Regatta
Vendée Globe: Tripon im Glück, die erste Skipperin in Sicht

Bei der Vendée Globe stehen nicht nur Sieger im Rampenlicht. Jeder, der diese Härteprüfung besteht, ist für die Fans ein Held und wird leidenschaftlich gefeiert

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 3 Monaten
"L'Occitane en Provence"-Skipper Armel Tripon feiert seine Vendée-Globe-Premiere "L'Occitane en Provence"-Skipper Armel Tripon feiert seine Vendée-Globe-Premiere "L'Occitane en Provence"-Skipper Armel Tripon feiert seine Vendée-Globe-Premiere

Bernard Le Bars / Alea / #VG2020 "L'Occitane en Provence"-Skipper Armel Tripon feiert seine Vendée-Globe-Premiere

Armel Tripon hat die Vendée Globe als Elfter beendet und wurde im Ziel stürmisch wie ein Sieger gefeiert. Der 45-jährige Skipper aus Nantes hat sich mit dem vollendeten Kurs um die Welt trotz technischer Rückschläge einen Jugendtraum erfüllt. Ein Vierteljahrhundert hat es gedauert, bis der "L'Occitane en Provence"-Skipper sein Vorhaben gemeinsam mit Sam Manuard, dem besten Freund aus Mini-Zeiten, in die Tat umsetzen konnte. Jetzt ist er angekommen und kann sein Glück kaum fassen. Dabei trug der so überaus sympathische Skipper schon während des Rennens den Spitznnamen "Der Glückliche". Kaum einer verstand es wie er, jedem Tag auf See etwas Positives abzugewinnen, den Moment zu genießen und auch den dunkelsten Stunden noch mit einem Lächeln zu begegnen. Seine famose Aufholjagd nach frühen technischen Probleme gleich nach dem Start und ein meisterliches Comeback (von Platz 32) führten Tripon noch bis auf Platz elf – eine herausragende seemännische Leistung.

Armel Tripon / L'Occitane en Provence / #VG2020 Starker Skipper, meisterlicher Erzähler: Armel Tripon bei seiner Ankunft in Les Sables-d'Olonne

Bernard Le Bars / Alea / #VG2020 Nicht ohne meine Familie: Armel Tripons Söhne feiern mit ihrem Vater die Ankunft

Olivier Blanchet / Alea / #VG2020 "L'Occitane en Provence"-Skipper Armel Tripon läuft nach absolvierter Solo-Weltumsegelung in Les Sables-d'Olonne ein

Tripons erst vor einem Jahr getauftes Manuard-Design hat sich zwar ohne Teilnahme an intensiven Testregatten und mit nur 7000 absolvierten Seemeilen bis zum Start von Tripons Vendée-Globe-Premiere als technisch anfällig, aber auch als sehr schnell und am Ende zuverlässig bis ins Ziel erwiesen. Sein Skipper bleibt aufgrund der Leistungen, aber auch als meisterlicher Erzäher in bester Erinnerung, ebenso das ihm eigene verschmitzte Lächeln. Das Rennen endete für Tripon am 2. Februar mit einem letzten Sturm, "den härtesten 48 Stunden des gesamten Rennens", wie Tripon diese Erfahrung selbst beschrieb. Die Biskaya hat dem Vater von drei sehnsüchtig an Land wartenden Söhnen die Zähne gezeigt und der Imoca-Yacht "L'Occitane en Provence" auf der Zielgeraden noch einmal alles abverlangt. Die Linie erreichte Tripon schließlich nach 84 Tagen, 17 Stunden, 7 Minuten und 50 Sekunden Renndauer.

Bernard Le Bars / Alea / #VG2020 So sah das Glück im Team von Armel Tripon bei seiner Ankunft aus

Olivier Blanchet / Alea / #VG2020 "L'Occitane en Provence"-Skipper Armel Tripon: auch am Mikrofon ein guter Botschafter für die Vendée Globe

So wurde "L'Occitane en Provence"-Skipper Armel Tripon in Les Sables-d'Olonne begrüßt

Armel Tripon: "Die See war weiß!"

Clarisse Crémer / Banque Populaire X / #VG2020 Wie eine frische Meeresbrise: Clarisse Crémer wird das Ziel voraussichtlich heute als erste Skipperin erreichen

Bei der Willkommensfeier am Dock berichtete Tripon – natürlich lächelnd –, wie hart diese letzte Prüfung gewesen ist: "Als ich in die Biskaya zurückkam, bekam ich es mit Böen mit über 50 Knoten zu tun. Die See war weiß. Es war sehr brutal. Das sage ich aber auch, weil es ein Geschenk ist, das erleben und sehen zu dürfen. Es herrschte irres Licht. Und sobald ich ein kleines Mauseloch mit etwas weniger Wind und Wellen finden konnte, habe ich es angesteuert. Es waren die stärksten Winde, die ich während des gesamten Rennens erlebt habe. Da musst du den ganzen Weg um die Welt reisen, um herauszufinden, dass es da ein paar wirklich schlimme Abschnitte direkt vor der eigenen Haustür gibt." Wie er die Rückschläge zum Auftakt überwinden konnte, berichtete Tripon auch: "Ich habe zwei Jahre mit einem Mentalcoach gearbeitet. Im Zentrum stand die Vorstellung, dass dieses Rennen um die Welt am Ende voller unerwarteter Ereignisse stecken würde, mit denen wir uns würden auseinandersetzen müssen. Glücklicherweise habe ich mich mit diesem Aspekt eingehend beschäftigt, denn ich hatte am zweiten Tag des Rennens ein Problem. Aber es hat insgesamt viel Spaß gemacht, war sehr intensiv." Könnte man positive Energie in Flaschen abfüllen, dann würde man mit der von Armel Tripon vermutlich reich werden. Er wirkte bei diesem Rennen meist selbst wie die Sonne, die ihm sein Sponsor aufs Boot gemalt hatte und denkt nun über ein Comeback nach.

Clarisse Crémer: "Boris' Geschichte hat mir einen Schock versetzt"

Clarisse Crémer / Banque Populaire X / #VG2020 Ihr Glück über diese frische Pampelmuse, die sie noch am 15. Januar im Proviant hatte, teilte Clarisse Crémer ebenso mit ihren Fans wie ihre eindringlichen Erzählungen in guten und schlechten Zeiten…

Nach Tripon, der am Dienstag ins Ziel gekommen war, wird mit "Banque Populaire X"-Skipperin Clarisse Crémer noch heute die erste Skipperin im Ziel erwartet. Infolge der Ausfälle von Sam Davies (nach einer Ufo-Kollision)  und Isabelle Joschke (mit kaputter Kielaufhängung) hatte die junge 31-jährige Wirtschaftswissenschaftlerin bei ihrer Premiere das Staffelholz als beste Frau im Rennen übernommen. Die erfrischende wie kluge ehemalige Zweite des Mini-Transat wird das Ziel voraussichtlich als Zwölfte erreichen. Kommt sie heil an, wird Crémer den 20 Jahre alten Rekord von Ellen MacArthur brechen, die das Rennen 2000/2001 nach 94 Tagen und 4 Stunden als Zweite und bis heute beste Skipperin beenden konnte. Allerdings muss auch Clarisse Crémer zunächst den stürmischen Biskaya-Bedingungen standhalten, die zuvor schon Armel Tripon die Zielgerade zur Buckelpiste gemacht hatten. Crémer sagte: "Boris' Geschichte hat mir einen Schock versetzt. Ich werde bis zum Ziel Ausschau halten müssen. Ich habe Schiffahrtswege gekreuzt, und da war viel los. Ich musste an einem Punkt auch die Geschwindigkeit drosseln, um ein Containerschiff passieren zu lassen. Ich sehe sie auf dem AIS, also ist momentan alles okay." Weiter sagte Clarisse Crémer: "Es wird nicht einfach sein, das Tempo in 30 Knoten Wind zu drosseln. Ich denke also, dass ich mit drei Reffs segeln werde."

Boris Herrmann Racing Wieder zu Hause und weiter stark gefordert: Boris Herrmann wird am kommenden Wochenende mehrfach Gast bei bekannten Fernsehsendungen sein

Boris Herrmann im Aktuellen Sportstudio

Der Vendée-Globe-Fünfte Boris Herrmann, der in der Nacht von Sonntag auf Montag mit seiner Familie wieder im Hamburger Heimathafen festgemcht hat, befindet sich aktuell in Quarantäne und erfüllt die vorgesehenen Auflagen, die zunächst schwer zu ermitteln waren. Inzwischen ist klar: Kann Herrmann am 5. Februar ein weiteres negatives Testergebnis vorlegen, wird er am Abend des 6. Februar zu Gast beim ZDF im Aktuellen Sportstudio sein und am Tag darauf in der ARD-Sportschau die DFB-Pokalviertelfinal-Begegnungen auslosen. Weitere Talkshow-Besuche sind für die Woche darauf geplant.

Themen: Armel TriponBoris HerrmannClarisse CrémerVendée Globe


Lesen Sie die YACHT. Einfach digital in der YACHT-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige