Volvo Ocean Race

Die Nervenschlacht am Kalmengürtel

Wer kommt am besten durch die Doldrums? Regen- und Gewitterwolken, Null-Wind-Zonen und ständige Positionswechsel halten die Teams auf Etappe 6 in Atem

Tatjana Pokorny am 16.02.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
VOR

Etappe 6, Tag 10: wilde Wolkenbilder, schwierige Segelbedingungen am Äquator

Segeln kann auch in Flautenzonen spannend sein. Und wie! Das zeigen die sich aktuell ständig ändernden Zwischenstände auf der sechsten Etappe im Volvo Ocean Race. Auf Kurs von Hongkong nach Auckland haben die sechs Boote den Kalmengürtel erreicht. Ihre Tage und Nächte sind von extremen Höhen und Tiefen geprägt. Eben noch vorn, doch dann plötzlich hinten – so erging es zuletzt beispielsweise David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag. Zunächst gemeinsam mit AkzoNobel gefeiert für eine mutige strategische Positionierung, die beide Boote an die Spitze führte, konnten sich bislang nur die Holländer in der führenden Gruppe behaupten. Witts Team dagegen lag am Freitagmorgen plötzlich nur noch an sechster und letzter Stelle, hatte sich im nervenaufreibenden Flautenpoker am Äquator über Nacht einen Rückstand von fast 50 Seemeilen auf die neuen Spitzenreiter eingefangen. Bouwe Bekkings Team Brunel führte das Feld am zehnten Tag des 6100 Seemeilen langen Pazifik-Abschnitts vor AkzoNobel (1,4 Seemeilen Rückstand) und Dee Caffaris Team Turn the Tide on Plastic (8,8 Seemeilen Rückstand) an. Mit jeweils mehr als 30 Seemeilen Rückstand folgten das Dongfeng Race Team und das in der Gesamtwertung führende spanische Team Mapfre.

Volvo Ocean Race 2017/2018

David Witts Team Sun Hung Kai / Scallywag auf Kurs Auckland

Volvo Ocean Race 2017/2018

Sein Gesicht zeigt die Strapazen der aktuellen Etappe: AkzoNobel-Skipper Simeon Tienpont

Nordöstlich von Papua-Neuguinea quälen sich die Navigatoren rund um die Uhr mit der Suche nach dem schnellsten Weg von der Philippinensee durch den gefürchteten Kalmengürtel in den südwestlichen Pazifik. Manche Teams haben in den vergangenen Tagen bis zu 25, 30 Seemeilen zwischen zwei Positionsmeldungen verloren. Jede Ergebnismeldung wird daher an Bord der Boote mit Hochspannung erwartet. Während Brunel am Freitagmorgen binnen der vorangegangenen sechs Stunden sieben Seemeilen hatte gutmachen können, verloren Dongfeng und Mapfre auf östlichem Kurs bei der Suche nach Wind gut sieben und fast zehn Seemeilen. Mapfre geschah das in nur einer Stunde unter einer einzigen großen schwarzen Wolke. Die im Tracker abgebildeten Zickzackkurse der Boote rund um den Äquator zeigen die Suche der Crews nach Wind. Die bunten Linien sehen eher aus wie eine nachgezeichnete Eislaufkür denn eine schnelle und gerade Annäherung an den Zielhafen Auckland.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Wo ist der Wind? Auf ihrem Zickzack-Kurs durch den Kalmengürtel suchen die Navigatoren und ihre Teams ständig nach mehr Druck. Dabei lassen sich die in der Gesamtwertung führenden Teams Mapfre und Dongfeng weiterhin nicht aus den Augen, setzen ihr Matchrace auch in den flauen Äquator-Bedingungen fort

Wie sich die Achterbahnfahrt durch die Ergebnisliste anfühlt, beschrieb Brunel-Skipper Bouwe Bekking bereits am Donnerstag, als sein Team dem Feld noch auf den hinteren Positionen nachjagte: "Wir erleben viele Wolkengüsse. Einer hat uns schlimm erwischt. Wir haben binnen sechs Stunden all die Meilen verloren, die wir uns zuvor so hart erarbeitet haben. Du hoffst, dass die anderen Boote ähnliche Situationen erleben. Aber nein, wir haben in sechs Stunden 14 Meilen verloren. Aua!" Inzwischen hat sich das Blatt zu Brunels Gunsten gewendet, die Holländer liegen wieder vorn. Doch in den kommenden Tagen wird jeder neue Zwischenstand erneut für Überraschungen sorgen. Es bleibt spannend im Kampf um diesen Etappensieg.

Noch einmal hineingehört in das, was die Skipper vor dem Etappenstart sagten. Da haben sie den aktuellen Flautenpoker schon gefürchtet…

Volvo Ocean Race 2017/2018

Etappe 6, Tag 10: die Zwischenstände am Freitagmorgen

Tatjana Pokorny am 16.02.2018

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