Regatta

Vendée Globe: Zwei wagen den Split vom Feld

Sam Davies und Louis Burton sind die Ersten, die die riskante Route weiter südlich, weg vom direkten Weg, nehmen. Sie pokern hoch. Kielprobleme auf "Merci"

Andreas Fritsch am 24.11.2020
Initiatives Coeer
Yann Zeda/Alea

Initatives-Cœur

In einem Feld von 33 Startern, das sich schon knapp zwei Wochen nach dem Start über rund 3000 Meilen Entfernung auffächert, ist es gar nicht so leicht, auch den Teilnehmern abseits der Spitze und der Reparaturen und Brüche gerecht zu werden. Umso erfreulicher, dass heute zwei davon mit Taten einmal die Aufmerksamkeit auf sich ziehen und diese auch wirklich verdient haben: Sam Davies mit ihrer "Initiatives-Cœur" und Louis Burton mit "Bureau Vallée 2".

Stand des Rennens

Stand des Rennens heute um 9 Uhr

Beide haben sich im Laufe der Nacht entschieden, von der großen fünfköpfigen Verfolgergruppe ("Seaexplorer", "Arkéa Paprec", "Maître Coq IV") wegzuhalsen und die komplizierte Wettersituation vor ihnen, die am Rande des St.-Helena-Hochs und zwei kleinen Tiefs links davon liegt, südwestlich zu umfahren. Seit Tagen schon zeichnete sich ab, dass die Routing-Modelle auch eine solche Variante andeuteten, aber die meisten Planungen gingen über den direkten Weg südöstlich, direkt aufs Kap der Guten Hoffnung zu. Es gehört viel Mut dazu, vom Feld so weit weg zu segeln, zumal wenn man gut im Rennen liegt, Burton auf Platz sechs, Davies auf neun bis zehn, je nachdem, ob man die treibende  "Hugo Boss" einrechnet oder nicht.

Routing

Die zwei unterschiedlichen Routen im Vergleich

Sam Davies

Sam Davies

Die 46-jährige Britin ist derzeit die am besten platzierte Frau im Feld. Sie segelt bislang ein kluges Rennen, lag lange Zeit etwa gleichauf mit Boris Herrmann. Genau wie er, schonte sie ihre "Initatives-Cœur", als es in den beiden Stürmen zum Beginn darauf ankam, und liegt nun aber noch so gut im Rennen, dass ihr großes Ziel – nach einem vierten Platz 2012 – aufs Podium zu segeln durchaus machbar scheint. Ohnehin nimmt die Britin eine wohl historisch einmalige Position im Feld ein: Erstmals seit dem Bestehen der Vendée Globe bestreitet ein Ehepaar zugleich das Rennen. Ihr Mann, Romain Attanasio, segelt auf seiner "Pure Best Western" ebenfalls mit, liegt derzeit mit dem Nicht-Foiler auf Platz 17. Bei der letzten Auflage des Rennens war Davies zu Hause bei ihrem gemeinsamen Sohn geblieben, diesmal sind beide Elternteile unterwegs, und der Junior dürfte es schwer haben, wem er mehr die Daumen drückt. 

Nun riskiert Sam Davies viel und entscheidet sich für den Kurs nach Süden, der viel mehr Seemeilen mit sich bringt, aber dafür zum Ende schnelleres Segeln, deutlich weiter im Süden, vielleicht sogar bis dicht ans Eis-Limit heran, das die Rennleitung bereits definiert hat. In den Wetter-Modellen war der Kurs nicht deutlich bevorteilt, "Malizia"-Mitglied Will Harris sagte am Freitag, beide Kurse führen in einem Zeitfenster von etwa sechs Stunden an den gleichen Punkt südlich des Kaps der Guten Hoffnung. Das kann sich natürlich mittlerweile geändert haben. 

Burton

Louis Burton

16 Seemeilen vor ihr segelt Louis Burton mit seiner "Bureau Vallée 2", ein 35-jähriger Bretone aus Saint-Malo, der schon bei seiner ersten Vendée 2016/17 mit einem alten Boot ohne Foils auf den siebten Platz kam. Schon damals sorgte das für viel Aufsehen – für einen Rookie mit einem alten Boot eine starke Leistung. Burton hatte sich schon damals den Ruf erarbeitet, taktisch clever zu segeln, das Boot technisch gut zusammenzuhalten und nicht zu überfordern. Er segelt die alte "Banque Populaire", mit der Armel Le Cléac'h die letzte Auflage gewann. Zwar fehlte ihm das Budget, das Boot mit neuen Foils auszurüsten, doch durch kleinere Umbauten – das Boot kann jetzt die Foils um fünf Grad anwinkeln wie die neueren Designs – hat er mehr Speed herausgekitzelt; er hält durchaus mit nachgerüsteten Booten wie Boris Herrmanns "Seaexplorer" mit. Ganz sicher ist sein Ziel im Rennen ähnlich wie bei Davies: ein Podiumsplatz. Man darf also sehr gespannt sein, was der Ausreißversuch den beiden bringen wird. 

Eine schlechte Nachricht gibt es auch: Der Franzose Sébastien Destremau, der mit seiner alten "Merci" auf Platz 30 segelt, meldete einen Kielschaden und treibt derzeit südlich der Kapverden in den Doldrums. Schiff und Skipper seien nicht in unmittelbarer Gefahr. Was genau das Problem ist, wurde noch nicht bekanntgegeben. 

Alex Thomson meldet den Baufortschritt von Bord

Von Bord der "Hugo Boss" gibt es derweil dagegen erste gute Nachrichten. Alex Thomson hat die Reparaturen so weit voran gebracht, dass er wieder den Kurs in Richtung Ziel gesetzt hat und mit defensiver besegelung Fahrt macht. "Die Reparaturen sind aber noch nicht abgeschlossen, ich denke es sind noch einmal fünf bis acht Stunden harte Arbeit, dann hoffe ich fertig zu sein", meldete er in seinem letzten Video von Bord.

Andreas Fritsch am 24.11.2020

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