Volvo Ocean Race

Schocknachricht aus dem Southern Ocean: Mann über Bord!

Seit Tagen ringen die Teams im Southern Ocean mit Überlebensbedingungen. Jetzt ist im Team Sun Hung Kai / Scallywag ein Mann über Bord gegangen – AKTUALISIERT

Tatjana Pokorny am 26.03.2018
VOR 2017/2018
VOR/Konrad Frost

Die Schockmeldung kam erst am späten Montagabend, aber das Unglück hatte sich bereits am Montagnachmittag im Southern Ocean ereignet. Zu der Zeit war John Fisher, Segler in David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag, über Bord gegangen. Noch sind die Umstände nicht geklärt. Doch die Veranstalter des Volvo Ocean Race meldeten den 48-jährigen Briten in einem Statement am Montagabend um 21.07 Uhr deutscher Zeit weiter als vermisst. 

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John Fisher ist ein langjähriger Freund und Wegbegleiter von Skipper David Witt im Team Sun Hung Kai / Scallywag

In der Pressemitteilung hieß es, dass das Team Sun Hung Kai / Scallywag das Mann-über-Bord-Unglück um 13.42 Uhr UTC (15.42 Uhr deutsche Zeit) an die Wettfahrtleitung gemeldet hat. Das Team hatte gemeinsam mit dem Maritime Rescue Coordination Centre (MRCC) umgehend eine Such- und Rettungsaktion eingeleitet. Bei dem über Bord gegangenen Crew-Mitglied handelt es sich um einen langjährigen Freund und Weggefährten von Skipper David Witt. Beide haben zusammen auf bekannten Regattayachten wie "Ragamuffin" und "Scallywag" gesegelt. Fisher gilt als erfahrener Offshore-Segler, hatte mehrfach am Sydney Hobart Race teilgenommen. Im Volvo Ocean Race ist der seit langem im australischen Adelaide beheimatete Engländer erstmals dabei.

Die weiteren acht Crewmitglieder des Teams sind entsprechend des Presse-Statements sicher an Bord. Das Unglück hatte sich etwa 1400 Seemeilen westlich von Kap Hoorn in Winden um 35 Knoten und entsprechendem Seegang ereignet. Die Wassertemperatur betrug zu dieser Zeit etwa 9 Grad Celsius. Zwar segelte die Crew in den Stunden nach dem Unfall in Tageslicht, doch die Wetterprognose wurde von den Veranstaltern als "entmutigend" bezeichnet.

Weiter hieß es in der Stellungnahme am Abend: "Mit Blick auf die stürmischen Bedingungen ist es keine Option, eines der sechs anderen Boote im Rennen umzuleiten und an der Rettungsaktion zu beteiligen. Sie segeln mindestens 200 Seemeilen weiter östlich und vor dem Wind von SHK / Scallywag."

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John Fishers Arbeitsplatz – ein Bild vom 25. März

Die Rettungszentrale hat etwa 400 Seemeilen entfernt von der Unglücksstelle ein Schiff ausgemacht und es zum Unfallort umgeleitet. Im Volvo-Ocean-Race-Statement hieß es: "Natürlich sind wir angesichts der Wetterbedingungen zutiefst besorgt. Die Wettfahrtleitung in Alicante unterstützt das Scallywag-Team und das MRCC während der Operation." 

Das Unglück ereignete sich während der sogenannten Königsetappe des Volvo Ocean Race von Auckland nach Itajaí in Brasilien. Die mit 7600 Seemeilen längste Etappe des Rennens um die Welt führt die Teilnehmer tief in den Southern Ocean, in dem die Mannschaften seit Tagen in extrem fordernden Winden segeln, die Team Brunels erfahrener Skipper und Rekordteilnahmer schon als "Überlebensbedingungen" bezeichnet hatte. Auch aktuell hat die Flotte wieder eine bedrohliche Front zu überstehen. Brunels Boat Captain Abby Ehler hatte am Montagmorgen ihren Teamkameraden Thomas Rouxel zitiert, der ihr angekündigt hatte: "In ein paar Stunden werden wir hier draußen Krieg haben."

Mit der Schreckensmeldung wurden bei Teilnehmern und Fans viele Erinnerungen wach. Etwa die daran, dass am 14. Januar schon einmal ein Crewmitglied des Teams Sun Hung Kai / Scallywag auf Etappe 4 über Bord gegangen war. Die Mannschaft konnte Alex Gough damals jedoch binnen sieben Minuten weitgehend unversehrt bergen. Erfahrenere Segler dachten angesichts der schrecklichen Nachricht jedoch an Hans Horrevoets. Der sympathische Holländer hatte am 18. Mai 2006 sein Leben auf See verloren, nachdem er im Volvo Ocean Race auf der Etappe von New York nach Portsmouth über Bord gegangen war. Sein junges Team auf "ABN Amro Two" konnte ihn zwar damals in stürmischen Bedingungen wiederfinden und bergen, aber nicht mehr wiederbeleben. Seitdem wird zu seinen Ehren bei jeder Auflage des Volvo Ocean Race der Hans Horrevoets Rookie Award für ausgezeichnete Leistungen von Nachwuchsseglern vergeben, den 2014/15 Sophie Ciszek vom Frauen-Team SCA erhielt, die jetzt mit dem spanischen Team Mapfre durch den Sturm segelt.

AKTUALISIERUNG, 27. März (Dienstag), 8 Uhr: Die Veranstalter im Volvo Ocean Race haben am frühen Dienstagmorgen bekannt gegeben, dass die Mannschaft Sun Hung Kai / Scallywag die schwere Entscheidung getroffen hat, ihre Such- und Rettungsaktion aufgrund der einbrechenden Nacht und des Sturms abzubrechen und Kurs auf die etwa 1200 Seemeilen entfernt liegende südamerikanische Küste zu nehmen. Das MRCC setzt die Leitung der Rettungsaktion fort, um John Fisher zu finden, der am Montagnachmittag über Bord gegangen war. Ein 400 Seemeilen entfernt von der Unglücksstelle befindliches Schiff war umgeleitet worden. Das MRCC versucht außerdem, weitere Schiffe in der Region auszumachen. Angesichts der dramatischen Wetterverschlechterung hieß es in einem weiteren Statement der Veranstalter: "Wir müssen erkennen, dass die Chancen einer erfolgreichen Bergung sinken."

Tatjana Pokorny am 26.03.2018

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