Vendée Globe 2020
Was Boris Herrmann in den Seesack packt – Teil 2: Gadgets

Exklusiv bei YACHT online: Welche Ausrüstung der deutsche Solo-Skipper auf das Nonstop-Rennen um die Welt mitnimmt

  • Jochen Rieker
 • Publiziert am 06.11.2020
Erleuchtet. Boris Herrmann hat gleich zwei Stirnlampen an Bord, darunter die Raw Pro von Exposure Lights Erleuchtet. Boris Herrmann hat gleich zwei Stirnlampen an Bord, darunter die Raw Pro von Exposure Lights Erleuchtet. Boris Herrmann hat gleich zwei Stirnlampen an Bord, darunter die Raw Pro von Exposure Lights

Seaexplorer/A. Lindlahr Erleuchtet. Boris Herrmann hat gleich zwei Stirnlampen an Bord, darunter die Raw Pro von Exposure Lights

Wer Folge 1 unserer Serie über Boris Herrmanns' Funktionsbekleidung bereits gelesen hat, der weiß: Der 39-Jährige knausert bei seiner persönlichen Ausrüstung nicht. Das zeigt sich auch bei den Tech-Gadgets, die er auf seiner "Seaexplorer" dabei hat. Einiges ist redundant, manches mag verzichtbar erscheinen. Doch für alles, was ihm wichtig ist, gibt es gute Gründe.

Der Soloskipper hat sie uns von seinem Quarantäne-Quartier südostlich des Hafens von Les Sables d'Olonne verraten, wo er seit Freitag streng isoliert vom Rest seines Teams allein lebt und sich auf den Start vorbereitet.

Hier die Liste von Boris' Utensilien zum Einschalten und Abschalten

1) Für die Erleuchtung

Stirnlampe LED-Lenser H15R *

Mit diesem Leuchtmonster kann man ein Loch in die finsterste Nacht brennen. Eigentlich eine ungewöhnliche Wahl für einen Segler, da die Lampe mit ihrem separaten Akku-Pack recht schwer ist (263 Gramm) und wegen ihrer extremen Leuchtkraft (2500 Lumen) auch viel Eigenblendung verursacht. Doch Boris schwört auf sie, "weil es im Manöver gar nicht hell genug sein kann". Schließlich muss er allein riesige Segelflächen, Dutzende von Schoten und Trimmleinen und eine teils komplexe Choreografie beherrschen. Dass er danach lange braucht, um seine Augen wieder an die Dunkelheit zu gewöhnen, nimmt er für die bessere Übersicht in den entscheidenden Momenten in Kauf. Die H15R stammt übrigens aus der Profi-Serie von LED-Lenser und ist ein Auslaufmodell. Wer ein ähnliches, wenngleich nicht ganz so lichtstarkes Modell sucht, fährt auch mit der MH11 gut.

Es ist aber nicht die einzige Stirnlampe des Hamburgers. Zum Lesen, Reparieren oder für eine kurze Veränderung des Trimms im Cockpit hat er noch ein besonders kompaktes Modell dabei:

Exposure Lights Raw Pro *

Die Stirnlampe hat der im letzten Volvo Ocean Race siegreiche Skipper von Team Dongfeng Charles Caudrelier als Nonplusultra gerühmt; er habe jahrelang nach so einer gesucht, sagt er. Bei der Vendée haben sie außer Boris noch Alex Thomson, Jérémie Beyou und Pip Hare an Bord. Ihre Vorteile: geringes Gewicht und eine minimale Spannung des breiten Stirnbands, das kaum zu spüren ist. Allerdings: Ihr zweistufiges LED-Licht reicht nicht sehr weit, zumal bei schwarzen Segeln mit wenig Reflexionswirkung, und der per USB-Kabel aufladbare Akku hält gerade mal 30 Minuten. Gute Alternativen dazu bietet Petzl mit den Modellen e+Lite * und Bindi *.

2) Für alles Mögliche

Apple iPad *

Fast alle Imoca-Skipper haben ein Tablet an Bord. Manche benutzen es als Tochteranzeige für den Bordcomputer mit eigener Stromversorgung im Cockpit, wie etwa Kojiro Shiraishi vom Team DMG Mori Global One, der ein Schwesterschiff von "Charal" segelt.

Auch Boris nutzt sein iPad auf vielfältigste Weise: Er kann die Daten seiner B&G-Instrumente damit spiegeln, das Radarbild oder die Anzeigen des Kollisionserkennungssystems Oscar, das vom Masttopp aus mit einer Video- und zwei Infrarotkameras nach Gegenständen Ausschau hält, die den Kurs der "Seaexplorer" kreuzen könnten.

Daneben hat der Hamburger reichlich Musik, ein paar Filme, etliche Hörbücher und Fotos seiner Lieben darauf gespeichert – "gegen die Einsamkeit und Langeweile", die im Südmeer vermutlich aufkommen, aber auch als Ablenkung, wenn schwieriges Wetter bevorsteht. Seine Teammanagerin Holyl Cova hat auf Spotify eigens eine Playlist für ihn angelegt, in der Freunde für ihn Musik-Empfehlungen hochladen konnten. Ihr Name: "Boris onboard".

3) Gegen den Krach

Ein Imoca 60 auf Foils wird schon bei 15 Knoten Fahrt laut, bei 20 heult er, und darüber kracht, knallt, ächzt und singt er, dass einem angst und bange werden kann. Für einen erfahrenen Skipper ist das nichts Ungewöhnliches, auf Dauer aber zehrt die Geräuschkulisse enorm, den Krach bedeutet Stress für den Organismus. Aus diesem Grund geht nichts mehr ohne Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung – auch weil sonst allenfalls bei Leichtwind an so was wie Musikhören zu denken wäre. Boris hat gleich vier Wege, um sich (ein wenig!) Ruhe zu verschaffen:

Apple AirPods Pro *

Die kleinen weißen In-Ear-Knubbel begleiten den Skipper auf all seinen Dienstreisen – ob auf dem Wasser, in der Luft oder im Team-Bus. Ihr größter Vorteil: Sie sind relativ unempfindlich gegen Feuchtigkeit, und man kann sie mit in die Koje nehmen, weil sie kaum auftragen.

Bang & Olufsen H95

Gleich mehrere Klassen besser und auf Dauer komfortabler zu tragen sind die High-end-Hifi-Kopfhörer von Bang & Olufsen. Sie bieten eine sehr gute Unterdrückung von Umfeldgeräuschen und obendrein feinste Audio-Qualität, dienen also sowohl der Erbauung als auch der Funktionalität. Boris' Lieblings-Modell.

Bose A 20 Aviation Headphones

Für die härtesten Passage hat er aber noch ein Paar für den kommerziellen Einsatz in der Luftfahrt an Bord. Dieses sieht man sonst bei Hubschrauber- oder Linienflug-Piloten. Es kapselt die Ohren schon physikalisch stark ab und kann Krach um bis zu 36 Dezibel mindern. Auch andere Imoca-Skipper setzen darauf.

3M Ohrstöpsel EarSoft FX *

Die Low-Tech-Lösung, die keinen Strom braucht und am komfortabelsten ist, wenn man einfach nur seine Ruhe beim Schlafen haben will. Schaumstoff-Stöpsel von 3M, mit 33 Dezibel Geräuschminderung hocheffektiv, im 200er-Pack für unter 40 Euro zu haben. Empfiehlt sich übrigens auch für alle Langfahrtsegler, die in der Freiwache möglichst ungestört bleiben wollen.

4) Für uns alle

Weil der Hochseesport keine Tribünen hat, wie der ehemalige YACHT-Verleger Konrad-Wilhelm Delius bei der Verleihung des Hanseboot-Preises vor bald 20 Jahren einmal sehr zutreffend sagte, ist es an Boris, uns auf seine Vendée mitzunehmen. Dafür hat er sich ein kleines, feines Arsenal von modernstem Kamera-Equipment angelegt.

Vollformat-Systemkamera Canon EOS R * mit EOS-Wechselobjektiven *

Der Skipper hat sich vorgenommen, bei seiner Premiere nicht nur gut zu segeln, sondern auch so viel wie möglich zu dokumentieren. Daher die professionelle Ausrüstung, die auch bei Dämmerung noch rauschfreie, hoch aufgelöste Bilder ermöglicht. Für Video-Aufnahmen ist auch ein hochwertiges Mikrofon an Bord, das einen realistischen Eindruck der Bedingungen unter und an Deck vermitteln soll.

2 GoPro Max *

Für alle Situationen, bei denen die Canon zu exponiert wäre, und als Ergänzung dient die kompakte 360-Grad-Action-Cam mit elektronischer Bildstabilisierung. Zusätzlich hängt noch eine weitere GoPro permanent am Heck von "Seaexplorer" und zeichnet laufend auf. Über sie streamt das Team Malizia am Sonntag, den 8. November auch die gesamte Startsequenz live, zu finden auf Boris' Homepage .

2 DJI-Drohnen Mavic Air 2 Pro *

Wie sehr Boris seine Fans am Rennen teilhaben lassen will, zeigt dieser Posten, auch er doppelt vorhanden, denn beim Landemanöver einhand kann schließlich mal was daneben gehen... Während die Top-Favoriten weder die Zeit fürs Filmen investieren noch das Gewicht zweier Drohnen akzeptieren würden, will der Deutsche seine erste Vendée-Globe-Teilnahme unbedingt auch aus der Luft dokumentieren. Übung damit hat er. Schon seit gut zwei Jahren fliegt er seine Mavic Air vom Achterdeck aus, und das nicht nur bei Ententeich-Bedingungen. Wir dürfen also gespannt sein!

5) Zum Nachdenken und Wegbeamen

Bei so viel Technik mag es verwundern, dass Boris auch auf analoge Unterhaltung setzt. Aber ohne eine Handvoll Gedrucktes würde er nicht ablegen, niemals. So hat er denn unter anderem "Eine kurze Geschichte der Menschheit" eingepackt, den Sachbuch-Bestseller von Yuval Noah Harari. Und natürlich die aktuelle YACHT, Ausgabe 23/2020 , deren Titel ein Porträt von ihm schmückt. Die wird er beide schon durchgelesen kriegen, bis er wieder zurück ist. Bei seinem ersten Hochseerennen übrigens, dem Mini-Transat vor 20 Jahren, hatte er als Lektüre nur eine Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung dabei.

In Folge 3, ab Sonntagfrüh hier auf YACHT online: Was Boris Herrmann sonst noch so zum Zeitvertreib, gegen Einsamkeit und Trübnis eingepackt hat  – und wozu ihm ein aufblasbarer Globus dient*!

*) Spoiler-Alarm: nicht zur Navigation...


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