Volvo Ocean Race

Kann eine Wolke gut oder böse sein?

Die Spitzenreiter segeln der letzten Nacht auf See entgegen. Im Fokus vor dem furiosen Samstag-Finale: der Sieg, die Wolken und Geburtstage

Tatjana Pokorny am 27.02.2015
Volvo Ocean Race 2014/2015

Einen Tag vor dem Zieldurchgang führt Ian Walkers Team Abu Dhabi Ocean Racing knapp vor Dongfeng und Mapfre. Im Dreikampf spielen die Wolken eine mitentscheidende Rolle

"Kann eine Wolke von Natur aus gut oder böse sein? Haben Wolken Gefühle?" Das fragte Dongfengs Anbord-Reporter Sam Greenfield sich und andere im Kampf um den Etappensieg. Er liebt die massiven und teilweise düsteren Gebilde am Himmel als Fotograf und Filmemacher und bezeichnet sie als "Glückslos", weiß aber zugleich: "Die Segler hassen sie." Und das ist wenig verwunderlich. Am Donnerstag hatte eine solche Wolke den über Tage erarbeiteten Zwei-Seemeilen-Vorsprung Dongfengs binnen 30 Minuten zunichtegemacht. Das rote Boot stoppte beinahe, während die Rivalen von Abu Dhabi mit bis zu 17, 18 Knoten in Sichtweite vorbeipreschen konnten. Auf diese Weise verdarb die Wolke Charles Caudreliers 41. Geburtstag, der mit der Führung begonnen und mit der wieder von neuem beginnenden Aufholjagd geendet hatte. "Falls die Jungs auf Azzam beim Überholen 'Happy Birthday' gesungen haben, dann haben wir es wenigstens nicht gehört", notierte Greenfield nicht ohne Galgenhumor.

Volvo Ocean Race 2014/2015

Dreikampf im Schlussspurt nach Auckland: Am Freitagmorgen führte Abu Dhabi noch knapp vor Dongfeng und Mapfre. Wie kommen sie am Samstag ins Ziel?

Einen Tag vor dem Zieldurchgang der vierten Etappe von Sanya nach Auckland scheint alles angerichtet zu sein für ein furioses Finale vor der Skyline der "City of Sails": Vier Seemeilen trennten Abu Dhabis führende "Azzam" am Freitagmorgen von der wieder stark aufkommenden chinesisch-französischen Dongfeng-Crew. Und auch das spanische Team Mapfre hatte sich im Schatten des Spitzenduells mit nur 4,7 Seemeilen Rückstand auf Abu Dhabi wieder in Schlagdistanz vorgearbeitet. Mit nur noch rund 180 Seemeilen bis ins Ziel schwanden gleichzeitig an Bord von Team Alvimedica die Hoffnungen, nach einem Podiumsplatz greifen zu können – das US-Team hatte am vorletzten Tag noch 32,1 Seemeilen auf das Top-Boot aufzuholen. Für ihren Schlussspurt erwarten die Mannschaften auf dem Weg nach Auckland leichte und unbeständige Winde und einen atemlosen Dreikampf.

Volvo Ocean Race 2014/2015

Zum Geburtstag kein Glück und auch keine Geschenke von Abu Dhabi: Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier musste die Etappenführung ausgerechnet an seinem Ehrentag an "Azzam" abgeben. Eine gemeine Wolke stoppte die Crew über rund 30 Minuten

Volvo Ocean Race 2014/2015

Xabi Fernandez: Was hält der Himmel für Mapfre bereit?

Nicht mehr eingreifen können Team Brunel und Team SCA. Während der letzte Rang der Flotte für das Damen-Team unter schwedischer Flagge keine Überraschung darstellt, müssen die Segler im holländischen Team gegen Frustration und Ärger über sich selbst ankämpfen. Sie hatten die Etappe nach einem genialen taktischen Schlag über mehrere Tage angeführt, bevor sie sich mit einem weiteren Alleingang um den möglichen Etappensieg brachten. Inzwischen schleppen die Männer um Skipper Bouwe Bekking und Navigator Andrew Cape einen Rückstand von mehr als 100 Seemeilen mit sich und haben voraussichtlich keine Chance mehr, sich im Etappen-Klassement noch entscheidend zu verbessern. Damit markiert dieser vierte von insgesamt neun Rennabschnitten einen schweren Rückschlag für die Sieger der zweiten Etappe in ihrem Begehren, die zwölfte Auflage des Volvo Ocean Race zu gewinnen. Bliebe es beim fünften Rang – dem zweiten in Folge –, würde Team Brunel zwar den dritten Platz in der Gesamtwertung halten können, doch der Abstand zu den führenden beiden Booten von Abu Dhabi und Dongfeng würde größer.

Volvo Ocean Race 2014/2015

Bild eines Maori mit Symbolcharakter: Auf See wird bis ins Ziel gekämpft – Ausgang ungewiss

Tatjana Pokorny am 27.02.2015

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