Volvo Ocean Race

Mit Harry Potters Tarnumhang: Brunel sorgt für Spannung

Team Brunel hat zuerst auf den andauernden Flautenpoker von Etappe 6 reagiert und ist in den "Stealth-Modus" gewechselt. Dongfeng bleibt das Schlusslicht

Tatjana Pokorny am 23.02.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
Martin Keruzore/VOR

Immer noch Schlusslicht auf dieser Etappe: Charles Caudreliers Dongfeng Race Team

Seit fast einer Woche schon quält sich die Flotte der sechs Boote auf Etappe 6 von Hongkong nach Auckland durch die heiße Flautenregion rund um den Äquator. Dee Caffari hatte bereits "Und täglich grüßt das Murmeltier" zitiert. Bei Temperaturen um 45 Grad unter Deck und in leichten bis sehr leichten Winden droht diesem nervenaufreibenden Abschnitt des Rennens um die Welt eine erhebliche Verlängerung. Als erste Mannschaft hat nun Bouwe Bekkings Team Brunel zur Tarnkappe gegriffen, ist in den sogenannten "Stealth-Modus" gewechselt und damit für die Konkurrenz und die Fans auf den Positionsmeldungen "unsichtbar" geworden.

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Die Zwischenstände am frühen Morgen des 17. Tages von Etappe 6. Hier sieht man es gut: Für die westlich positionierten Booten ist der Weg durch den windarmen Korridor (blau eingefärbt) weiter, als er es bei einem Kurs dichter entlang der Küste Neukaledoniens wäre. Hat sich Team Brunel unter Tarnkappe möglicherweise dafür entschieden?

Der Blick auf die aktuellen Wind- und Wetterbedingungen verrät, warum dieser Schachzug zu einem interessanten Zeitpunkt erfolgt ist. Westlich und in der Abdeckung von Neukaledonien bewegen sich die führenden Boote auf Kurs Auckland aktuell wieder in einer sehr windarmen Zone. Allerdings zeigt die Windprognose für die kommenden Stunden eine mögliche, wenn auch nicht risikofreie Abkürzung auf. Während es für die Spitzenreiter über den Tag auf jetzigem Kurs noch lange bei Winden um 4 bis 6 Knoten bleiben soll, birgt die Vorhersage für einen alternativen Kurs dicht vor der Küste Neukaledoniens zweierlei: Der windarme Korridor soll hier schmaler sein, würde also eine schnellere Passage ermöglichen. Und: Schon in wenigen Stunden könnte es dort bei einer Vorhersagen von rund 10 Knoten Wind insgesamt deutlich zügiger in Richtung Süden gehen. Hat Brunel also die Tarnkappe aufgesetzt, um ungesehen dichter an Neukaledonien entlang zu segeln? Oder ist die Tarnkappe nur das Symbol für ein Täuschungsmanöver? Das Ergebnis der taktischen Maßnahme wird sich in 24 Stunden zeigen. So lange dürfen die Teams maximal einmal pro Etappe in den "Stealth-Modus" wechseln.

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Ein letztes menschenleeres Bild funkte Team Brunel, bevor sich Bouwe Bekkings Mannschaft für den 17. Tag dieser gefühlt endlos langen Etappe in den "Stealth-Modus" verabschiedete

An Bord von Brunel hatte sich die Crew schon einen Tag vor dem Abschied in die "Unsichtbarkeit" Gedanken dazu gemacht, wer im Team welcher Charakter im Film Top Gun sein könnte. So kam America's-Cup-Star Kyle Langford zu seinem neuen Spitznamen "Iceman". Die Vorteile des Segelns unter Tarnkappe erklärte Bouwe Bekking: "Wenn Du Harry Potters Tarnumhang anziehst, dann kannst du die anderen mit radikalen Entscheidungen überraschen. Oder sie glauben lassen, dass du etwas Radikales machst."

Ohne Brunel haben die Landsleute von Simeon Tienponts Team AkzoNobel am Freitagmorgen die Führung im Zwischenklassement übernommen. Sie haben sich am westlichsten von allen Booten positioniert und wurden dafür zunächst mit der Führung belohnt. Aber wie eng liegen die Verfolger beisammen! Nach rund 5000 Seemeilen hatte David Witts am frühen Freitagmorgen zweitplatziertes Team Sun Hung Kai / Scallywag nur 4,7 Seemeilen Rückstand auf AkzoNobel. Weitere zwei Seemeilen dahinter lauert Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic. Und auch die Schlusslichter Mapfre und Dongfeng konnten ihren Rückstand über Nacht weiter drücken, liegen nur noch rund 50 Seemeilen hinter AkzoNobel. So langsam die laufende Etappe zuletzt erschien, so dramatisch spannend droht sie mit Blick auf die verbliebenen knapp 1200 Seemeilen zu werden. Die Kompression geht weiter. Noch immer haben alle sechs Boote die Chance, diese Etappe zu gewinnen.

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Immer noch gut positioniert und in Lauerstellung: das Team Sun Hung Kai / Scallywag. Hier spricht Skipper David Witt mit Ben Piggot

Tatjana Pokorny am 23.02.2018

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