The Ocean Race

Kindheitstraum: Bremer Fotograf kämpft um Ocean-Race-Einsatz

Eike Schurr startet morgen auf "Sisi" zum Überführungstörn von Holland nach Cascais – sein Auftakt zur Bewährungsprobe für den erhofften Anbord-Reporter-Einsatz

Tatjana Pokorny am 20.06.2020
Rolex Middle Sea Race
Rolex Middle Sea Race / Kurt Arigo

"Sisi" im Rolex Middle Sea Race 2019. Das Boot soll das österreichische Ocean-Race-Projekt um die Welt tragen

Eike Schurr

Eike Schurr

Das Ocean Race fasziniert Eike Schurr, seit er vier Jahre alt ist. Schon damals fieberte er als kleiner Steppke mit seinem Onkel Tim Kröger mit, der in seinem ersten Rennen um die Welt mit dem europäischen Team Intrum Justitia im Einsatz war. Als Grundschulkind war Schurr dann mehrfach in den Häfen dabei, als es für Kröger mit "Swedish Match" zum zweiten Mal um den Globus ging. Inzwischen ist Eike Schurr 30 Jahre alt und selbst als Fotograf, Videoreporter und versierter Drohnenflieger im nationalen und internationalen Segelsport im Einsatz. Er arbeitet für TV-Produktionen, Veranstalter und Projekte, beispielsweise in der 52 Super Series, für die Star Sailors League (SSL), die Kieler Woche oder auch das Team Lina Rixgens Ocean Racing und jüngst die Baltic 500. Mehrfach hat Eike Schurr als Segler und Anbord-Reporter das Nord Stream Race bestritten. In den Segelsport ist er im Alter von sieben Jahren als Optisegler eingestiegen. Als aktuell im Wassersportverein Wulsdorf in Bremerhaven beheimateter Segler hat er zeitweise 29er und Pirat gesegelt, ist Deutscher-U17-Meister im Piraten. Inzwischen findet Schurr aber aufgrund der beruflichen Herausforderungen kaum mehr Zeit dazu.

Eike Schurr

Früh entfachte Leidenschaft für das Rennen um die Welt: Eike Schurr als kleiner Fan 1997

The Austrian Race Project

Team-Manager Julian Kirchner

Schurr hat früh das Potenzial von Drohnen als Kameras im Segelsport erkannt und sich in die Technik eingearbeitet. Aufgrund seiner inzwischen gesammelten Erfahrung und seiner diversen Lizenzen ist er auch international ein gefragter Drohnenpilot bei großen Regatten. Sein Können will er nun nutzen, um einen alten Kindheitstraum zu verwirklichen: Eike Schurr kämpft um einen Job als Anbord-Reporter im The Ocean Race. Den ersten Schritt auf dem anspruchsvollen Weg tut er ab Sonntag mit dem Austrian Ocean Race Project auf "Sisi". Skipper und Sailing-Team-Manager Gerwin Jansen wird die Crew und ihre Gäste auf dem Überführungstörn von Scheveningen nach Cascais führen. In Portugal steht eine zweitägige, von der Mirpuri-Stiftung unterstützte Regatta auf dem Programm, in der die Österreicher im ersten VO65-Duell des Jahres auf Segel-Supermann Charles Caudrelier und dessen Top-Team auf "Racing for the Planet" treffen. Erwartet werden zur Mirpuri Foundation Sailing Trophy bis zu 50 Boote. Es geht um Preisgelder von insgesamt 30.000 Euro. Die Regatta zählt zu den ersten Europas, die in Zeiten der Corona-Pandemie wieder ausgerichtet werden. Die Organisatoren haben strenge Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen für Teilnehmer und Helfer vorgesehen. Hier geht es zur Informationsseite zur Regatta.

Rolex Middle Sea Race

Mit diesem Boot wollen die Österreicher im The Ocean Race antreten

Für Eike Schurr markieren der Überführungstörn und die Regatta einen ersten Testlauf. Die Anbord-Reporter (OBRs) werden für das kommenden The Ocean Race 2021/22 – so es nicht doch noch aufgrund der Covid-19-Epidemie und ihrer Folgen verschoben wird – von den teilnehmenden Teams selbst gewählt. Die Ocean-Race-Organisatoren haben allerdings ein Veto-Recht und werden überwachen, ob die designierten OBRs genügend Erfahrung mitbringen und alle notwendigen Bedingungen erfüllen. Wichtig dafür ist auch, dass die OBRs genügend Erfahrung im Einsatz mit den VO65-Yachten mitbringen. Ein Grund mehr für Schurr, die Österreicher beim aktuellen Sommer-Einsatz zu begleiten. "Man hat keine Chance, wenn man nicht reichlich Meilen auf der VO65-Yachten vorweisen kann", weiß Schurr.

Eike Schurr

Eike Schurr bei der Arbeit auf dem Wasser

Warum der Bremer so hartnäckig um seinen Traum kämpft? "Das Ocean Race begleitet mich, seit ich vier Jahre alt bin. In dem Bereich, in dem ich beruflich unterwegs bin, gibt es drei Höhepunkte: die Olympischen Spiele, den America's Cup und The Ocean Race. Olympisch ist man als Fotograf und Kameramann sehr eingeschränkt. Der America's Cup ist ohne deutsche Beteiligung schwer erreichbar. Für mich bietet das Ocean Race die fotojournalistisch größte Vielfalt. Die Möglichkeit, dieses Rennen mit Kameras und Drohnen zu beobachten und die Faszination weiterzugeben, die reizt mich einfach sehr." Dass es im vergangenen Ocean Race ein Todesopfer unter den Seglern gab, schreckt Schurr nicht ab: "Ich habe keine Angst, aber maximalen Respekt. Man muss sich halt immer anleinen, auch wenn das für einen Fotografen nicht immer toll ist. Daran führt kein Weg vorbei. Die Sicherheit hat oberste Priorität. Wenn dann mal was nicht geht, dann geht es eben nicht."

Einige Mitglieder im österreichischen Ocean-Race-Projekt kennt Schurr, der 2019 mit einer Drohnen-Aufnahme aus der 52 Super Series als bester deutscher Fotograf Platz acht beim Mirabaud-Fotowettbewerb belegt hatte, bereits von anderen Regatten oder Begegnungen. "Die Österreicher um Teammanager Julian Kirchner sind ein sehr nettes und vor allem hochmotiviertes Team. Ich freue mich auf den ersten gemeinsamen Einsatz, der am Sonntag beginnt. Der Kamerakoffer ist gepackt. Es ist übrigens eine interessante Situation in Österreich, in der Candidate als Sponsor nicht nur die Olympia-Mannschaft, sondern auch das Austrian Ocean Race Project unterstützt. Da entstehen viele Synergieeffekte, die man positiv bemerkt. In diesem Umfeld macht es viel Spaß zu arbeiten."

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Tatjana Pokorny am 20.06.2020

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