Volvo Ocean Race

Mapfre gewinnt die Nebel-Nervenschlacht vor Newport

"Grausam", "brutal", "zum Haareraufen": Die Kommentare zum Finalthriller von Etappe 8 überschlugen sich. Am Ende holte sich Mapfre die Gesamtführung zurück

Tatjana Pokorny am 08.05.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
Jesus Renedo/VOR

Finale Etappe 8: Wenige Minuten vor dem Zieldurchgang konnte Team Mapfre das holländische Team Brunel noch abfangen und mit dem Etappensieg die Führung in der Gesamtwertung zurückerobern

Es passierte auf den letzten Metern der mehrstündigen Flautenschlacht in der Schlussphase von Etappe 8. Spitzenreiter Brunel und das spanische Team Mapfre hatten in extrem flauen Winden vor Newport zunächst die Rivalen von Charles Caudreliers Dongfeng Race Team abgehängt, um sich dann unter Hochspannung ein Zeitlupen-Duell zu liefern, das niemanden mehr losließ. Bis kurz vor der letzten Wendemarke konnte Bouwe Bekkings Team Brunel die Führung verteidigen. Sowohl das gelbe als auch das rote spanische Boot quälten sich über den Kurs. Zwei zusätzliche Brunel-Halsen öffneten Mapfre dann jedoch die Tür zum Überholmanöver. Das gelang kurz vor Rundung der letzten Wendemarke. Wenige Minuten später war Mapfres Coup perfekt. Das Comeback des Teams, das auf dieser Etappe technische Probleme und lange Zeit auf dem vorletzten Platz gelegen hatte, war um kurz vor 13 Uhr deutscher Zeit perfekt. 

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Süßer Sieg für Xabí Fernandez' Team Mapfre: Auf den letzten Metern der achten Etappe konnten die Spanier Bouwe Bekkings Team Brunel noch abfangen

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So sah das Szenario noch rund eineinhalb Stunden vor dem Zeitlupen-Finale aus: Brunel führte vor Mapfre, Dongfeng vor Vestas. Am Ende siegte Mapfre vor Brunel. Vestas sicherte sich den dritten Podiumsplatz

"Es hätte nicht besser laufen können, wenn man bedenkt, wo wir auf dieser Etappe herkommen. Der Bonuspunkt für diesen Sieg ist eine gute Belohnung für mein Team", sagte Mapfres Skipper Xabí Fernandez im Ziel. Dort zeigte sich auch Bouwe Bekkings Team Brunel erleichtert über das Ende des nervenaufreibenden Duells, konnte aber die Enttäuschung über den so kurz vor der Ziellinie entrissenen Etappensieg nicht verbergen. Bekking sagte: "Segeln kann ein grausamer Sport sein!" Brunels Navigator Andrew Cape konnte es kaum fassen: "Ich habe in meiner Karriere etwa 50 Etappen in Rennen um die Welt absolviert. Es ist das erste Mal, dass ich eine Etappe auf der letzten Seemeile verliere." Dennoch vermeldeten die Niederländer stolz: "Platz 2! Nach dem intensivsten vorstellbaren Finale haben wir Etappe 8 nach Newport als Zweite beendet. Diese zweite Top-Platzierung in Folge motiviert uns sehr für die noch ausstehenden drei Etappen!"

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Hartes Flauten-Los für Team Brunel: Hier schiebt sich Mapfre langsam an Brunel vorbei

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Kein Wind bei der nervenaufreibenden Ansteuerung von Newport für Bouwe Bekkings Team Brunel

Zur Freude der Fans in Newport erreichte kurz nach den beiden führenden Booten das amerikanisch-dänische Team Vestas 11th Hour Racing die Ziellinie und damit den dritten Podiumsplatz bei der Ankunft im Heimathafen. Geschlagen und enttäuscht kreuzte danach Charles Caudreliers Dongfeng Race Team die Ziellinie. Nur wenige Stunden zuvor hatte das französisch-chinesische Team in den frühen Morgenstunden sogar kurze Zeit geführt, bevor die starke ablaufende Strömung in Kombination mit vernebelten Flautenfeldern Dongfeng bei der Newport-Ansteuerung auf Platz vier zurückwarf. "Natürlich sind wir enttäuscht. Wir wussten, dass die Schlussphase sehr kompliziert werden würde. Aber nicht so kompliziert!" Caudreliers Kampfansage folgte jedoch umgehend: "Das Rennen ist noch lange nicht vorbei!" Seine Steuerfrau und Trimmerin Carolijn Brouwer kündigte an: "Wir werden für die nächste Etappe bereit sein und zurückschlagen."

Ähnlich enttäuscht erreichten Turn-the-Tide-on-Plastic-Skipperin Dee Caffari und ihre Mannschaft die amerikanische Segel-Hauptstadt. Auch sie hatten die Flotte auf dieser Etappe eine Weile angeführt, wurden aber zum wiederholten Mal in den Endphase unglücklich nach hinten durchgereicht. Zuletzt ganz ähnlich wie Team Brunel: wenige Minuten vor dem Zieldurchgang von Simeon Tienponts Team AkzoNobel, das sein Duell mit Dee Caffaris 50:50-Mixed-Team knapp für sich entscheiden konnten.

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Noch so ein knappes Ziel-Duell: Am Ende setzte sich AkzoNobel im Kampf um Platz 5 knapp gegen Turn the Tide on Plastic durch

David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag dagegen hatte nach einem strategischen Fehler zu Beginn von Etappe 8 fast zweieinhalb Wochen Zeit, sich mit dem letzten Platz zu arrangieren. Am Ende konnte das Team, das auf Etappe 7 den Tod von Crew-Mitglied John Fisher zu verkraften hatte, unter der Flagge Hongkongs binnen 72 Stunden fast 200 Seemeilen gutmachen und sich trotz Rang 7 mit positiver Energie auf die Ankunft in Newport freuen.

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Nebel, Gegenstrom und Flaute machten die Schlussphase der achten Etappe zu einer Nervenschlacht

Tatjana Pokorny am 08.05.2018

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