The Ocean Race

Getauft, gefeiert, gesegelt: "Sisi" lässt Österreich träumen

Binnen zwei Wochen hat The Austrian Ocean Race Project die Herzen der Segelfans hochschlagen lassen. Und das ist erst der Beginn der Kampagne…

Tatjana Pokorny am 25.10.2019
Rolex Middle Sea Race
Rolex Middle Sea Race / Kurt Arigo

"Sisi" im Rolex Middle Sea Race 2019

Österreichs Seesegler gehen in die Offensive. Erst vor zwei Wochen wurde die VO65-Yacht des The Austrian Ocean Race Projekt in Portopiccolo – man beachte die Namen – von Skilegende FRANZ Klammer und dem Kärnter Landeshauptmann Dr. Peter KAISER – am 11. Oktober auf den klangvollen Namen "Sisi" getauft. Gleich im Anschluss startete die Crew in die weltgrößte Regatta Barcolana. Um danach erfolgreich am Rolex Middle Sea Race teilzunehmen. Bei den Österreichern wird derzeit nicht gekleckert, sondern dynamisch geklotzt. Unter Führung von Projekt-Mitinitiator Oliver Kobale und Christian Kargl, der kurz zuvor mit seiner Co-Skipperin Lisa Berger die historisch erste Europameisterschaft in der ab 2024 neuen Olympia-Disziplin Mixed-Offshore gewonnen hatte, segelte die leuchtend blau lackierte "Sisi" im Rolex Middle Sea Race nach spannendem Rennverlauf als beste VO65 auf Platz acht in der IRC-1-Wertung. Dabei deutete die Crew auch schon ihre Kampfqualitäten an und ließ unter anderen mit der VO65 "Sailing Poland" und der VO70 "Green Dragon" zwei direkte Mitbewerber trotz zwischenzeitlichen Rückständen am Ende hinter sich.

Rolex Middle Sea Race

Die erste längere Bewährungsprobe mit "Sisi" bestand die Mannschaft im Rolex Middle Sea Race mit Bravour

Die neue "Kaiserin der Ozeane" soll ab Herbst 2021 am The Ocean Race teilnehmen und unter Österreichs Flagge um die Welt segeln. Die Projektinitiatoren kommen aus Wien, Villach und Tirol. Es sind vor allem junge Hochseesegler, die Segelfans in ihrer Heimat großformatig träumen lassen: Raphael Hussl, 23, Konstantin Kobale, 23, Julian Kircher, 33, und Oliver Kobale, 20, begeistern ihre Landsleute mit einer ganz neuen Ocean-Race-Perspektive. Möglich machten den vielversprechenden Blitzstart auch die ersten bereits bekannten Partner wie Candidate Sailing als Teil der Schneider Holding, die denselben Seglern auch schon den Start im Red Bull Youth America's Cup ermöglicht hat und jetzt wieder zu den Förderern der ersten Stunde zählen. Mit an Bord ist die von Julian Kircher und einem Partner geführte Seefahrtsschule Blue-2-Sailing Academy sowie der Sicherheits-, Elektronik- und Rigging-Ausrüster 2Sail von Mini-Transat-Ass, Mixed-Offshore-Europameister und Extremsportler Christian Kargl. Heimathafen des Teams ist die Marina Portopiccolo am Golf von Triest.

Der neue Hochsee-Stolz der Österreicher heißt "Sisi"

Rolex Middle Sea Race

Den Teamnamen im Segel

Antreiber und Visionär der angehenden Weltumsegler ist Julian Kircher vom Union Yacht Club Wörthersee. Der mehrfache Staatsmeister, Matchracer und Ligasegler und seine ehrgeizige Gruppe hatten bereits im März dieses Jahres mit Ocean-Race-Geschäftsführer Richard Mason verhandelt. Kircher selbst hielt die Präsentation, die bei Mason so gut ankam, dass die Kaufverträge für das Boot bereits eine Woche später in der Post waren. Übernommen hatten die Österreicher das Boot Anfang August in Lissabon. Warum ihr Votum auf die ehemalige "Vestas" fiel, deren Kollision mit einem Fischerboot am 18. Januar 2018 vielen Fans noch im Gedächtnis ist, weil dabei ein chinesischer Fischer ums Leben gekommen war? Kircher erklärt: "Wir hatten zu dem frühen Zeitpunkt die Wahl zwischen mehreren Booten, aber für uns war es eine klare Sache. Wir wussten, dass einige Boote Delaminierungs-Probleme hatten. Und speziell ‚Dongfeng‘ ist im Southern Ocean sehr gepusht worden. Unser Boot dagegen wurde vergleichsweise wenig gesegelt und ist daher im besten Zustand."

The Austrian Race Project

Die "Sisi"-Taufe mit den Paten Franz Klammer und Peter Kaiser sowie dem Segelteam und seinen Gästen

Als Coaches unterstützen auch Hans Spitzauer und Christian Binder das junge Team, das sich aus österreichischen Youth-America's-Cup-Teilnehmern, Olympiaseglern, Weltmeistern in unterschiedlichen Bootsklassen und Top-Akteuren der Bundesliga- und Champions League zusammensetzt. Darunter sind neben den Initiatoren auch Anna Luschan und Maja Siegenthaler. Außerdem beflügelt der viermalige Olympiateilnehmer Niko Resch das Team unter anderem im Bereich Nachhaltigkeit. Insgesamt besteht das Team in dieser frühen Phase aus rund 30 Mitgliedern aus fünf Nationen.

Ein kurzer Clip über die Aufbruchphase der Mannschaft

Rolex Middle Sea Race

Dieses Bild versahen die Österreicher mit dem Titel "Teamwork is Dreamwork"

The Austrian Race Project

Julian Kircher

Die Aussichten, es als bereits für das Rennen offiziell registrierte Team an die Startlinie zu schaffen, beziffert Julian Kircher mit 75 Prozent. Der optimistischen Einschätzung liegt sein Wissen um konkrete Verhandlungen mit zwei potentiellen Hauptsponsoren zugrunde, "die diese Zahlen kennen". Die bereits aktiven Partner stellen keine unrealistischen Siegansprüche an das Team, betrachten ihr Engagement als langfristig und legen Wert darauf, dass der Nachwuchs integriert und ausgebildet wird. Auch diesbezüglich sind sich die Köpfe der Kampagne einig. Kircher sagt: "Wir werden drei bis vier internationale Profis dazuholen, weil wir deren Knowhow für den nachhaltigen Aufbau brauchen." 

Einen alternativ möglichen Start in der neuen zweiten Imoca-Division des Ocean Race kam für die ambitionierten Alpensegler nie in Frage. "Da hätte man neu bauen müssen, um mithalten zu können. Mit einem gebrauchten Boot würde man sich doch eher zur Schießbudenfigur machen. Wir peilen sicher nicht sofort den Sieg an, aber mindestens eine gute Mittelfeldposition", erklärt Kircher, der sich mit der Annahme der riesigen Herausforderung und Unterstützung seiner Familie einen langgehegten Kindheitstraum erfüllt. "Wenn man sich den fantastischen und wachsenden Zuspruch aus der Bevölkerung ansieht, den wir aktuell erhalten, dann sind wir mehr als zuversichtlich. Denn das ist der Wahnsinn."

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Die Segler vom österreichischen Ocean-Race-Projekt an Bord von der gerade getauften "Sisi"

Tatjana Pokorny am 25.10.2019

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