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"Maverick": Kreuzen wie ein Rahsegler

Neuer Bericht von Bord: Johannes und Cati Erdmann auf dem langsamen Treck nach Osten – plötzlich umringt von einer Flotte ARC-Teilnehmer

Jochen Rieker am 19.05.2016
Johannes Erdmann

Transatlantik mit Begleitung: "Maverick too" auf Kurs Heimat

Es ist immer witzig, auf See einem anderen Schiff zu begegnen. Auf der Route von den Kanaren in die Karibik ist das ja nicht so häufig der Fall, weil wir uns als Segelyacht an die alten Segelrouten und den Passatwind halten, während die Containerschiffe eher den direkten Weg wählen. Hier oben zwischen den Bermudas und Azoren ist hingegen der Bär los. Vor allem in dieser Woche. Ohne vorgewarnt zu werden, befinden wir uns seit gestern Nacht inmitten einer Regatta.

"Da kommt ein Boot von achtern auf uns zu", ruft Cati mit Blick aufs AIS. Es ist kurz nach Mitternacht, Wachwechsel. "Class B". Ein Sportboot also. "Wie ist die MMSI?" – "Beginnt mit 211…" – "Hey, eine deutsche Yacht! Was für ein Zufall!". Eine Stunde später spuckt das System noch mehr Informationen aus. Die "Garlix" ist 13 Meter lang und knallt mit 7 Knoten hoch am Wind von hinten auf uns zu, während wir nur 4,5 Knoten laufen. "Vom Namen her ist das bestimmt eine X-Yacht", vermute ich. Das Schiff läuft auch etwa 15 Grad mehr Höhe als wir. Schnell überholt es uns in Luv und ist ein paar Stunden später vom AIS verschwunden.

Heute früh ist der AIS-Schirm voller Schiffe. Sieben Stück zählen wir, die meisten aus Europa, allesamt mit Kurs zu den Azoren. Zwischen 12 und 14 Meter lang und damit deutlich schneller als wir. Stundenlang segeln wir Bug an Bug mit den Yachten, bis sie uns dann irgendwann im Kielwasser lassen. "Ach, ich weiß, woher die so plötzlich kommen", erinnere ich mich. "Gestern muss die ARC von Bermuda zu den Azoren gestartet sein!" Also sind wir mittendrin. Werden wohl aber als letzte Yacht ankommen.

"Unfassbar, dass sie uns schon eingeholt haben", sagt Cati. Wir waren bereits einen Tag vor ihrem Start an Bermuda vorbeigesegelt, danach aber nicht mehr so recht vorangekommen. Der Wind hatte nämlich auf Ost gedreht und uns einen irrsinnigen Kreuzkurs beschert. Da am Donnerstag ein großes Tiefdruckgebiet vom Atlantik heranschwenkt, wollten wir uns möglichst weit südlich halten. Wir haben gehört, dass die Yachten im Transat-Rennen weiter im Norden damit schon ordentlich Probleme bekommen haben. Wenn wir südlich von Bermuda bleiben, sollten wir jedoch nicht mehr als 25 bis 30 Knoten Wind abkriegen.

Doch so weit südlich zu bleiben ist gar nicht einfach, denn östlich Bermudas setzt ein Strom gegenan, durch den wir uns zunächst durchkämpfen mussten. Der Kurs hoch am Wind bescherte uns den Wendewinkel eines Rahseglers: 160 Grad von hoch am Wind zu hoch am Wind, mehr war gegen den Strom nicht zu machen. Wir konnten also genau nach Norden segeln oder Kurs 160 Grad. Fast genau nach Süden mit einer leichten Ostkomponente. Das haben wir also den ganzen lieben langen Tag gemacht, um aus dem Strom rauszukommen.

Erst als der Wind am Abend etwas südlicher drehte, konnten wir eine Wende fahren und Kurs 40 Grad laufen. Nur gut, dass unser Tracker auf zu-zweit-auf-see.de kein Echtzeittracking bietet – ansonsten würde es wohl aussehen, als wären wir verrückt geworden. Das Etmal der letzten 24 Stunden gibt deshalb auch kein rechtes Bild unseres Vorankommens. Zwar haben wir 102 Meilen zurückgelegt, aber nur etwa 30 aufs Ziel gutgemacht.

Seit Mittwoch laufen wir nun wieder gut auf Kurs Richtung Ziel. Aber wir sind gespannt, wie das Tiefdruckgebiet morgen die Karten wieder neu mischt.

Die ARC-Flotte ist indessen fast komplett an uns vorbeigerauscht. Nur mit den Nachzüglern, zwei 12-Meter-Schiffen, können wir uns einigermaßen messen, segeln um die Wette nach Osten. Schön zu wissen, dass wir mal eine Zeitlang nicht die einzigen hier draußen sind.

Jochen Rieker am 19.05.2016

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