Regatta
Vendée Globe: Point Nemo naht, eine Woche bis Kap Hoorn

In ihrer "grauen Welt" kämpfen sich die Skipper am Tag nach Weihnachten gen Osten. Boris Herrmanns Duell mit Jean Le Cam hält an – ein zähes Vergnügen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert am 27.12.2020
"Time for Oceans"-Skipper Stephane Le Diraison schickte diese Impression von See "Time for Oceans"-Skipper Stephane Le Diraison schickte diese Impression von See "Time for Oceans"-Skipper Stephane Le Diraison schickte diese Impression von See

Stéphane Le Diraison / Time for Oceans / #VG2020 "Time for Oceans"-Skipper Stephane Le Diraison schickte diese Impression von See

Thomas Ruyant / LinkedOut / #VG2020 Leidgeprüft: die linke Hand von Thomas Ruyant

Am Tag nach Weihnachten strebt die Spitzengruppe der Vendée Globe gut 2000 Seemeilen südlich von Tahiti auf ihrem östlichen Kurs dem Längengrad von Point Nemo entegegen. Der führende Yannick Bestaven hat sich am Morgen des 27. Dezember einen Vorsprung von rund 70 Seemeilen auf Verfolger Charlie Dalin ("Apivia") erarbeitett. Comeback-König des Tages ist Thomas Ruyant ("LinkedOut"), der endlich von seinem Abstecher nach Norden profitiert und sich nach zwischenzeitlichem Absturz auf Platz zehn seinen dritten Platz zurückerobert hat. Boris Herrmann ringt weiter im Matchrace-Fernduell mit "König Jean" Le Cam um jede Meile. Am frühen Sonntagmorgen trennten den viertplatzierten 61-jährigen Franzosen auf "Yes We Cam" und den 39-jährigen deutschen "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco" keine zwei Seemeilen. Dahinter hat sich Damien Seguin ("Groupe Apicil") wieder herangepirscht und seinen Rückstand auf Herrmann auf unter fünf Seemeilen reduziert.

Boris Herrmann Racing / #VG2020 Spannende Duell-Aussichten hat Boris Herrmann von der "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco": "König Jean" Le Cam und er bewegen sich weiter fast Bug an Bug durch die fordernden Bedingungen im Südpazifik

Damien Seguin / Groupe Apicil / #VG2020 Damien Seguin mit seinen kuscheligen Bordbegleitern

Screenshot / #VG2020 Die Positionen am 49. Tag auf See

Der führende Yannick Bestaven zeigt sich am Tag nach Weihnachten bester Dinge

Die Bedingungen im von Boris Herrmann als "graue Welt" beschriebenen Südpazifik sind auf ihre Weise fordernd. Die wabernde Hochdruck-"Wand" mit Nord-Südausrichtung lag gegen Ende des 49. Tages auf See bei Point Nemo und dürfte sich in ihrer Dominanz bald auflösen. Stattdessen scheint sich ein kleines Tief rund um Point Nemo zu entwickeln, von dem die Skipper bei guter Positionierung profitieren könnten.

Point Nemo selbst wird die Flotte nicht ganz erreichen, sondern seinen Längengrad südlich kreuzen. Der faszinierende Punkt liegt bei 45°52,6 S, 123°23,6 W im Süden des Stillen Ozeans. Weiter entfernt von Land kann man auf der Erde nicht sein! Es war der Vermessungstechniker Hrvoje Lukatela, der den Punkt 1992 als Erster berechnete. Er liegt genau 2688 Kilometer entfernt von der Ducie-Inselgruppe, von Motu Nui (Nachbarinsel der Osterinsel) und der Insel Maher in der Antarktis entfernt. Wenn irgendwo auf der Welt Anlass für das Gefühl der Einsamkeit besteht, dann ist Point Nemo der Ort dafür.

Bis Kap Hoorn hat die Flotte noch eine gute Woche zu segeln. "Es zu erreichen, das wird mein größtes Fest", frohlockt Boris Herrmann. Im zähen Ringen um schnellstmögliches Fortkommen ist die legendäre Landmarke auf der chilenischen Felseninsel Isla Hornos der große Motivator aller Weltumsegler. Ist es erreicht, können sie links abbiegen und links abbiegen auf die atlantische Zielgerade in den Start- und Zielhafen Les Sables-d'Olonne. "Ist Kap Hoorn passiert, haben wir etwa 70 Prozent des Rennens geschafft", erklärt Boris Herrmann, "dann liegt der Southern Ocean hinter uns, und wir befinden uns wieder in sehr viel sichereren Gewässern, und es wird bald warm. Also lasst uns diese kommenden sieben Tage bestehen."

So entzückend beschrieb Boris Herrmann seine Reise am zweiten Weihnachtstag für seine jüngeren Fans. Dabei half Bord-Kuscheltier Alphonso…

In der Zwischenzeit hat der Schweizer Alan Roura die Kielprobleme seiner "La Fabrique" gelöst und als 15. die Verfolgung von Romain Attanasio auf "Pure - Best Western Hotels and Resorts" wieder mit ganzer Kraft aufgenommen. Hinter ihm sind allerdings Arnaud Boissières ("La Mie Câline - Artisans Artîpole") und "Medallia"-Skipperin Pip Hare in glänzender Angriffslaune flott unterwegs. Der weiter wie entfesselt aufholende Jérémie Beyou, der nach Bruch zum Rennauftakt und Blitzreparaturen in Les Sables-d'Olonne erst neun Tage nach der Flotte wieder durchgestarten konnte, hat sich auf Platz 18 vorgearbeitet. Seinen Rückstand auf die eben noch weit entfernten Arnaud Boissières und Pip Hare hat er inzwischen auf nur noch rund 400 Seemeilen reduzieren können. Die beiden Gejagten wissen genau: Beyou bleibt hungrig und gefährlich. Die spannendste Frage im Mittelfeld: Wie weit kann der der 44-Jährige aus dem beliebten bretonischen Ferienort Larmor-Plage mit seiner "Charal" noch vordringen?

Boris Herrmann Racing / #VG2020 Ein Blick unter Deck von "La Mie Câline - Artisans Artipôle" mit Skkipper Arnaud Boissières, der sich im Duell mit Pip Hare ("Medaillia") gerade südlich von Neuseeland befindet. Das Duo jagt dem vorderen Feld auf den Plätzen 16 und 17 hinterher

Er selbst hat gesagt: "Ich segele besser, wenn andere Leute um mich herum sind. Ich schaue mir ihre Durchschnittswerte an. Das ist leichter, weil es dir einen Eindruck von der Richtung gibt. Du kannst sehen, wie sich alle verlangsamen oder beschleunigen. Es hilft dir, deine Positionierung besser zu managen, und es hilft auch psychologisch. Es macht einfach mehr Spaß. Als ich Les Sables-d'Olonne wieder verlassen konnte, war eine meiner größten Sorgen, allein zu sein. Jetzt geht es mir in dieser kleinen Gruppe gut."

Jérémie Beyou / Charal / #VG2020 Der Jäger im Einsatz: Jérémie Beyous "Charal" holt Boot um Boot auf. Die spannende Frage: Wie weit kann er sich noch vorarbeiten?


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Themen: Boris HerrmannJean Le CamKap HoornPoint NemoVendée Globe

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