Vendée Arctique: Kurs verkürzt, Fortsetzung offen
"Apivia" und "Charal" im vorläufigen Ziel vor Island

Das Szenario erinnert an Etappe eins im Mini-Transat 2021: Die Segler sollen sich vor einem Sturmtief schützen. Hier aber ist der vorläufige Abbruch offiziell

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 17.06.2022
Louis Ducs graue Perspektive von Bord der "Fives – Lantana Environnement" auf der Nordatlantik-Autobahn Louis Ducs graue Perspektive von Bord der "Fives – Lantana Environnement" auf der Nordatlantik-Autobahn Louis Ducs graue Perspektive von Bord der "Fives – Lantana Environnement" auf der Nordatlantik-Autobahn

Louis Duc/"Fives – Lantana Environment"/#VA2022 Louis Ducs graue Perspektive von Bord der "Fives – Lantana Environnement" auf der Nordatlantik-Autobahn

Ein von Nord nach Süd ausgedehntes Tiefdruckgebiet rauscht im Atlantik ins Regattafeld der Vendée Arctique. Inzwischen gefährdet es die Sicherheit der Teilnehmer so sehr, dass sich die Wettfahrtleitung des Rennens von Les Sables-d'Olonne nach Island und zurück "schweren Herzens" zu gleich mehreren drastischen Maßnahmen genötigt sah: Bereits am Vortag wurde die Bahn vorerst verkürzt und eine virtuelle Ziellinie nordöstlich Islands eingerichtet. Heute hat die Renndirektion die Flotte nun ganz offiziell aufgefordert, nach Passieren der Linie bestmöglichen Schutz zu suchen. Die Fortsetzung des Rennens ist noch offen, soll aber "zeitnah" entschieden werden. Mit Charlie Dalins dominanter "Apivia" und Jérémie Beyous hartnäckig folgender "Charal" haben die ersten beiden Boote das Zwischenziel bereits erreicht. Alle anderen streben dem virtuellen Tor schnellstmöglich entgegen, um danach einen möglichst sicheren Kurs segeln zu können. In der Region werden Winde jenseits der 40 Knoten mit Böen um 50 Knoten erwartet.

Screenshot/Vendée Arctique Die schnellsten Boote "Apivia" und "Charal" haben das Interims-Ziel bereits erreicht. Thomas Ruyant auf "LinkedOut" naht als Dritter. Wie es nach dem Tordurchgang und dem vorläufigen Rennabbruch weitergeht, will die Rennleitung "schnellstmöglich" bekannt geben

Alain Leboeuf, Präsident der SAEM Vendée und des Départements Vendée, erklärte: "Wie wir schon immer angedeutet haben und nun wiederholen, war es immer unsere Pflicht, die Sicherheit der Segler zu gewährleisten und alle überschaubaren Risiken zu vermeiden. Die Entwicklung der Wettersituation, mit der die Flotte konfrontiert ist, zwingt uns, gemeinsam mit der Wettfahrtleitung und unserem erfahrenen Meteorologen harte Entscheidungen zu treffen. Als Organisatoren erscheint es uns unerlässlich, dass die Segler Schutz suchen und die Regatta vorübergehend unterbrechen können, um sich vor diesem Tiefdruckgebiet zu schützen. Sie werden bald wieder auf die Regattastrecke zurückkehren, und wir werden dann alle ihre Abenteuer mit Begeisterung weiter verfolgen."

Thomas Ruyant/LinkedOut/#VA2022 Thomas Ruyant grüßt von Bord seiner "LinkedOut"

Thomas Ruyant/"LinkedOut" Thomas Ruyants "LinkedOut" wird das Zwischenziel in den kommenden Stunden voraussichtlich als Dritter erreichen

Auch der Renndirektor Francis Le Goff äußerte sich am frühen Freitagmorgen zur ungewöhnlichen Maßnahme bei diesem Solo-Rennen im Nordatlantik: "Für die führenden Skipper werden die Bedingungen morgen Nachmittag wegen dieses Tiefs, das sich allmählich in Richtung Nordosten von Island verfestigt, besonders schlecht sein. Wir erwarten starke Winde von 35 bis 40 Knoten, das bedeutet Böen von über 50 Knoten. Im Interesse der Gerechtigkeit und des Fair Play haben wir daher beschlossen, dass die Skipper Schutz suchen können, sobald sie das Tor im Südosten Islands passiert haben. Wir werden die Zeiten beim Gate protokollieren, bevor sich die Skipper in Sicherheit bringen können. Wir haben Gespräche mit Häfen aufgenommen, die sie möglicherweise aufnehmen können. Das Rennen wird dann gemäß den Bedingungen, die wir gerade festlegen, fortgesetzt." Das Szenario erinnert an die erste Etappe im vergangenen Mini-Transat, als die Flotte vor einem herannahenden Sturm gewarnt und aufgefordert wurde, Schutz zu suchen. Diese Aufrufe allerdings waren weder mit einem Interimsziel verbunden worden noch als verbindlich erkenntlich geworden. Melwin Fink hatte damals entschieden, das Rennen mit seinem Mini "Signforcom" fortzusetzen, und die Sturmetappe gewonnen.

Kojiro Shiraishi/DMG Mori Global One/#VA2022 "DMG Mori Global One"-Skipper Kojiro Shiraishi bei einer ungewöhnlichen Begegnung an Bord während des Vendée Arctique

Benjamin Ferré/Monnoyeur – Duo for a Job Benjamin Ferrés Finger zeigt am Horizont Thomas Ruyants "LinkedOut". Trotz Verletzung zeigt sich der viertplatzierte Skipper der "Monnoyeur – Duo for a Job" gut gelaunt


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Themen: Vendée Arctique

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