Weltumsegelung

Zurück im Rennen (gegen den Herbst)

Nach drei Wochen im galizischen Viveiro haben Johannes Erdmann und Cati Trapp wieder Segel gesetzt – und nehmen Kap Finisterre in Angriff

Johannes Erdmann am 20.11.2014
"Maverick too" lässt Cariño im Kielwasser

"Maverick too" lässt Cariño im Kielwasser

Manchmal dauert alles ein wenig länger als geplant. Vor allem auf einem Langfahrttörn. Doch mit vier Wochen Verspätung in La Coruña einzulaufen ist schon ein außerordentliches Pech. 

Nachdem wir vor gut einem Monat die Biskaya überquert haben, finden wir uns mit Maschinenschaden in einer bleiernen Flaute vor der galizischen Küste wieder. Mindestens drei Tage Flaute kündigt der Wetterbericht an. Also entweder mit den Gezeiten wieder zurück auf die Biskaya treiben – oder an der felsigen Küste zerschellen. Es gibt keinen anderen Weg: Wir müssen uns einschleppen lassen. Mit gesenkten Häuptern fahren wir im Kielwasser des spanischen Rettungsboots,  am Ende des Schlepps haben wir dann einen kleinen Fischerort erreicht. Mithilfe der Retter und eines Klempners gelingt es, den Motor wieder so weit in Stand zu setzen, dass wir den kleinen Ort Viveiro unter eigener Kraft ansteuern können. "Noch weiter im Osten", denke ich damals. Aber es soll ja nur ein kleiner Zwischenstopp werden. Schließlich sind die Ersatzteile aus Deutschland schon bestellt …

Pustekuchen. Tagelang können wir unseren drei Paketen online dabei zusehen, wie sie in spanischen Postämtern herumliegen. Als sie dann nach zwei Wochen endlich im Büro des Hafenmeisters abgegeben werden, ist das Wetter bereits umgeschlagen. Der Sommer, der uns noch zwei Wochen vorher mit 25 Grad empfangen hat, ist endgültig vorbei. Der Herbst hat uns eingeholt. Das heißt: 13 Grad, Regen und Nebel. Und schlimmer noch: Gegenwind der Stärke 5 bis 8. Tagelang.

Viel Regen im Norden Spaniens

Viel Regen im Norden Spaniens

Der Motor repariert, das Schiff wieder in Schuss – und prompt müssen wir mit neuen Problemen kämpfen. Und zwar mit Problemen, mit denen wir bei der Abfahrt nicht gerechnet hätten. Wir hatten eigentlich geplant, mit dem Schiff auch mal eine Weile in kälteren Gebieten zu verbringen und haben es vor der Abfahrt komplett mit einem tollen Dämmstoff isoliert. Nur die Decke der Kajüte nicht, denn das Schiff besitzt eine Innenschale und wir hätten die 19 Millimeter starke Dämmung darauf aufkleben müssen. Das hätte nicht nur ebenjene 19 Millimeter zusätzliche Stehhöhe gekostet, sondern auch nicht so hübsch ausgesehen wie eine ebene, glatte Plastikfläche. 

Eine Entscheidung, die sich nun auf dieser halbkalten Etappe rächt. Unsere Dieselheizung ist kaputt, braucht eine neue Platine. "Aber wozu jetzt noch Geld in die Heizung stecken", habe ich in England gedacht, "wir sind ja bald in Spanien." Seit England haben wir deshalb nur einen kleinen Heizlüfter, der zwar warme Luft erzeugt, aber keine frische Luft in die Kajüte pustet, die die Kajüte trocknet. Ein Luk offen zu lassen geht auch nicht, weil es zeitweise in Strömen regnet. Morgen um Morgen wachen wir also in einer Tropfsteinhöhle auf. Manchmal auch schon während der Nacht, wenn einer der kalten Tropfen genau im Gesicht landet. 

Als wir nun also nach zwei Etappen La Coruña erreichen, hat Cati einen ganzen Tag lang zu tun, um alle Schapps zu leeren. Wir haben voll gebunkert. Viele Papp-Verpackungen – und die schimmeln gern. Pappe um Pappe reißt sie auseinander und entsorgt Mülltüte um Mülltüte. Endlich mal hat es einen Vorteil, dass Nahrungsmittel oft außen in Pappe verpackt und innen nochmal eingeschweißt sind. 

Doch am schlimmsten hat es die Hundekoje getroffen – Schimmel ohne Ende. Wir sind echt baff, wie das so schnell entstehen konnte. Haben wohl zu eng gestaut. Die Gitarrentasche ist nicht zu retten, die müssen wir wegwerfen. Auch ein paar alte Seekarten von meiner ersten Atlantikreise. Zum Glück alles alte Kopien aus den fünfziger Jahren. Wieder ist Cati eine Stunden am Schrubben und am Sprühen. Sagrotan, du rettest Leben.

Das Feuchte Wetter hinterlässt Spuren: Schimmel ohne Ende

Das feuchte Wetter hinterlässt Spuren: Schimmel ohne Ende

Ich mache mich in der Zwischenzeit auf den Weg in die Berge. Am anderen Ende der Stadt habe ich einen Handyladen ausfindig gemacht, der das Glas meines alten iPhones tauschen kann, das ist auf der letzten Etappe kaputtgegangen. Da das iPhone zugleich das Backup für die iPad-Navigation darstellt, muss es in Ordnung sein. Lässt sich für 60 Euro ersetzen, allerdings ist das Glas nicht auf Lager und muss bestellt werden. Nochmal runter vom Berg und am nächsten Tag wieder rauf. Ein Umweg zum Baumarkt, und schon sind in zwei Tagen 18,5 Kilometer zusammen – und die Schuhe durchgelaufen. 

Fotostrecke: An Galiziens Küste

Nun ist alles wieder shipshape, und wir wollen morgen das große Kap in Angriff nehmen – 85 Seemeilen bis nach Muros. Die Wettervorhersage ist nicht optimal. Leichte Südwinde. Aber so haben wir zumindest ein Ass im Ärmel, falls wir einen Zwischenstopp einlegen müssen, so wie auf der Etappe von Viveiro hierher. Gleich nach Auslaufen waren wir überwältigt von der gigantisch hohen See. Immer noch rollten aus Westen Wellen mit über vier Meter Höhe auf uns zu. Nach 18 Meilen hatten wir darauf keine Lust mehr und sind in Cariño vor Anker gegangen. Dem Hafen, in den wir einige Wochen vorher geschleppt worden sind.

"Maverick too" – startklar für die nächste Etappe

"Maverick too" – startklar für die nächste Etappe

Falls uns die 85 Seemeilen morgen zu lang werden, können wir abends ankern und am Samstag den Rest der Strecke in Angriff nehmen. Dann wehen nämlich leichte Nordwinde. Und optimaleres Wetter können wir hier jetzt, Ende November, auch wahrlich nicht erwarten … Deshalb nichts wie weg hier. Schnell in den warmen Süden.

Mehr Infos zur Reise auf www.zu-zweit-auf-see.de.

Johannes Erdmann am 20.11.2014

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