Volvo Ocean Race

Endspurt-Duell um Platz zwei

Der Gesamtsieg ist vergeben. Doch es geht noch um die Podiumsplätze. YACHT online traf in Lorient Team Brunnels Skipper Bouwe Bekking

Tatjana Pokorny am 13.06.2015
VOR 2014/2015 Stopover Lorient

Einen Tag vor dem In-Port-Rennen vor Lorient in der Bretagne: Bekking am Steuer im Trainingsrennen. Im Hintergrund sein Bezwinger Ian Walker und dessen Team Abu Dhabi Ocean Racing

Der Traum vom ersten Gesamtsieg ist für den niederländischen Rekordteilnehmer Bouwe Bekking auch im siebten Anlauf geplatzt. Der hat sich stattdessen für den britischen Skipper Ian Walker und sein Team Abu Dhabi Ocean Racing erfüllt. Die endgültige Erkenntnis kam für Bekking und sein Team Brunel mit dem fünften Platz in Etappe acht und dem Zieldurchgang vor Lorient in der Bretagne.

VOR 2014/2015 Stopover Lorient

Der geschmückte Hafen von Lorient: La Base sous-marine im Volvo-Ocean-Race-Look

Doch Bouwe Bekking denkt nicht daran, deswegen nun einen Gang zurückzuschalten. Nach dem Motto "Jetzt erst recht" treibt er sein Team noch einmal an: Er will Platz zwei verteidigen. Wenigstens den. Und er will die In-Port-Wertung gewinnen. Dazu muss er am Sonntag ein fulminantes Kurzrennen vor Lorient hinlegen, um sich den Vorteil der besseren In-Port-Platzierung für den Fall einer Punktgleichheit im Gesamtklassement zu sichern. YACHT online war bei den letzten Vorbereitungen für Team Brunels Endspurt an Bord, erlebte eine lockere Crew mit viel Kampfgeist und sprach mit dem Skipper über den Schlussspurt im Volvo Ocean Race und zukünftige Pläne.

VOR 2014/2015 Stopover Lorient

Endspurt für Bouwe Bekking im Volvo Ocean Race

Herr Bekking, verraten Sie uns Ihre Strategie für die letzte Etappe, auf der Sie Ihren zweiten Platz gegen drei weitere Teams verteidigen müssen?

Bekking: Wir werden vor allem ein Auge auf Dongfeng und Mapfre haben müssen. Wir sollten uns auf der letzten Etappe idealerweise unter den Top Drei platzieren und möglichst auch die In-Port-Wertung gewinnen. 

Hat Ihr Team auf der letzten Etappe einen 'Heimvorteil', weil die von Lorient über den Pitstop im holländischen Den Haag in den Zielhafen Götborg führt?

VOR 2014/2015 Stopover Lorient

Team Brunels Navigator Andrew Cape nimmt schon einmal Maß und Charles Caudreliers Dongfeng Race Team ins Visier. Die französisch-chinesische Mannschaft ist der gefährlichste Gegner im Kampf um Platz zwei

Bekking: Vielleicht einen kleinen Vorteil, weil die die Gewässer um Den Haag herum sehr gut kennen. Doch Charles Caudrelier und seine Franzosen auf Dongfeng kennen sich natürlich hier im Revier von Lorient gut aus und hätten demnach ebenfalls einen kleinen Vorteil. 

VOR 2014/2015 Stopover Lorient

Das Dongfeng Race Team muss Bekking schlagen, wenn er seinen zweiten Platz im Gesamtklassement erfolgreich verteidigen will

Wie enttäuscht waren Sie, dass es mit dem Gesamtsieg auch dieses Mal nicht geklappt hat?

Bekking: Ich habe mich schon geärgert. Aber wenn man älter ist, kann man besser reflektieren und relativieren. Für die Jüngeren im Team war es schwerer. Die Sieger haben gewonnen, weil sie sehr gut gesegelt sind. Also haben sie es auch verdient.

Wo haben Sie den möglichen Gesamtsieg aus den Händen gegeben? Gab es eine Schlüsselszene?

Bekking: Vermutlich auf dem Weg nach Neuseeland. Wir hatten auf dem Weg ins Ziel einigen Vorsprung und sind dann noch auf Platz fünf abgerutscht, als wir zu weit östlich gesegelt sind.

Werden Sie noch ein achtes Mal versuchen, das Rennen Ihres Lebens als Skipper zu gewinnen?

Bekking: Man soll niemals nie sagen. Wir werden versuchen, das Geld dafür zusammenbringen. Das ist und bleibt die schwerste Aufgabe im Volvo Ocean Race. Welche Rolle ich dann übernehme, wenn uns das gelingt, das werden wir sehen. Es ist aber wichtig für den Segelsport in Holland, dass wir erneut eine Kampagne formieren.

Warum?

Bekking: Unser Land liebt dieses Rennen. Es ist in unserem Blut. Alleine in Den Haag werden in der kommenden Woche zum Pitstop auf der letzten Etappe 16.000 Gäste von Sponsoren und Partnern aller Teams erwartet. Davon sind bis zu 7.000 Besucher unsere Gäste. Das Rennen bewegt die Menschen bei uns.

Wie viel Geld braucht es idealerweise für eine erfolgreiche Kampagne? Wären 15 Millionen Euro ein gutes Budget?

Bekking: Oh, ja! Wir haben es für weniger gemacht. 

Wie hart war das Rennen auf den neuen One-Design-Booten für die Segler?

Bekking: Körperlich weniger hart als frühere Rennen. Wir hatten weniger Wind als sonst. Mental allerdings war es sehr hart, weil alle aufgrund der engen Abstände ständig unter Druck standen.

Was hat Ihnen bei dieser 12. Auflage des Rennens um die Welt Spaß gemacht?

Bekking: Die Mannschaft! Die können was, und wir haben auch abseits vom Segeln viel zusammen unternommen und Spaß gehabt. Das hat mich an mein erstes Rennen um die Welt mit "Philips Innovator" erinnert. Bei uns im Team Brunel herrscht eine sehr gute Kameradschaft.

Tatjana Pokorny am 13.06.2015

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online