Volvo Ocen Race

Abu Dhabi vorn, doch VO70 vor dem Ende

Die letzten Tage haben die sonst so mäßige Abu Dhabi nach vorn gespült. Aber den VO70 droht das Aus, denn ab 2014 soll's One-Designs geben

Dieter Loibner am 29.05.2012
Volvo Ocean Race 2011/12

Auf Abu Dhabi herrscht das seltene Gefühl, auf einer Ozean-Etappe vorn zu sein

Kann es denn Zufall sein, dass ausgerechnet jetzt, wo ruchbar wird, dass die Volvo Open 70 bei der nächsten Ausgabe dieser Regatta wahrscheinlich von einem Farr-One-Design ersetzt werden sollen, endlich mal ein Farr-Boot in Führung liegt?

Letzte Nacht war auf der Transatlantik-Etappe jedenfalls Vollgas Richtung Osten angesagt. Abu Dhabi lag schon 70 Meilen voraus, doch dieser Vorsprung wurde von den Verfolgern, allen voran Puma, sukzessive reduziert. Ungewohnt: Telefonica ganz am Schluss des Feldes mit mehr als 80 Meilen Rückstand, knapp hinter Groupama und den Lebenskünstlern von Sanya, einem Farr-Design der vorletzten Generation, das bisher ja nicht so oft ins Ziel gekommen war. Doch nach Lissabon sind es noch etwa 1300 Meilen, und es steht wieder Leichtwind bevor, der das derzeitige Klassement auf den Kopf stellen könnte.

Volvo Ocean Race 2011/12

In der Rolle des Jägers: Puma auf Platz 2

Unterdessen verhärten sich die Indizien, dass es beim nächsten Volvo Ocean Race, wie von YACHT online bereits angekündigt, zu einem Wechsel auf eine Einheitsklasse kommen wird. Volvo sagte angeblich für 2014 wieder als Hauptsponsor zu, allerdings unter der Bedingung, dass mindestens acht Teams am Start sind und die Kosten drastisch gesenkt werden. Die neue Klasse soll von Farr konzipiert werden, dessen beide Boote Sanya und Abu Dhabi im gegenwärtigen Rennen bisher zumeist hinterhersegelten, wenn sie nicht durch Defekte gezwungen waren, per Frachter zu reisen.

Die Rede ist von kürzeren und schwereren Schiffen (60 bis 65 Fuß) mit kleinerer Crew, aber mehr Durchhaltevermögen. Angepeilt werden angeblich eine Kostenreduktion um 50 Prozent für Konstruktion und Bau der Boote, weniger Etappen und kleinere Crews. Bei kolportierten Preisen von 4 bis 9 Millionen Euro für die gegenwärtigen VO70-Boote könnte dies einiges an Kapital freimachen. Darüber hinaus soll die Anzahl der Segel von bisher 32 auf 22 bis 25 reduziert werden, die dann nur noch von North geliefert werden sollen. Verschiedene Werften wie Multiplast in Frankreich, Green Marine in England und Persico in Italien sollen mit dem Bau verschiedener Komponenten beauftragt werden. Auch Decision in der Schweiz wurde angeblich genannt. Das hieße, Werften in den USA, Neuseeland, Australien oder China kämen nicht zum Zug. 

Volvo Ocean Race 2011/12

Seit 2005 wird auf VO70 gesegelt. Sie sind extrem schnell, extrem nass, aber auch extrem anfällig. Nun soll damit Schluss sein

Juan Kouyoumdjian, der Konstrukteur von drei der vier führenden Boote beim gegenwärtigen VOR, deutete diese Entwicklung der YACHT gegenüber bereits im März in einem vertraulichen Gespräch an, hegt aber keinen Groll. „Wer sich die Gesamtwertung bei den vergangenen Volvo Ocean Races und auch beim laufenden anschaut, wird sich dazu so seine Gedanken machen", meinte Kouyoumdjian. Dass CEO Knut Frostad ihn nicht konsultierte, fand er natürlich seltsam, dabei habe er doch ein Angebot gemacht. „Um den reduzierten Budgets zu begegnen, schlug ich Frostad vor, meine Konstruktionspläne der VO70 anzubieten, womit sich die Kosten auf die Weiterentwicklung  beschränken würden", sagte Kouyoumdjian dazu dem französischen Magazin Voiles et Voilières. „Doch dieses Schreiben liegt wohl noch in seiner Schublade."

Damit scheint das Pendel endgültig Richtung Einheitsklassen auszuschlagen, denn die Orma-60-Multihulls  wurden bereits von der MOD-70-Trimaran-Einheitsklasse abgelöst, und auch die Einrumpfer der Imoca-60-Klasse, die zum Beispiel bei der Vendée Globe zum Einsatz kommen, könnten bald ausgedient haben. Diese Entscheidung soll am 26. Juni fallen.

 

Endlich vorn!

Dieter Loibner am 29.05.2012

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