-Seglerin Susann Beucke aus Strande für drei Kurzwettfahrten mit an Bord und unterstrich ihre Ambitionen im Hochseesegeln. "Mein erster Einsatz auf der 'Malizia' war überwältigend. Der Teamspirit ist fantastisch, und ich habe viel über das Hightech-Boot gelernt. Das wird gar nicht so einfach, aufs Skiff zurück zu gehen", schwärmte Susann Beucke. Nach ihrer Olympiakampagne für Tokio 2020 will sie ins Hochseesegeln wechseln. "Susann hat das Zeug, mit uns beim Ocean Race dabei zu sein", sagte Herrmann, "momentan ist sie in meinen Augen die qualifizierteste deutsche Kandidatin."

Segeln für den Klima- und Meeresschutz

"Nur schnell zu segeln ist aber nicht genug", betont Boris Herrmann immer wieder, "wir Profis müssen mehr tun und hinter einer Mission stehen." Seine gilt dem Klima- und Meeresschutz. Die Kampagne Malizia Ocean Challenge beschäftigt sich sowohl wissenschaftlich als auch pädagogisch mit dem Klimawandel. In Kooperation mit weltweit führenden Einrichtungen, unter anderem dem Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und dem Geomar-Helmholtz-Zentrum für Meeresforschung in Kiel, wird auf allen Routen der Kohlendioxid- und Salzgehalt der Weltmeere gemessen, um dessen Bedeutung für die Klimaerwärmung zu analysieren. Dafür hat die "Malizia" ein eigenes Ozeanlabor, ein hochentwickeltes Messsystem mit einem speziellen Sensor, in die Bordtechnik aufgenommen. Parallel läuft in mehreren Ländern, darunter auch in Deutschland, ein Schulprogramm, das Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren frühzeitig für Themen zum Umwelt- und Meeresschutz sensibilisiert. Bislang nahmen schon 4.500 Mädchen und Jungen an den Seminaren teil. Lehrer und Schüler können sich über die Website myoceanchallenge.org für eine kostenlose Teilnahme an dem Programm bewerben.

Im Januar wurde das Projekt auf der Messe boot in Düsseldorf von Fürst Albert II. von Monaco und der Hamburger Meeresstiftung mit dem Ocean Tribute Award ausgezeichnet. Nächster großer, öffentlicher Auftritt wird die Klimawoche Ende September in Hamburg. Am 27. September wird Birte Lorenzen, im Team Malizia zuständig für den pädagogischen Teil, zusammen mit Peter Landschützer vom Max-Planck-Institut und Boris Herrmann eine Großveranstaltung für 400 Hamburger Schulkinder zum Thema Klimawandel und Ozeane leiten. Boris Herrmann treibt das Thema Nachhaltigkeit nicht nur mit der eigenen Malizia Ocean Challenge voran, sondern ist auch Beauftragter der Imoca-Klasse zu dem Thema. Er koordiniert die Abstimmung mit The Ocean Race, für das alle Yachten mit einem baugleichen Hochseelabor ausgestattet werden sollen, wie es die "Malizia" bereits seit vorigem Sommer an Bord mitführt.

Boris Herrmann – Team Malizia

Round-the-World-Skipper Boris Herrmann

Tatjana Pokorny am 14.06.2019

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