Volvo Ocean Race

Sieg mit Adrenalin und Koffein

"Azzam" heißt die Siegerin der ersten Etappe. In arabischer Sprache bedeutet das Entschlossenheit – so demonstriert von Ian Walkers Team

Tatjana Pokorny am 05.11.2014
ADOR nach Zieldurchgang Etappe 1, VOR 2014/2015

Kurz nach dem Zieldurchgang: Abu Dhabi Ocean Racing hat die erste Etappe gewonnen

ADOR nach Zieldurchgang Etappe 1, VOR 2014/2015

Abu Dhabi obenauf

Am Ende gab es an Bord von "Azzam" nur noch Adrenalin und Koffein. So beschrieb es Anbord-Reporter Matt Knighton. Ein Rennen, das nach 6.487 Seemeilen mit einem Beinahe-Bug-an-Bug-Duell zu Ende geht, kann man nur als Phänomen bezeichnen. Der erste Glückwunsch im Volvo Ocean Race 2014/2015 gebührt den Siegern von Ian Walkers Team Abu Dhabi Ocean Racing. Der zweite den so hartnäckigen Verfolgern vom Dongfeng Race Team, die mit 541 Seemeilen den 24-Stunden-Rekord für diese Etappe aufgestellt haben. Der dritte Glückwunsch geht an die Holländer im Team Brunel für den dritten Podiumsplatz in Etappe 1. Der vierte Glückwunsch geht direkt an die Veranstalter zur goldrichtigen Entscheidung für die neue Einheitsklasse VO 65. Wenn schon die zweitlängste Etappe der zwölften Auflage des Rennens einen solchen Sportthriller produziert, was wird dann erst auf dden echten Sprintetappen los sein?

Abu Dhabi Ocean Racings "Azzam" hat die Ziellinie vor Kapstadt am Mittwoch um 16.10 Uhr deutscher Zeit nach 25 Tagen, drei Stunden und zehn Minuten als Erste gekreuzt. "An Bord gibt es zuletzt nur noch Adrenalin und Koffein", notierte Matt Knighton kurz vor dem Ziel im Blog. Die letzten Meilen vor Kapstadts Kulisse von Tafelberg und Stränden gerieten noch einmal zur Zitterpartie, weil der Wind in der Abdeckung der Bergkette immer wieder ausblieb. Das aufkommende Dongfeng Race Team rückte Ian Walkers Mannschaft auf "Azzam" mit besserer Brise im nervenaufreibenden finalen Flautenpoker immer näher. Die Unterschiede in der Windrichtung zwischen den beiden Booten betrug auf den letzten drei Seemeilen bis zur Linie teilweise bis zu 180 Grad und stellte Abu Dhabi Ocean Racing vor eine letzte höchst anspruchsvolle Aufgabe auf dem langen Kurs von Alicante ans Kap der Guten Hoffnung. Am Ende aber segelten Ian Walker, Erfolgs-Navigator Simon "Sifi" Fisher und die Männer auf "Azzam" mit sanfter Geschwindigkeit von zehn Knoten einem knappen 12-Minuten-Sieg entgegen. Erst ganz kurz vor der Linie begannen sich die strapazierten Gesichter der acht Segler und ihres Anbord-Reporters zu entspannen. Mit lachenden Gesichtern hissten sie die Nationalflagge Abu Dhabis, fielen sich in die Arme. 

VOR 2014/2015 Finaltag Etappe1

Mit dem Wind begannen fast auch die Nerven an Bord von "Azzam" zu flattern. Doch beide hielten am Ende und brachten Ian Walkers Team Abu Dhabi als Sieger ins Ziel

VOR 2014/2015 Etappe 1 Mapfre

Die vor dem Rennstart mitfavorisierte Mapfre-Crew muss nach taktischen Fehlentscheidungen nachsitzen und wird erst morgen in Kapstadt erwartet

Walker sagte nach dem Zieldurchgang: "Es ist alles ziemlich emotional. Das hätte ich gar nicht gedacht. Aber die haben uns in den letzten Stunden mit allen Mitteln angegriffen. Wir hatten sie die letzten zehn Tage oder so am Hals. Gratulation an diese Jungs von Dongfeng, die haben eine große Etappe gesegelt. Wir wussten vorher, wie hart es im Schatten des Tafelbergs werden kann, die letzten Meilen zu segeln. Da kann auch ein Zehn-Meilen-Vorsprung manchmal zu wenig sein. Wir sind sehr glücklich über diesen Etappensieg."

Fast noch überschwenglicher fiel der Zieldurchgang der wenige Minuten später folgenden französisch-chinesischen Mannschaft auf "Dongfeng" aus. Skipper Charles Caudrelier sagte: "Abu Dhabi hat eine großartige Etappe gesegelt. Für uns ist es aber auch ein fantastisches Ergebnis. Wir zählten nicht zu den Favoriten. Das Ergebnis ist die beste Möglichkeit, auch die chinesischen Fans für dieses Rennen zu begeistern. Das Rennen selbst ist hart, man kann ganz leicht eine Etappe verpatzen. Für uns ist das hier ein erster guter Schritt." Am Dock in Kapstadt wurden die Segler von ihren Familien, Teams, Journalisten und Fans frenetisch begrüßt. Diese erste Etappe der zwölften Auflage des bekanntesten Mannschaftsrennens um die Welt hat sportlich überzeugt.

Und hier geht es ins Innere der Siegerin:

http://www.yacht.de/sport/volvo_ocean_race/team-ador-in-azzams-schwarzer-hoehle/a92839.html

VOR 2014/2015 Etappe 1 ADOR

In dieser Szene ist Kapstadt schon ganz nah...

Tatjana Pokorny am 05.11.2014

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