Regatta
Vendée Globe: sympathischer Sieger mit Kämpferqualitäten

Yannick Bestaven hatte vor Beginn der neunten Vendée Globe nicht zu den Top-Favoriten gezählt. Warum er trotzdem gewann und was Boris Herrmann über ihn sagt

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 3 Monaten
Der Gewinner der 9. Vendée Globe: Yannick Bestaven Der Gewinner der 9. Vendée Globe: Yannick Bestaven Der Gewinner der 9. Vendée Globe: Yannick Bestaven

Yannick Bestaven / Maître Coq IV / #VG2020 Der Gewinner der 9. Vendée Globe: Yannick Bestaven

Der französische "Maître Coq IV”-Skipper Yannick Bestaven hat die neunte Auflage der Vendée Globe gewonnen. Obwohl er die Ziellinie am frühen Donnerstagmorgen um 3.19 Uhr erst als Dritter erreicht hatte, siegte der 48-Jährige mit 2 Stunden, 31 Minuten und 1 Sekunde vor Charlie Dalin ("Apivia") und 6 Stunden, 40 Minuten und 26 Sekunden vor "Bureau Vallée 2"-Skipper Louis Burton. Weil Bestaven wie Boris Herrmann ("Seaexplorer – Yacht Club de Monaco") und Jean Le Cam ("Yes We Cam") an der Rettungsmission von Kevin Escoffier beteiligt war, hatte die Wettfahrtleitung den drei Skippern in Abhängigkeit vom Umfang ihres Einsatzes jeweils eine Zeitgutschrift gewährt. Yannick Bestaven hatte eine Wiedergutmachung von 10 Stunden und 15 Minuten erhalten und zog damit im Endergebnis an den beiden vor ihm im Ziel gewesenen Charlie Dalin und Louis Burton vorbei.

Yannick Bestaven / Maître Coq IV / #VG2020 Triumph für einen, der seinen ersten Vendée-Globe-Gipfelsturm bei der siebten Edition schon in der Biskaya hatte aufgeben müssen, aber beharrlich blieb und nebenher ein eigenes Unternehmen aufbaute: Sieger Yannick Bestaven

In englischer Übersetzung: die Worte von Vendée-Globe-Gewinner Yannick Bestaven

In der Wiederholung: Charlie Dalin kreuzte die Ziellinie mit "Apivia" als Erster, wurde aber nicht Sieger. Dazu ein Rückblick auf Boris Herrmanns Unglück am vorletzten Tag, das ihn verdienten Podiumsplatz kostete

Der "Maître Coq IV"-Mann war einer von zwei Skippern, die diese Vendée Globe am häufigsten angeführt hatten: An 26 Tagen (32 Prozent) war es der sympathische, in Arcachon aufgewachsene Solosegler, der vorn lag. Yannick Bestavens Mentor ist Yves Parlier. Seine größte Stärke hält er gleichzeitig für seine größte Schwäche: "Meine Sturheit. Außerdem bin ich ziemlich widerstandsfähig." Obwohl Yannick Bestaven vor dem Start nicht zu den offensichtlichen Favoriten zählte, hatte er sich insbesondere in den Südmeeren als starker Kämpfer erwiesen. Insbesondere galt das im Indischen Ozean: Nachdem er das australische Kap Leeuwin als Dritter passiert hatte, erreichte er Kap Hoorn als Erster mit einer 15-stündigen Führung.

Yannick Bestaven / Maître Coq IV / #VG2020 Bestaven im Glück: Der "Maître Coq IV"-Skipper ließ sich auch bei schlechtem Wetter im Ziel feiern und bedankte sich anrührend bei der Veranstaltern für den Empfang in schwierigen Corona-Zeiten

Bestaven war der Comeback-Mann

Yannick Bestaven / Maître Coq IV / #VG2020 Bestaven und sein Team genießen den süßen Triumph

Boris Herrmann Racing / #VG2020 Er ist wieder da: Boris Herrmann genoss den Empfang von Familie, Freunden und Fans

Boris Herrmann hatte Yannick Bestaven, Mini-Transat-Gewinner von 2001 und seit 20 Jahren als Offshore-Segler sehr aktiv, immer als einen Kandidaten für einen gelungenen Coup auf der Rechnung und schon vor einer Woche gesagt: "Als zuletzt Sechster hat Yannick immer das Messer zwischen den Zähnen. Er hat im Verlauf des Rennens immer wieder gut Wege gefunden, sich nach vorne zu schieben. Schauen wir, ob und welche Überraschungen er uns jetzt noch bescheren kann." Zu was der Mann, der seinen ersten Vendée-Globe-Einsatz 2008 schon wenige Stunden nach dem Start mit Mastbruch in der Biskaya hatte aufgeben müssen und mit Watt & Sea sein eigenes Unternehmen führt, das Hydrogeneratoren entwickelt, die sich auch auf vielen Imocas finden, imstande ist, hat er jetzt gezeigt.

Yvan Zedda/Alea Boris Herrmann feiert den am Ende sehr hart erfochtenen Zieldurchgang vor Les Sables-d'Olonne

Ähnlich gute Platzierungschancen hatte sich auch Boris Herrmann mit herausragenden Leistungen bei seiner Vendée-Globe-Premiere erarbeitet. Doch dann brachte ihn weniger als 100 Seemeilen vor der Ziellinie nach 80 Tagen auf See die Kollision mit einem Fischtrawler vom Erfolgskurs ab und schockte nicht nur ihn selbst, sondern Millionen Fans in der Heimat. Doch Herrmann steckte den Rückschlag auf der Zielgeraden bei Schäden wie einem gebrochenen Foil und einem abgerissenen Bugspriet souverän weg, reparierte, was zu reparieren war, biss sich durch und katapultierte sich noch auf Platz vier. Die offizielle Bestätigung für das Ergebnis stand am Donnerstagnachmittag noch aus, denn der auf Platz acht segelnde fünfmalige Rekordteilnehmer Jean Le Cam (61, "Yes We Cam!") strebte dem Ziel mit einer Zeitgutschrift von 16 Stunden und 15 Minuten entgegen und hat noch Chancen, den 39-jährigen Hamburger von seinem glorreichen vierten Platz zu verdrängen.

Schon kurz vor dem Zieldurchgang hatte sich Herrmann mit WhatsApp-Nachrichten vor seinen Fans verneigt: "Liebe Freunde! Ich danke euch so sehr für eure Unterstützung – in guten wie in schlechten Zeiten. Wir sind durchgekommen. Wir sind fast da." Wenig später konnte der Skipper seine Frau Birte Lorenzen-Herrmann, Tochter Marie-Louise und Familienhund Lilli in die Arme schließen und die erste erfolgreich abgeschlossene Vendée-Globe-Weltumsegelung eines deutschen Starters im Start- und Zielhafen Les Sables-d’Olonne feiern.

Die Ausfallquote ist mit bislang 24,2 Prozent im Vergleich zu vorherigen Auflagen niedrig

Die neunte Auflage der Vendée Globe hatte eine Rekordteilnehmerzahl von 33 Booten mit 27 Männern und sechs Frauen an den Start gelockt. Acht waren bis zum Zieldurchgang von Boris Herrmann ausgeschieden. Komplizierte Wind- und Wetterbedingungen hatten für insgesamt langsamere Atlantik-Abschnitte gesorgt als bei vorherigen Rennen. Im südlichen Pazifik hatte eine flaue Phase ebenso für ein Zusammenrücken der vorderen Boote gesorgt wie später noch einmal vor Rio de Janeiro. Die schwierige, kurze und kreuzende See im Indischen Ozean hatte darüber hinaus bewirkt, dass die kraftvollen Foiler der jüngsten Generation nicht ihr volles Potenzial abrufen konnten. Darüber hinaus erlitten mit Thomas Ruyants "LinkedOut" und Charlie Dalins "Apivia" gleich zwei Top-Boote Foil-Schäden.

Die dramatischsten Momente erlebte die Regatta um die Welt am 22. Tag nach dem Start vom 30. November auf den 1. Dezember, als Kevin Escoffiers Imoca-Yacht "PRB" plötzlich entzweibrach und sank. Escoffier konnte in letzter Sekunde in seine Rettungsinsel umsteigen. Auch Boris Herrmann zählte in dieser Nacht zu den Skippern, die von der Wettfahrtleitung zur Unglücksstelle dirigiert wurden, ebenso Sieger Yannick Bestaven und Rekordteilnehmer Jean Le Cam, der Escoffier schließlich nach elfeinhalb Stunden in der Dunkelheit fand und rettete. Für die bei der Aktion mit Happy End investierte Zeit hatten die Beteiligten entsprechende Wiedergutmachung erhalten. Bei der Entscheidung hatte sich allerdings niemand vorstellen können, wie ausschlaggebend diese Gutschriften einmal sein würden.

Hier geht es zum Tracker, den Ergebnissen und den Zwischenständen (bitte anklicken!).

Themen: Boris HerrmannCharlie DalinJean Le CamLouis BurtonVendée GlobeYanick Bestaven

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