Weltumsegelung

Hilfe, es weihnachtet sehr

Der Norden der USA lässt "Maverick too" nicht los. Wieder verzögert sich die Abfahrt – und die Bahamas liegen noch 700 Meilen entfernt

Johannes Erdmann am 04.12.2015
Weihnachtlich geschmückte Segelyacht in Elizabeth City

Weihnachtlich geschmückte Segelyacht in Elizabeth City

"Na, was hast du heute gemacht?", fragt mich unser Stegnachbar. Er selbst scheint gerade damit beschäftigt zu sein, das Schiff in Vorbereitung auf die Weihnachtstage mit einer Lichterkette über die Toppen zu dekorieren. Die Weihnachtszeit rückt näher. "Ein Echolot installiert", antworte ich. "Wie, ihr wollt wirklich dies Jahr noch los?", fragt er. "Ich dachte, ihr überwintert hier."

Wir sind spät dran, das ist wohl wahr – aber zumindest noch nicht die Letzten. Noch immer sind an der amerikanischen Ostküste einige Yachties, genannt "Snowbirds", auf dem Weg nach Süden, in die Sonne. Aber es werden weniger. Wir müssen zusehen, dass wir hier wegkommen, bevor wir womöglich doch noch hängenbleiben. Einladungen fürs Weihnachtsessen haben wir schon bekommen. Und auch für eine Osterfeier.

Aber wieder einmal hängen wir fest, denn wir haben uns einige wichtige Päckchen hier in die Marina schicken lassen, die noch bis Montag brauchen werden. Eines liegt schon seit Tagen im Postamt Atlanta herum und bewegt sich nicht mehr.

Zumindest haben wir durch den unerwarteten längeren Aufenthalt nun Zeit, ein paar Optimierungsarbeiten am Boot zu erledigen. Kleinkram, wie den Kohlefilter für die Wassertanks zu tauschen, ein Regalbrett für die Töpfe in der Pantry zu bauen – oder eben auch das Echolot zu montieren, das schon seit 445 Tagen originalverpackt im Schapp liegt. Damit wäre das Schiff dann auch komplettiert.

Vorweihnachtliche Deko im Salon.

Vorweihnachtliche Deko im Salon

Witzigerweise haben wir das Echolot nie wirklich vermisst, denn wir sind ja von Cuxhaven bis in die Karibik fast immer in tiefem Wasser unterwegs gewesen. In der Karibik und in den Bahamas wäre es manchmal hilfreich gewesen, vor allem beim Ankern. Aber da ich ohnehin jedesmal hinunter zum Anker getaucht bin, um den korrekten Sitz zu kontrollieren, sind wir nie in Gefahr gewesen, zu wenig Kette gesteckt zu haben. Auf Grund gelaufen sind wir auch nur einmal, im sandigen Wasser der Bahamas, und mithilfe des Dingis wieder freigekommen. Ohne Echolot zu segeln schult doch sehr, die Tiefen des Wassers an der Färbung zu erkennen.

Langweilig ist es uns in den vergangenen Wochen trotzdem nicht geworten: Ich habe eine große Geschichte für die Ausgabe 1/2016 der YACHT getippt, indem ich eine Bilanz zum ersten Jahr Blauwassersegelei ziehe. Gleich im Anschluss habe ich nun noch einen Artikel über die Bahamas geschrieben, der im Frühjahr erscheinen wird. 

Fotostrecke: Vorweihnachtszeit

Und zwischendurch ist die Vorweihnachtszeit an Bord eingezogen. Cati hat in den Wäldern von Virginia und North Carolina Tannenzapfen gesammelt und die Kajüte damit geschmückt. Sie hängen an dünnen Fäden von der Kajütdecke. Blöderweise haben die Zapfen hier so eine Art Nadeln mit Widerhaken – und ich habe mich schon ein paarmal sehr schmerzlich darin verfangen. Vor allem bei der Installation des Echolots, das ich in einem an den Rumpf laminierten PVC-Rohr montiert habe. 

Die Boote der Liveaboards hier in der Marina sind mit Lichtergirlanden geschmückt, auf einem Boot steht sogar ein überlebensgroßer aufblasbarer Weihnachtsmann auf dem Vorschiff. Und es wird langsam wirklich Zeit, hier wegzukommen. Mit uns in der Marina warten Derrick und Rosy auf ein passendes Wetterfenster, das sich wohl morgen eröffnen wird. Die beiden sind aus New York, in unserem Alter und auf einem 38-Fuß-Segelboot unterwegs – auf der Flucht vor dem Winter und auf dem Weg in die Sonne.

Einen Wunsch? Den Pazifik erleben.

Einen Wunsch? Den Pazifik erleben

Es dämpft die Laune, hier festzuhängen. Neben der Post, die wir abwarten müssen, steht morgen auch noch ein Zahnarztbesuch an. Bin gespannt, wie das hier in den USA funktioniert – und vor allem, was es kostet. Ab Dienstag werden wir dann gehörig Gas geben müssen, denn unser Cruising-Permit läuft Ende des Monats aus. Silvester müssen wir deshalb irgendwo im Ausland feiern. Wahrscheinlich auf den Bahamas, denn dorthin ist es der kürzeste Weg von hier. 700 Meilen Luftlinie sind es bis zur nächsten Palmeninsel Aber wir wissen noch nicht so recht, ob wir jetzt bei dem stürmischen Wetter so lange am Stück auf See sein wollen. Eigentlich wäre es uns lieber gewesen, noch zwei oder drei Wochen durch den Intracoastal Waterway nach Süden zu tuckern, um dann von Savannah aus den großen Sprung zu wagen.

Zwischendurch haben wir vergangenen Sonntag noch meinen 30. Geburtstag gefeiert. Eigentlich wollten wir das bereits unter Palmen machen. Bei uns im Dorf ist es ein alter Brauch, dass jeder Mann, der mit 30 noch nicht verheiratet ist, einen Tag lang die Rathaustreppen fegen muss – und auf den Bahamas wäre dort ein Strand gewesen. Aber zumindest haben wir ein paar Freunde hier in der Marina typisch deutsch zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Wenig spektakulär, so ohne große Party, aber trotzdem schön.

Bis Dienstag haben wir nun also noch ein paar weitere ruhige Tage vor uns. Cati hat einen Behelfs-Adventskranz gebastelt, weil ihr meine Adventskranz-iPad-App nicht gefallen hat. Morgen werden wir noch eine letzte Fuhre Vorräte für die vor uns liegenden Monate an Bord karren, um für die Bahamas und Belize gewappnet zu sein. Und dann heißt es abwarten – und Kaffee trinken. 

Weitere Infos zur Reise: www.zu-zweit-auf-see.de

Johannes Erdmann am 04.12.2015

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