Volvo Ocean Race

David Witt: "Das wird mich den Rest meines Lebens begleiten"

Heute um 19 Uhr fällt der Startschuss zur achten Etappe. Alle sieben Boote sind dabei. Zuvor sprach David Witt erstmals öffentlich über den Tod von John Fisher

Tatjana Pokorny am 22.04.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
Pedro Martinez/Volvo Ocean Race
Volvo Ocean Race 2017/2018

Skipper David Witt

"Für mich wird der Sonntag seltsam sein, denn es ist das erste Mal seit zwölf Jahren, dass ich ohne ihn ablege." Das sagte David Witt in der Pressekonferenz vor dem heutigen Start in die achte Etappe im Gedenken an John Fisher. In bewegenden Worten schilderte der australische Skipper des Teams Sun Hung Kai / Scallywag, wie er und sein Team die letzten Wochen erlebt haben und was die Mannschaft jetzt antreibt. John Fisher, der am 26. März im Southern Ocean in einem Sturm über Bord ging und verschollen blieb, sei ein Mensch gewesen, der sich immer um andere zuerst gekümmert habe. 

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Skipper David Witt setzte sich mit den Folgen des tödlichen Unglücks von John Fisher auseinander und machte es sich dabei nicht leicht 

David Witt sagte weiter: "Wir haben einen Ethos unter uns 'Scallywags', dem wir versuchen zu folgen. Wir geben niemals auf und kümmern uns umeinander. Wir müssen nicht die Besten sein, aber wir machen das zusammen. Die vermutlich wichtigste Eigenschaft in unserem Team ist Loyalität. Das alles beschreibt aber vor allem John Fisher." Für den Zuspruch in den vergangenen Wochen bedankte sich David Witt: "Die Unterstützung, die wir innerhalb der Volvo-Familie erhalten haben, war einzigartig. Es braucht schon besondere Menschen, die dieses Rennen bestreiten. Ob du nun der Skipper oder ein Crew-Mitglied bist. Ich denke, der Charakter der Leute, die dieses Rennen bestreiten, ist dadurch verdeutlicht worden, wie wir in der vergangenen Woche von den anderen Teilnehmern unterstützt wurden. Als das Boot (am Donnerstag nach der Überführung aus Chile, d. Red.) das Dock erreichte, war das sehr bewegend. Das war keine PR-Show, sondern ein Abbild der Charaktäre in diesem Rennen. Ich bin sicher, dass John sehr stolz darauf gewesen wäre. Das Beste, was wir zu seiner Erinnerung tun können, ist Weitermachen, unseren Job am Sonntag zu machen. Wenn er jetzt hinter mir stünde, würde er mir sagen: 'Jetzt reiß' dich mal zusammen, sei' nicht so weich und mach' weiter!'"

David Witt spricht über das tödliche Unglück im Southern Ocean, den Tod seines besten Freundes, die Verantwortung eines Skippers und die Welle der Hilfsbereitschaft innerhalb der Volvo-Ocean Race-Familie

Zur Verantwortlichkeit eines Skippers im Volvo Ocean Race sagte Witt: "Das Wort Verantwortung ist eine Untertreibung. Ich habe ein Crew-Mitglied und meinen besten Freund verloren. Das ist etwas, das mich für den Rest meines Lebens begleiten wird." Die unglücklichen Abläufe während des tödlichen Unglücks beschrieb Witt mit einem Bild: "Es ist, als würdest du einen Schweizer Käse kaufen, und plötzlich reihen sich alle Löcher aneinander. Da müssen sehr viele Dinge gleichzeitig schiefgehen... Was wir tun, das beinhaltet Risiken. Wir müssen damit umgehen. Unglücklicherweise ist das schlimmste Szenario dieses Mal eingetreten."

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Wieder im Einsatz: das Team Sun Hung Kai / Scallywag in Itajaí

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Einen Tag vor dem Start zur achten Etappe hat das Team Sun Hung Kai / Scallywag sein Boot – auch dank einer Welle von Hilfsbereitschaft anderer Teams – wieder zu Wasser bringen können. Skipper David Witt und sein Team wollen die verbleibenden vier Etappen des Volvo Ocean Race für John Fisher bestreiten

Auch die anderen Skipper äußerten sich in der Pressekonferenz noch einmal zum tödlichen Unglück, bevor die achte Etappe sie am Sonntag von Itajaí über 5700 Seemeilen in den amerikanischen Hafen Newport führen wird. Team Brunels Skipper Bouwe Bekking sagte: "Du hast als Skipper dieses Gefühl dieser ganz besonderen Verantwortung. Die ganze Etappe über ging es so: Wenn ich aufwachte, dachte ich an John. Wenn ich an Deck ging, dachte ich an John. Das sitzt sehr tief."

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Team Brunels Skipper Bouwe Bekking: "Der Verlust von John Fisher sitzt tief."

Über die zuletzt stark ansteigende Leistungskurve seines Teams mit herausragenden Einzelakteuren wie Olympiasieger und America's-Cup-Gewinner Peter Burling sagte Bekking: "Ich kann sicher feststellen, dass es nicht hilfreich ist, (mit einer Kampagne, d. Red.) so spät durchzustarten. Du kannst den besten Segler der Welt, die besten Segler der Welt im Team haben, lauter Siegertypen, aber es dauert eben lange, bis du überall den Top-Level erreichst. Aber wir schauen nach vorne. Da liegen immer noch ziemlich viele Punkte auf dem Tisch. Wir blicken nach oben!" Team Brunel hatte als letzte Kampagne für die laufende 13. Auflage des Volvo Ocean Race gemeldet.

Charles Caudrelier, Skipper des nach sieben Etappen führenden Dongfeng Race Team, sagte: "Natürlich ist der Druck größer geworden. Wir waren noch nie in einer so guten Position. Aber Mapfre und uns trennt nur ein Punkt. Und ich habe gesehen, dass sich das Niveau der gesamten Flotte angeglichen hat. Jeder Punkt ist schwer zu verdienen. Es wird bis zum Ende schwer sein. Vor uns liegen noch vier schwere Etappen, eine davon mit doppelter Punktzahl. Das hier ist noch lange nicht zu Ende. Und ich weiß das."

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Dongfeng-Skipper Charles Caudrelier

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Vestas 11th Hour Racings Skipper Charlie Enright will sein Team in der achten Etappe nach den dramatischen Unglücken und Rückschlägen der vergangenen Monate wieder auf Kurs bringen

Vestas-Skipper Charlie Enright, dessen Team mit dem Mastbruch nahe der Falkland-Inseln nach dem tödlichen Crash mit einem chinesischen Fischerboot vor Hongkong den zweiten schweren Rückschlag hatte hinnehmen müssen, sagte: "Diese letzten drei Etappen haben uns in eine sehr frustrierende Situation gebracht. Das ist besonders frustrierend, denn: Wenn wir segeln, dann machen wir das sehr gut. Wir hatten einfach nicht die Möglichkeit, genug zu segeln." 

Hier geht es zu den Ergebnissen und Zwischenständen, hier zur Live-Übertragung, die heute (Sonntag) kurz vor 19 Uhr beginnt.

Tatjana Pokorny am 22.04.2018

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