Volvo Ocean Race

SCA-Coup vor Kapstadt: Mapfre besiegt

Überraschung vor Kapstadt: Das schwedische Frauen-Team SCA hat die spanische "Mapfre"-Crew auf den letzten Meilen ins Ziel noch abgefangen

Tatjana Pokorny am 07.11.2014
VOR 2014/2015 Etappe 1 Finish

Brutale Niederlage für Team Mapfre: Die elf SCA-Seglerinnen fangen die Männer-Crew im Kampf um den vorletzten Etappenplatz noch ab. In dieser Szene sind die Frauen mit sieben, die Männer mit vier Knoten unterwegs. Kurz zuvor zeigte der SCA-Geschwindigkeitsmesser sogar elf Knoten, der auf "Mapfre" nur einen Knoten. Die Spanier verloren das Duell, weil sie in ein Windloch fuhren

Iker Martínez' Alptraumszenario ist auf den letzten Seemeilen der ersten Etappe von Alicante nach Kapstadt doch noch wahr geworden. Während die Spanier – wieder einmal zu dicht unter Land und in der Abdeckung der Bergkette gefangen – in der Flaute hängen und teilweise fast stehenblieben, segelten die Frauen vom Team SCA von See kommend mit entspannten zehn, elf Knoten dem Zielhafen entgegen. Die Ziellinie kreuzten sie am Ende zwar auch nur noch mit zwei Knoten Bootsgeschwindigkeit, sicherten sich damit aber den umkämpften sechsten Platz in der Flotte der sieben Boote. Am Ende einer verkorksten Auftaktetappe musste sich die spanische "Mapfre"-Crew, die so lange auf Platz sechs gelegen hatte, den pink-blauen Ladies unter schwedischer Flagge geschlagen geben. Dabei hatten die Spanier Freitag früh noch neun Seemeilen Vorsprung. Doch die verspielten sie mit erneut fehlerhafter Positionierung bei der navigatorisch höchst anspruchsvollen Ansteuerung Kapstadts.

VOR 2014/2015 Finish Etappe 1

Ein gruseliger Moment aus Sicht der "Mapfre"-Crew: Die Frauen-Mannschaft SCA kreuzt die Ziellinie vor Kapstadt, während die Spanier (oben rechts im Bild) immer noch versuchen, sich aus dem Windloch vor der Küste zu befreien

Die Live-Animation auf der Volvo-Ocean-Race-Website zeigte das Elend der Spanier in unbarmherziger Brutalität: Da zappelte "Mapfre" wie ein Fisch im Netz, drehte und wendete sich, kam aber nicht vom Fleck, während die Frauen der Linie entgegenstrebten. Gegen 9 Uhr morgens hatte die SCA-Crew die Rivalen im Kampf um den vorletzten Platz erstmals gesehen und Morgenluft gewittert. Mit der besseren Ansteuerung Kapstadts konnten sie sich in den folgenden Stunden gegen die mit Olympiasiegern und Hochsee-Stars gespickte Männer-Crew durchsetzen. Anbord-Reporterin Corinna Halloran sagte während der letzten Seemeilen: "Es ist eben nie zu Ende, bevor es zu Ende ist. Das hier ist nur ein Bespiel dafür, wie hart wir in den kommenden Monaten kämpfen werden." Skipperin Sam Davies äußerte direkt nach dem Zieldurchgang: "Es fühlt sich einfach großartig an. Ich bin sehr, sehr stolz auf dieses Team." Trimmerin Annie Lush sagte: "Es ist schön, dass wir noch an den Spaniern vorbeiziehen konnten. Mir gefällt das Trimmen in leichten Winden..."

Für "Mapfre"-Skipper Iker Martínez und seine Crew bedeutet die Niederlage gleich zum Auftakt einen schweren sportlichen und auch psychologischen Rückschlag. Die vor dem Start der 12. Auflage des Volvo Ocean Race mitfavorisierten Spanier hatten diese erste Etappe im letzten Rennen um die Welt noch gewonnen und müssen sich nun fragen, wie es zur "Entgleisung" kommen konnte. Olympiasieger Martínez, Vorschoter und Wegbegleiter Xabi Fernández, Offshore-Ass Michel Desjoyeaux und Navigator Nicolas Lunven haben nach dem Abschluss der 6.487 Seemeilen langen Etappe mehrere navigatorische und taktische Fehlentscheidungen zu verantworten.

Ob es an der Chemie an Bord lag und das Team nach der schweren Niederlage bereits in Kapstadt personelle Konsequenzen ziehen wird, das muss die Pause in Südafrika zeigen. Es haben schon vor "Mapfre" in vielen Ocean Races Crews das Rennen um die Welt mit einem Fehlstart eröffnet, um dann ein fulminantes Comeback hinzulegen. So beispielsweise "Swedish Match" 1993/1994: Die Männer um Skipper Gunnar Krantz und Navigator Roger Nilson verloren die erste Etappe, gewannen aber danach die zweite überzeugend. Der damalige Watch Captain Tim Kröger erinnert sich: "Wir kamen uns nach der ersten Etappe wie Idioten vor, und es ging auch innerhalb der Crew ordentlich zur Sache. Doch dann haben wir uns aufgerafft, die zweite Etappe extrem intensiv vorbereitet. Gleich zum Auftakt haben wir uns mit einer einsamen Entscheidung von der Flotte absetzen können, obwohl wir uns zuvor geschworen hatten, keine Einzelaktionen mehr zu unternehmen. Doch in diesem Fall lagen wir goldrichtig und konnten uns mit einem Sieg in Etappe zwei zurück ins Spiel katapultieren."

VOR 2014/2015 Team Mapfre

Am Schlusstag hatten die SCA-Frauen kein Herz für "Mapfre", deren Crew vorerst nur der Trost ihrer Familien und Freunde an Land bleibt, bevor sich die Mannschaft auf Etappe zwei fokussieren wird

Tatjana Pokorny am 07.11.2014

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