Regatta
Vendée Globe: Luftholen fürs nächste Kap

Der zweite Sturm ist durch, alle Skipper und Schiffe sind wohlauf. Charlie Dalins Verfolger geben wieder Gas. Boris Herrmann bereitet sich auf Reparaturen vor

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 10.12.2020
Stand des Rennens heute Mittag Stand des Rennens heute Mittag Stand des Rennens heute Mittag

Vendée Globe Stand des Rennens heute Mittag

Es war noch einmal eine harte Nacht, besonders für den führenden Charlie Dalin, der mit seiner "Apivia" zum zweiten Mal von einer Front überlaufen wurde, die mehr als 40 Knoten Wind brachte. "Der Wind ist nach dem Sturm etwas schwächer, aber ich brauche ein bisschen Zeit, um mich von den Strapazen zu erholen. Es waren sehr ermüdende 24 Stunden. Es wird jetzt zwar besser, aber diese Episode hat ihre Spuren hinterlassen. Es wird ein bisschen dauern, bis ich mich davon erholt habe", so Dalin.

Boris Herrmann live von Bord

"Vor dem Start hatte ich etwas Sorge, dass ich nicht genug Schlaf finde. Ich komme aus der Figaro-Klasse, wo man nur ein Minimum an Schlaf bekommt. Zum Glück habe ich aber einen Weg gefunden, genug zur Ruhe zu kommen. Ich habe einen Rhythmus. Ich neige dazu, mich etwas zu vernachlässigen, um das Boot schnell zu machen. Aber ich habe das Gefühl, dass ich ein Schema entdeckt habe, es stabil zu halten und dabei auch schnell."

Trotzdem konnten Thomas Ruyant und Louis Burton Meilen auf den Führenden gutmachen, der letzte Nacht im Sturm doch sehr langsam unterwegs war. Ruyants "LinkedOut" liegt nun noch 200 Seemeilen zurück, Louis Burtons "Bureau Vallée 2" noch 300.

Auch Boris Herrmann zeigte sich gestern Nachmittag bei der Vendée-Globe-Live-Schalte entspannter, schien ganz guter Dinge zu sein. Er berichtete:

"Meine Stimmung ist heute besser, die Nacht lief gut. Ich hatte eine 44-Knoten-Bö mit dem Jib-Top oben, musste rausstürzen, weil das Boot unkontrolliert anzuluven begann. Es ist schon komisch, das hier im Southern Ocean mit unseren Trainings in Lorient zu vergleichen. Da segeln wir zwei, drei Tage auf 90 bis 94 Prozent unserer Polar-Daten über 24 Stunden, hier habe ich Mühe, 80 Prozent zu erreichen."

In zwei Tagen will der Deutsche dann versuchen, sein beschädigtes J2-Segel zu reparieren, dessen Fehlen ein Performance-Loch in seiner Segelgarderobe bedeutet. Die beiden Segel darüber und darunter sind so viel kleiner bzw. größer, dass er entweder deutlich überpowert oder unterpowert fährt. "Ich freue mich auf die Reparatur, es ist immer schön, einen Job zu erledigen. Das ist ein Boost für die Moral. Ich hatte ein paar Tage, an denen ich etwas down war, aber jetzt geht es wieder."

Herrmann liegt gut in der fünfköpfigen Verfolger-Gruppe, die hinter den drei Führenden Charlie Dalin, Thomas Ruyant und Louis Burton segelt.

Eine beachtliche Performance liefert seit Tagen auch Armel Le Tripon ab, der mit seiner "L'Occitane" dem Feld nach einem Defekt kurz nach dem Start hinterhersegeln musste und jetzt schon auf Platz 14 angelangt ist. Wie ein Messer durch heiße Butter pflügt sein radikaler Open 60 mit Scow-Bug seit Tagen durchs Feld, lässt die Konkurrenten wahrlich alt aussehen. Heute sagt er, dass, wenn es so weiter ginge, er die zweite Verfolger-Gruppe hinter Isabelle Joschke in fünf oder sechs Tagen einzuholen hofft. Ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass das neue und radikale Sam-Manuard-Design richtig schnell ist. "Bis Les Sables ist es noch weit. Schauen wir mal, was noch drin ist!", sagte er heute bei der Live-Schalte der Vendée.

Das Feld nimmt nun schon langsam das Kap Leeuwin ins Visier, das nur noch knapp 1000 Meilen entfernt ist.


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Themen: Boris HerrmannSeaexplorerVendée Globe

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