Volvo Ocean Race

Heimsieg für das chinesische Team

Dongfeng Race Team hat die Führung nach Hause gebracht, den ersten chinesischen Etappensieg eingefahren und die Gesamtführung übernommen

Lars Bolle am 27.01.2015
Volvo Ocean Race

Skipper Charles Caudrelier genießt die Champagnerdusche

Zum ersten Mal in der 41-jährigen Geschichte des Race hat ein chinesisches Team eine Etappe gewonnen. Es gab zwar schon zuvor von chinesischen Konzernen gesponserte Boote, wie Green Dragon (2008) und Team Sanya (2011), aber Skipper Charles Caudrelier schaffte es als bisher Einziger als Erster über eine Etappen-Ziellinie.

Fotostrecke: Zieleinlauf Sanya

"Es war die stressigste Etappe meines Lebens", sagte der Franzose im Ziel. Fast vom Start weg hatte sein Team in Führung gelegen und jeden Angriff der eigentlich stärker eingeschätzten Verfolger pariert, allen voran Abu Dhabi Ocean Racing und Brunel als Gewinnern der ersten und zweiten Etappe. Vor allem im Bengalischen Golf hatte es den Anschein, als könnte das Team das Boot in annähernd gleichen Bedingungen etwas schneller segeln als die Konkurrenz.

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Dongfeng Race Team kurz nach dem Zieleinlauf vor dem Sportboothafen von Sanya

Den größten Vorsprung ersegelte Caudrelier in der Malakkastraße, als er über 100 Seemeilen davonzog. Das war jedoch mehr den dort wechselhaften Bedingungen zu verdanken. Doch der 40-jährige Skipper und sein Team aus erfahrenen französischen Hochseeseglern, dem jungen Australier Jack Bouttell und den zwei chinesischen "Auszubildenden" behauptete die Führung und baute sie auf dem letzten Teilstück sogar auf konstant 45 bis 50 Seemeilen aus.

Die letzten Seemeilen vor dem Ziel

Um 23.31 Uhr UTC kreuzte Team Dongfeng nach 4670 Seemeilen mit 45 Seemeilen Vorsprung, also einem Prozent der Gesamtdistanz, vor Abu Dhabi Ocean Racing die Linie. Danach folgten Team Alvimedica mit einer Stunde Rückstand, rund eine halbe Stunde später Mapfre und Brunel, die nach dieser unglaublich langen und schwierigen Etappe nur zwei Minuten auseinander lagen. Team SCA wird heute Vormittag erwartet.

Dongfeng Race Team hat mit dem Etappensieg und zwei zweiten Plätzen mit insgesamt fünf Punkten die Gesamtführung übernommen. Das Tableau sieht nach einem Drittel der Distanz wie folgt aus:

1. Dongfeng Race Team, 5 Punkte
2. Abu Dhabi Ocean Racing, 6 
Punkte
3. Team Brunel, 9 Punkte
4. Team Alvimedica, 12 Punkte
5. Mapfre, 15 Punkte
6. Team SCA, 18 Punkte
7. Team Vestas Wind, 20 Punkte

Dongfeng Race Team hat sich damit auf die Position des Favoriten geschoben, vor allem, wenn es um Leichtwindbedingungen geht, wie sie auf fast der gesamten dritten Etappe herrschten. Legt man zudem die zwei Materialfehler auf den vorangegangenen Etappen mit in die Waagschale, einen Ruderschaden sowie eine defekte Mastschiene, dann dürfte die Konkurrenz spätestens jetzt schwer ins Grübeln geraten, wie sie diesen Skipper und sein Team stoppen will. Da bleibt fast nur die Hoffnung, dass die relative Unerfahrenheit der chinesischen Crewmitglieder auf den folgenden, eher windreichen Etappen ein limitierender Faktor sein könnte.
 

Lars Bolle am 27.01.2015

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