Volvo Ocean Race

Bouwe Bekking vor dem europäischen Finale: "Jetzt oder nie"

Kann er es im achten Anlauf endlich schaffen? Nach mäßigem Auftakt hat sich Bekkings Team Brunel in Schlagdistanz zum Gesamtsieg positioniert

Tatjana Pokorny am 08.06.2018
Volvo Ocean Race 2017/2018
Jen Edney/Volvo Ocean Race

Bouwe Bekking

Nach den ersten Etappen der 13. Auflage des Volvo Ocean Race hätten viele die aktuelle Entwicklung im Volvo Ocean Race nicht mehr für möglich gehalten: Bouwe Bekkings holländisches Team Brunel war schwach in das laufende Rennen um die Welt gestartet – zu langsam das Boot, zu unbeständig und zu mäßig die Ergebnisse. Das Team mit dem erfahrenen Navigator Andrew Cape und den America's-Cup-Stars Peter Burling, Kyle Langford, Carlo Huisman und Co. kam einfach nicht in Fahrt.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Hatte zu Beginn des Rennens weniger zu lachen, jetzt ein bisschen mehr: Brunels Skipper Bouwe Bekking

Doch nun haben der erfahrene Rekordteilnehmer Bekking und seine Mannschaft in der Finalphase des Rennens nicht nur ihr Boot im Griff, sondern offenbar auch den Turbo eingeschaltet, eilten zuletzt von Erfolg zu Erfolg. Die Bilanz auf den letzten drei Etappen: 1-2-1. Und der zweite Rang in Newport hätte sogar auch ein erster sein können, wenn die Mannschaft auf dem gelben Boot nicht ganz kurz vor der Ziellinie in eine Flautenfalle getappt und noch von Mapfre im Stil eines Abstauber-Tors überholt worden wäre. An Brunels spätem Höhenflug hat die Konkurrenz nun zu knabbern., allen voran die beiden bislang dominierenden Mannschaften auf den roten Booten von Dongfeng und Mapfre. Volvo-Ocean-Race-Manager Johan Salén sagt: "Das ist ein fantastisches Szenario zum Finale. Und für Brunel etwas einfacher. Die Holländer haben nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Für die roten Boote ist der Druck deutlich höher."

Cooler Clip mit Brunels holländischem Crew-Mitglied Carlo Huisman – passt gerade gut zur steil steigenden Erfolgskurve der "fliegenden" Holländer und soll sicher auch eine Botschaft an die rote Konkurrenz sein…

Noch aber führt Charles Caudreliers Dongfeng Race Team (60 Punkte) die Gesamtwertung des Meeres-Marathons nach neun von elf Etappen vor Mapfre (59 Punkte) und dem stark aufgekommenen Team Brunel (57 Punkte) an. Zwei durchaus anspruchsvolle europäische Spurts hat die Flotte noch zu absolvieren. Und nicht zu vergessen: Bevor möglicherweise bei Punktgleichheit die bessere Position eines Teams in der Wertung der Hafenrennen über den Gesamtsieg entscheidet, wird zunächst noch ein Bonuspunkt für die insgesamt kürzeste Segelzeit um die Erde addiert. Den wird – da ist sich sogar Bouwe Bekking recht sicher – wohl das Dongfeng Race Team kassieren. Daher rechnet die Konkurrenz diesen Zähler auf dem Konto der roten Yacht unter chinesischer Flagge bei ihren Planspielen im Geiste schon mit. Denn: Dongfeng hat für die bislang neun Etappen und rund 40.000 absolvierten Seemeilen nur 118 Tage, 14 Stunden, 53 Minuten und 22 Sekunden benötigt. Brunel liegt in dieser Sonderwertung mit 119 Tagen, 10 Stunden, 31 Minuten und 10 Sekunden auf Platz zwei, Mapfre mit weiteren fast vier Tagen Rückstand dahinter auf Platz drei. Die Rückstände sind auf den anstehenden Kurz-Etappen kaum mehr zu egalisieren.

"Wir müssen sie jetzt auf den verbleibenden Etappen einfach immer schlagen, denn Punktgleichheit wird am Ende nicht reichen", weiß Bouwe Bekking, dessen Team auch in der Wertung der Hafenrennen mit 36 Zählern nur auf Platz drei liegt und an das führende Dongfeng Race Team kaum mehr herankommen kann. Ein aussichtsloses Unterfangen scheint der Kampf um den Gesamtsieg nach den zuletzt errungenen Erfolgen dennoch nicht zu sein: Im Gesamtklassement fehlen den Holländern nur drei Punkte zur Spitze. In Holland fiebern die Fans mit dem erstarkten Team Brunel mit, "jetzt oder nie!", schrieb ein Fan auf Bekkings Facebook-Seite. Die Ehefrau des Niederländers kommentierte den Eintrag heiter: "Genau, Bouwe, jetzt oder nie." Was sie meint: Es könnte der letzte Einsatz des in Dänemark lebenden Volvo-Ocean-Race-Veterans im Rennen seines Lebens sein. Der Mann, der in neun Tagen seinen 55. Geburtstag am Tag des Hafenrennens im kommenden Etappenhafen Göteborg feiern wird, ist überfällig für den Gesamtsieg, den er seit seinem ersten Einsatz auf "Philips Innovator" in den Jahren 1985 und 1986 jagt.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Bekking ist als Mann der Stunde ein gefragter Gesprächspartner

Es habe eine Weile gedauert, "bis wir als spät durchgestartetes Team in Fahrt gekommen sind", sagt der Boss an Bord. "Unsere neuen Leute haben eine Weile gebraucht, sich ins Hochseesegeln einzufinden. Es war mehr Zeit nötig, als ich gedacht habe. Andererseits habe ich inzwischen unfassbar viel von ihnen gelernt. Und die pushen…" Auch der Blick auf Brunels aktuelle Segelgarderobe stimmt Bekking zufrieden: "Wir haben in Newport drei neue Genuas bekommen. Die haben wir nur während des Inshore-Rennens und im Start zur Etappe nach Cardiff benutzt, sie sind also so gut wie neu. Auch unser Großsegel ist in sehr guter Verfassung. Und der neue A3 kommt auch noch. Ich denke, dass wir da besser aufgestellt sind als die anderen. Die meisten haben ihre Segel in Auckland oder Itajaì ausgewechselt."

Volvo Ocean Race 2017/2018

Zwei Generationen, ein Ziel: Peter Burling, Bouwe Bekking und das Team Brunel glauben an ihre Siegchance

Hier können Fans mit den möglichen Punkten für ihre Lieblingsteams schon einmal die finalen zwei Etappen durchkalkulieren. Wer braucht wie viele Punkte und welche Szenarien für den Gesamtsieg? Einfach den Kalkulator befragen. Davor steht das Hafenrennen von Cardiff am Freitag an, bevor es am Sonntag auf den 1300 Seemeilen langen Kurs nach Göteborg geht.

Volvo Ocean Race 2017/2018

Brunels Skipper Bouwe Bekking

Tatjana Pokorny am 08.06.2018

Das könnte Sie auch interessieren


Fotostrecken

Neueste Downloads

Yachttests


Reise-Reportagen


Ausrüstung


Gebrauchtboottests


Neue Videos


Aktuelle Artikel bei YACHT online