Volvo Ocean Race

Imocas für alle: Vendée und Volvo Ocean Race in einem Boot

Wer in Zukunft bei Solo-, Zweihand- und Mannschaftsrennen von Weltformat gleichermaßen erfolgreich sein will, braucht nur noch eine Yacht: eine Imoca 60

Tatjana Pokorny am 02.07.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
Pedro Martinez/Volvo Ocean Race

Was in Segelkreisen schon länger bekannt ist, wurde heute vom Management des Volvo Ocean Race als einer der größten Schulterschlüsse der internationalen Regattaszene auch offiziell bestätigt: Eine historische Partnerschaft zwischen den Organisatoren des bekanntesten Mannschaftsrennens um die Welt und der International Monohull Open Class Association (Imoca) soll aus zwei Welten eine machen und eine Brücke zwischen den Solo- und Zweihandregatten auf der einen und dem Volvo Ocean Race um die Erde auf der anderen Seite schlagen. Die neue Formel: ein Boot für die Königsdisziplinen des Offshore-Segelns.

Imposanter Clip, der die Kraft und Leistungsfähigkeit von Imocas bei der letzten Vendée Globe im Südpolarmeer zeigt

Etwa sieben Monate lang haben die Beteiligten miteinander verhandelt und aktuelle wie potenzielle Teilnehmer bereits in der vergangenen Woche bei einem Workshop im Zielhafen Den Haag mit der Klasse sowie weiteren Plänen und Ideen vertraut gemacht. Im Mittelpunkt standen dabei die Imoca-Klassenregeln. Zu den Teilnehmern zählten neben den interessierten Seglern auch Designer, die an der Entwicklung der neuen Imoco-Yachten beteiligt sind, darunter Guillaume Verdier und Juan Kouyoumdjian. Gemeinsam wurden die geplanten Veränderungen diskutiert.

Malizia

Beispiel für eine Imoca Open 60: Boris Herrmanns "Malizia"

Volvo-Ocean-Race-Co-Präsident Johan Salén erklärte: Das ist der erste von vielen Schritten bei der Vorbereitung der nächsten Auflage des Rennens im Jahr 2021. Der Kooperationsprozess auf dem Weg dazu, das nächste Rennen zu einem sportlichen und wirtschaftlichem Erfolg zu machen, wird andauern." Salén, der das Rennen mit seinem Geschäftspartner Richard Brisius und der gemeinsamen Firma Atlant Ocean Racing übernommen hat, erklärte weiter: "Das ist eine komplizierte Angelegenheit mit vielen Perspektiven. Mit viel Respekt hören wir auch weiter sehr gern die Meinungen aller Hauptakteure von World Sailing über jeden einzelnen Segler bis hin zu den Teams und Partnern. Wir sind sicher, dass dies der richtige Weg in die Zukunft ist."

Volvo Ocean Race 2017/2018

Frauen und Männer der beendeten 13. Auflage des Volvo Ocean Race: Hier wird gerade Dongfeng-Steuerfrau und Trimmerin Carolijn Brouwer geehrt. Wer wird zur 14. Auflage auf Imocas wiederkommen?

Salén ist überzeugt, dass der Einsatz der foilenden Imocas im Volvo Ocean Race "mehr Segler, mehr Teams und noch weitere Teile der Yachtindustrie motivieren wird", sich für die nächste Auflage vorzubereiten. Die neue Verbindung mit der Imoca-Infrastruktur führe laut Salén dazu, einen einheitlichen und effizienteren Offshore-Segelkalender zu kreieren. Was wiederum dem Segelsport insgesamt helfen würde und auch den Teams und den Seglern dabei, ihren potenziellen Partnern nachhaltige Geschäftsmodelle bieten zu können. Auf der anderen Seite sagte Imoca-Klassenpräsident Antoine Mermod: "Die Vereinbarung gewährt Imoca-Eignern und Seglern den Zugang zum führenden Offshore-Rennen der Welt mit größeren Crews."

In der Pressemitteilung heißt es: "Die Entscheidung, die Imoca-Boote in der Volvo Ocean Race zu integrieren, wird außerdem sicherstellen, dass das Rennen in Bezug auf Design und Technologie auch weiterhin führend bleibt und die besten Segler der Welt in einem Offshore-Mannschaftsrennen fordert." Aktuell wird ein neues Komitee gebildet, das einen besonderen Passus für von Mannschaften gesegelte Imoca-60-Yachten für die Klassenregeln erarbeiten soll. Dabei verfolgen die Volvo-Ocean-Race-Manager auch das Ziel, die Anbord-Reporterrolle für die nächste Auflage beizubehalten.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier

"Diese Veränderung ist sehr aufregend", sagte Volvo-Ocean-Race-Sieger Charles Caudrelier nach dem Intensiv-Briefing in Den Haag. "Die Open 60 sind unglaubliche Boote. Ich genieße das Segeln auf ihnen sehr und glaube auch, dass die Zuschauer es gut finden werden. Für mich sind es gute Nachrichten, dass die beiden besten Offshore-Rennen der Welt sich mit der gleichen Klasse verbinden." Auch in Deutschland wird die Entwicklung von Offshore-Experten sehr aufmerksam verfolgt – nicht zuletzt von den Skippern Boris Herrmann ("Malizia") und Jörg Riechers ("Made in Germany").

Volvo Ocean Race 2017/2018

Brunel-Skipper Bouwe Bekking

Der 55 Jahre alte achtmalige Rekordteilnehmer Bouwe Bekking äußerte sich ebenfalls positiv: "Ich denke als Segler, es ist sehr aufregend. Die jüngere Generation der Segler hat großes Interesse am Foilen und Surfen und daran, schnell zu segeln. Und du musst die besten Segler der Welt für das Rennen interessieren. Mit den Open 60 haben sie den Nagel auf den Kopf getroffen, weil es das ist, was die Segler wollen."

Designer Juan Kouyoumdjian, der in seiner Karriere bereits dreimal für Sieger-Boote im Volvo Ocean Race verantwortlich zeichnete, sagt: "Im Yachtsport geht es nicht nur um die Crew, sondern auch um die Ausrüstung. Die Kombination der beiden Elemente erlaubt es dir zu sagen, dass du der Gipfel des Offshore-Segelns bist." Sein in America's-Cup- und Imoca-Kreisen populärer Kollege Guillaume Verdier stellt klar: "Nach meiner Ansicht ist die Kombination mit ein bisschen Kompromissbereitschaft beider Seiten so machbar, dass sich beide Welten in der Mitte treffen." Das Regelwerk soll bis Jahresende stehen. Keine Auskünfte gibt es bislang darüber, ob die aktuellen Volvo-Ocean-Race-Yachten parallel zu den Imocas als zweite Klasse bleiben oder ausgedient haben.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Wird man die Sieger oder einige von ihnen beim nächsten Volvo Ocean Race auf Imocas wiedersehen?

Tatjana Pokorny am 02.07.2018

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online