Regatta
Vendée Globe: Herrmann humpelt mit Schaden ums Kap

Ein Riss im Großsegel zwingt den Deutschen zum Segeln mit verkleinerter Fläche, darum passierte er nur als 10. heute früh sehr langsam Kap Hoorn

  • Andreas Fritsch
 • Publiziert am 05.01.2021
"Seaexplorer" "Seaexplorer" "Seaexplorer"

Yann Zeda/Alea/VG 20 "Seaexplorer"

"Es ist ein weiterer Schlag ins Gesicht", meldete der Deutsche gestern sichtlich gefrustet von Bord seiner "Seaexplorer". Nachdem ihm kurz zuvor der Generator ausgefallen war, den er aber rasch reparieren konnte, erwischte ihn nur wenige Stunden später ein weiteres Desaster: "Beim Reffen habe ich das Segel zwischen zweitem und drittem Reff beschädigt, mir geriet eine Segellatte unter ein Want." Dabei riss das Segel ein. Seit heute Nacht arbeitet Herrmann nun fieberhaft an einer Reparatur, war heute Morgen um 9 Uhr immer noch mit nur 7,6 Knoten unterwegs, während die Konkurrenz fast doppelt so schnell segelt. Zuerst musste er Patches aufkleben, nun näht er diese wohl noch nach.

Herrmann berichtet von seinem Segel-Riss im Groß

"Ich werde den Kampf niemals aufgeben, aber ich habe meine Position verloren, und das tut weh. Es tut sehr weh", sagte er kurz nach seiner vierten Kap-Hoorn-Passage nur unter Vorsegel J3. "Sehen konnte ich das Kap nicht, ich bin zu weit südlich durchgesegelt. Es wäre aber auch bei dem Wind zu gefährlich gewesen, dichter ans Schelf heranzugehen." Der Deutsche berichtete während seiner Rundung von Kap Hoorn von Böen an die 40 Knoten und – wie im Video von der Reparatur zu sehen ist – von hohem, sehr chaotischem Seegang, der die Reparatur an Deck natürlich enorm erschwert.

Der Ärger sorgte dann auch noch dafür, dass ihm Maxime Sorrel ("V and B – Mayenne") und Ciancarlo Pedote ("Prysmian Groupe") durchschlüpften und jetzt rund 30 Seemeilen vor ihm segeln.

Zu allem Unglück kam dann gestern auch noch eine Hiobsbotschaft von der Deutsch-Französin Isabelle Joschke: Der Zylinder ihrer Kiel-Hydraulik ist schwer beschädigt:

"Ich ging unter Deck, um mich auszuruhen, und nach einer halben Stunde hörte ich ein Krachen vom Kiel, der langsam begann abzusinken. Ich wusste sofort, dass da etwas nicht stimmt. Ich habe sofort mein Team angerufen. ich habe Hydraulik-Lecks gesucht. Für einen Test wollte ich den Motor für die Hydraulik anschalten, dabei gab es ein lautes metallisches Geräusch. Dann bemerkte ich, dass der Hydraulikzylinder vom Kiel abgerissen ist. Das Boot ist nicht in Gefahr, wir haben ein System zum Arretieren des Kiels in der Mittelstellung."

Obendrein riss Joschke kurz davor noch ein Gennaker, und sie verlor ihre Windanzeige im Mast, was den Autopiloten sehr ineffektiv steuern lässt. Entsprechend enttäuscht war die Deutsch-Französin. Ihre erfolgreiche Kap-Hoorn-Rundung auf Platz elf, nur etwas über eine Stunde hinter Boris Herrmann, ging in der Enttäuschung unter.

Das Rennen geht derweil in gewohnter Härte weiter: Yannick Bestaven führt noch immer souverän und hat seinen Vorsprung auf Charlie Dalins "Apivia" auf 209 Meilen ausgebaut. Dahinter scheint Thomas Ruyant mit seiner "LinkedOut" alles auf eine Karte zu setzen, er fährt einen extrem riskanten Kurs dichter unter Land, direkt in das vor ihm entstehende Hoch hinein. Er hofft wohl, es queren zu können oder dass es so schnell ostwärts zieht, dass er nicht so lange aufgehalten wird, wie es die Wetterkarten bislang vermuten lassen. So könnte er Meilen auf die beiden Führenden gutmachen – oder in der Flaute einparken. Auf jeden Fall muss er danach lange am Wind segeln, während Bestaven und Dalin vielleicht nordöstlich des Hochs raume Winde erwischen.

Vendée Globe Stand des Rennens um 9 Uhr

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Im Südatlantik beginnt nun ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen. Das Feld hat sich weit aufgefächert, die Abstände zwischen den Skippern sind teils etwas größer geworden. Enorm stark segelt nach wie vor Damien Seguin ("Groupe Apicil"), der den Weg östlich ums Hoch eingeschlagen hat, aber noch immer souverän mit seinem Non-Foiler auf Platz vier liegt. Dahinter setzt Louis Burton ("Bureau Vallée 2"), der sein Boot und sich alles abverlangt, und nur noch 18 Meilen hinter Benjamin Dutreux ("Omia Water Family") segelt, alles daran, seinen Landsmann heute einzuholen. Was durchaus möglich erscheint, da er an diesem Morgen fast vier Knoten schneller unterwegs war.


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