Regatta

Vendée Globe: Mastbruch auf "Corum L'Épargne"

Das Feld fliegt in den Passatwinden von um die 20 Knoten. Das zuletzt fertig gestellte Boot erwischte da ein technischer Defekt, der Mast brach heute Morgen

Andreas Fritsch am 16.11.2020
Corum
E. Stichelbaut/polaryse/Corum L'Epargne/Vendee Globe

Ausgeschieden nach Mastbruch: "Corum l'Épargne"

Über die näheren Umstände des Mastbruchs machte das Team noch keine weiteren Angaben, doch das Unglück geschah in den frühen Morgenstunden 260 Seemeilen nordwestlich der Kapverden. Skipper Nicolas Troussel ist unverletzt, und er sichert nun das Boot. Anschließend wird der 46-Jährige die Kapverden anlaufen.

Troussel

Ausgeschieden nach Mastbruch: Nicolas Troussel

Troussel hat mit seinem Boot überrascht, der erst Anfang des Jahres, praktisch genau zum Lockdown, fertiggestellte Open 60 erwies sich bisher als sehr schnell, war lange ganz vorn mit dabei, bevor Troussell eine etwas andere Route um das Sturmtief "Theta" als der Führende Alex Thomson wählte und leicht zurückfiel. "Corum" wurde vom zweimaligen Vendée-Globe-Gewinner Michel Desjoyeaux und seiner Werft CDK gebaut und galt bis zum Start als unbekannte Größe im Feld. 

Währenddessen ist das Drag Race zum Äquator in vollem Gange. In den letzten Stunden drückten die beiden neuen Boote "Linked Out" von Thomas Ruyant und "Apivia" von Charlie Dalin mächtig aufs Gas und versuchten die Lücke zum Führenden Alex Thomson etwas zu schließen. Der Dritte und Viertplatzierte lagen heute Nacht noch rund 139 beziehungsweise 183 Seeeilen zurück. Heute um 9.00 Uhr waren es für Ruyant noch 126 Meilen, für Dalin 176. Charlie Dalin hatte gestern in der Live-Video-Schalte der Vendée Globe angekündigt, er würde eine Schippe drauflegen und nach vorn fahren, bislang hätte er sein Boot in den rauen Bedingungen geschont. Ruyant hatte ähnliche Andeutungen gemacht. Nun lassen sie ihren Worten Taten folgen.

Bis mindestens Mittwoch segeln die führenden Boote alle in ähnlichen Passat-Bedingungen, man darf also gespannt sein, ob sich die Verfolger wirklich wieder heranarbeiten können oder ob Alex Thomson noch ein Ass im Ärmel hat und heute im Laufe des Tages zurückschlägt. Generell hat man bei dieser Vendée bislang das Gefühl gehabt, dass sich die Skipper mit ihren neueren Foilern noch sehr zurückhalten. Die Speed-Unterschiede zu den Non-Foilern, die deutlich höher sind, als bislang zu sehen waren, legen nahe, dass alle Skipper ihre Boote noch schonen. Das Rennen ist noch lang, keins der Boote mit den jetzt fast dreimal so langen Foils, die entsprechend höhere Lasten aushalten müssen, ist bislang länger als eine Atlantik-Überquerung nonstop gesegelt. Da will verständlicherweise niemand zu früh seine letzten Reserven mobilisieren.

Doch zu lange warten darf man auch nicht. Wer als Erste aus den Doldrums kommt und dort deutlich führt, hat gute Chancen, vor den anderen das erste Tief im Southern Ocean zu erwischen und ein Wettersystem zwischen sich und die Verfolger zu bringen, wie Will Harris in seiner Taktik-Analyse auf www.yacht.de heute Morgen gut erklärte. 

Video-Zusammenfassung der ersten Rennwoche

Die Zusammenfassung der ersten Rennwoche in der Video-Zusammenfassung

Weiter hinten kämpfen Jérémie Beyous "Charal"- und Kojiro Shiraishis "DMG Mori"-Team darum, dass ihre Skipper weiter segeln können. Der Franzose will heute gegen 17 Uhr bekanntgeben, ob seine "Charal" in Les Sables repariert werden kann und er wieder ins Rennen geht oder nicht. Der Japaner kämpft auf seiner "DMG Mori Global One" mit einem kapitalen Schaden am Großsegel, der nur schwer auf See mit dem vorhandenen Material und Werkzeugen zu reparieren ist. Der Kopf des Segels ist auf Höhe der ersten Latte nach mehreren Patent-Halsen nach Autopilot-Problemen komplett zerissen. Da er es nicht mehr im Zeitlimit von zehn Tagen für eine Reparatur zum Starthafen zurück schaffen kann, könnte er auch nicht an Land in Les Sables-d'Olonne das Segel ersetzen und erneut starten.

Nach wie vor sensationell schlägt sich Jean Le Cam mit seiner "Yes we Cam!" Er liegt als bester Non-Foiler noch immer auf Platz zwei, verlor aber in perfekten Foil-Bedinungen erwartungsgemäß Meilen auf "Hugo Boss"; es sind jetzt 80 Meilen Rückstand. Die Foiler sind etwa zwei bis drei Knoten schneller, nehmen dem 61-Jährigen also rund 50 Meilen pro Tag ab. Wenn das so bleibt, dürfte er spätestens am Dienstagabend von "Linked Out" und "Apivia" eingeholt werden. 

Boris Herrmann segelt mit seiner "Seaexplorer" sehr konstant, fast gleichauf mit Sam Davies "Initiatives Cœur" auf Rang 11 und 12. Da vor ihnen noch drei Non-Foiler liegen ("Yes we Cam", "Omia Water Familiy" und "Groupe Apicil"), darf man davon ausgehen, dass Herrmann es im offiziellen Ranking bald wieder unter die Top 10 schafft. 

Einen sehr schönen Film vom Segeln in den Passatwinden schickte Louis Burton, der seine "Bureau Vallée" mit der Drohne filmte. 

Bureau Vallée im Nordatlantik

Andreas Fritsch am 16.11.2020

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