Legends Race

Die "illbruck" hat das Siegen nicht verlernt…

Vor 16 Jahren gewann die "illbruck Challenge" das Volvo Ocean Race. Nun hat sie im neuen Look als "Glashäger" wieder gewonnen: das Legends Race in ihrer Klasse

Tatjana Pokorny am 24.06.2018
Legends Race 2018
Speedsailing

Legends Race 2018

Das Legends Race hat parallel zur letzten spektakulären Etappe im Volvo Ocean Race einstige Teilnehmer-Yachten auf den Kurs von Göteborg nach Den Haag geführt. Daraus ergab sich nicht nur eine Art aufregendes und attraktives Klassentreffen für Boote und alte wie neue Crews, die vor Jahrzehnten im Rennen um die Welt erfolgreich waren, sondern auch ein spannendes Rennen und sehr viel Spaß für die Crews auf See und im Volvo-Ocean-Race-Zielhafen Den Haag. Das Legends Race war und ist eine wirklich gute Idee! Von seinen Erfahrungen berichtet Oli Schmidt-Rybandt, Speedsailing-Gesellschafter und Skipper der "Glashäger".

Legends Race 2018

Der Blick in den Hafen auf die "Ospa" (Ex-"SEB") und die "Glashäger" (Ex-"illbruck")

Von Oli Schmidt-Rybandt

Immer wieder murmel ich vor mich hin: "Oh Mann, was haben wir da erlebt?" Das Rennen der Legenden im Rahmen der letzten Etppe des laufenden Volvo Ocen Race war so eine Art Pflichtprogramm. Da wir drei dieser Legenden in artgerechter Haltung führen, müssen wir natürlich auch dabei sein, wenn es nochmal richtig um die Wurst geht. Zwei Boote aus der Flotte werden gemeldet. "Ospa" (früher "SEB") mit Skipper Otto Timm und die "Glashäger" (früher "Illbruck") unter mir. 

Wiedersehen mit den Yachten, die einst das Whitbread Round the World Race und das Volvo Ocean Race prägten

Legends Race 2018

Auch für die Legenden ging es in der Nordsee zur Sache

Dass der Zieleinlauf schließlich der Reihenfolge im damaligen Rennen um die Welt entspricht, ist wie eine Fügung des Schicksals und alles andere als geplant. Die Konkurrenz erweist sich als hartnäckig. 

Der Weg dahin war hart. Härter als befürchtet. Bei 35 bis 40 Knoten Wind ist die Nordsee ungemütlich. Sieben Meter hohe Wellen werden von den Bohrplattformen gemessen. Wir bekommen sie von der Seite. Die Boote rutschen mit Affentempo die wandernden Gebirge ohne Namen entlang. Das überkommende Wasser beeinträchtigt erst die Sicht. Später macht es sie unmöglich, noch später bekommt man am Ruder stehend keine Luft vor überkommendem Wasser. Skimasken haben wir nicht dabei. Eine Torheit. Wußten wir doch, dass sie mitunter unschätzbare Dienste erweisen. Nun muß es ohne gehen. Wir sind ja nicht im Südozean. Teilweise sagt mir nur das Boot unter den Füssen per Krängungswinkel, wie die nächste Welle genommen werden soll. Es funktioniert erstaunlich gut. Illbruck bleibt immer unter Kontrolle. Zwar ist der Kraftaufwand am Rad beträchtlich, jedoch reißt die Strömung am Ruderblatt nie ab. Es setzt tatsächlich so eine Art Gewöhnung ein. 

Legends Race 2018

"Flyer" war auch mit von der Partie

Wir sind mit eine Gruppe von Gästen unterwegs. Ein polnischer Verein hat "Glashäger / illbruck" gebucht. Die Herren verfügen über unterschiedlich stark ausgeprägte Segelkenntnisse, jede Menge Teamgeist und eine erstaunlich geringe Ausfallquote durch Seekrankheit. Vereinsskipper Jaroslav / Jarik verschenkt nichts. Er lässt seine Crew bis zur Erschöpfungsgrenze an den Grindern arbeiten, um an jeder Welle das Boot per Großsegel anzupumpen. So fliegen wir dahin und nur dann und wann steckt jemand aus der Freiwache seinen Kopf aus dem Niedergang, um das Essen noch mal durch den Kopf gehen zu lassen. Der ständige Wasserstrom lässt das Erbrochene kaum den Cockpitboden berühren. Sofort ist es weggespült und findet sich Sekunden später im Kielwasser wieder. Skipperkollege Otto Timm auf "Ospa / SEB" hat mit mehr Ausfällen zu kämpfen und fährt ein Reff mehr. So bleibt die Rennschwester etwas zurück.

Es ist ein kurzer Ritt. Früh morgens kommen wir aus dem Skagerrak in die Nordsee, abends haben wir schon die niederländische Küste an Backbord. In abnehmendem Wind beginnt die Arbeit mit den Segeln. Das Reff geht raus, ein Stagsegel kommt dazu. Danach ersetzt der Reacher 1 die Fock. Von da wird auf den kleinen flachen asymetrischen Spi gewechselt und als die nicht enden wollenden Verkehrstrennungsgebiete an Backbord einen Durchschlupf bieten, fallen wir ab, wechseln auf großen Toprunner und halsen gleich. 'Assa Abloy' ist fast auf Rufweite im Kielwaser. Es beginnt ein Halsenduell. Für jedes Manöver geht das Stagsegel und der Spibaum weg, um gleich danach auf der anderen Seite wieder gesetzt zu werden. Wir holen wieder eine Meile Vorsprung heraus und verteidigen diesen mit weiteren Segelwechseln bis ins Ziel. Illbruck hat ihr Rennen wieder gewonnen und wir fragen uns, was dier da nur erlebt haben?

Legends Race 2018

Nach zuverlässig getaner Arbeit im Hafen: "Ospa" und "Glashäger"

Tatjana Pokorny am 24.06.2018

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