Regatta
Vendée-Globe-Glücksfall Pip Hare: "Werde 2024 zurückkommen!"

Sie kam in bitterkalter Nacht als 19. ins Ziel und erwärmte noch einmal alle Herzen. Die beste Britin dieser Auflage hat ihre Premiere abgeschlossen

  • Tatjana Pokorny
 • Publiziert vor 3 Monaten
Pip Hare Pip Hare Pip Hare

Olivier Blanchet / Alea / #VG2020 Pip Hare

Sie hat sich ihren Teenager-Traum erfüllt und denkt schon an die nächste Vendée Globe: Pip Hare, Kämpferin, zweitbeste Skipperin der neunten Edition und Kommunikations-Königin, ist im Ziel. Die 47-Jährige kreuzte die Linie am frühen Morgen des 12. Februar um 1.57 Uhr Ortszeit als 19. Damit ist die Frau, die das Solosegeln erst im Alter von 35 Jahren für sich entdeckt hatte, die beste Britin des Rennens 2020/21. Die überglückliche "Medallia"-Skipperin wurde bei ihrer Ankunft im Start- und Zielhafen Les Sables-d'Olonne trotz bitterkalter Nacht stürmisch begrüßt. Auch Vendée-Globe-König Jean Le Cam erwies ihr die Ehre, kam zum Gratulieren an Bord und umarmte Pip Hare herzlich.

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Besser als ein Ritterschlag: Vendée-Globe-König Jean Le Cam kam in bitterkalter Nacht, um Pip Hare persönlich zu ihrer Leistung zu beglückwünschen

"Ich kann das einfach nicht glauben", sagte Hare im Ziel immer wieder. "Es ist das erste Mal, dass mir überhaupt jemand sagt, dass er mich in einem Rennen zur Kenntnis genommen hat. Ich bin immer noch überrascht, dass alle wussten, dass ich da war. Das ist ein unglaubliches Kompliment von jedem der vor mir platzierten Skipper: mir zu sagen, dass ich es gut gemacht habe. Es ist eine unglaubliche Bestätigung. Ich kann das einfach nicht glauben."

Pip Hare / Medallia / #VG2020 Pip Hare hat die Weltmeere bei ihrer Vendée-Globe-Premiere umarmt

Nach 95 Tagen, 11 Stunden, 37 Minuten und 30 Sekunden sowie einer erleuchtenden letzten Kanalpassage wurde Pip Hare im Vendée-Globe-Hafen so stürmisch und emotional begrüßt, wie sie dieses Rennen bestritten hat. Die Seglerin aus dem englischen Hafenort Poole ist erst die achte Frau, die das Solo-Rennen um die Welt beenden konnte. Mit ihrer Art, die Weltumsegelung mit kleinem Budget, großem Herzen und viel Kommunikationstalent zu bestreiten, hat sie als Sportlerin, Abenteurerin, Journalistin und Bloggerin ein Millionenpublikum in den Vendée-Globe-Bann gezogen und begeistert. Um die Welt getragen hat Pip Hare eine 21 Jahre alte Imoca-Yacht, die von der Skipperin trotz Bruch und immer wieder geforderten Reparatur-Einsätzen auch zu 24-Stunden-Höhenflügen von mehr als 400 Seemeilen angetrieben wurde. Pip Hare hat die Vendée Globe auch in ihren dunkelsten Stunden mit positver Einstellung erleuchtet, anfassbar und miterlebbar gemacht.

Pip Hare / Medallia / #VG2020 Hat die Welt im Sturm erobert: "Medallia"-Skipperin Pip Hare

Pip Hare / Medallia / #VG2020 Wie strahlender Sonnenschein: Pip Hare

Jean Le Cam sagte in der Nacht: "Sie ist wie strahlender Sonnenschein." Der Schweizer Vendée-Globe-Segler Bernard Stamm, der Hares Boot vor mehr als 20 Jahren gebaut hatte, nannte die Engländerin "meine Heldin". Bei ihrem Rennen hatte Hare aber auch Dramen überstehen müssen. In Erinnerung geblieben ist beispielsweise ihr anspruchsvoller Ruderwechsel in 25 Knoten Wind, den sie nach Bruch im tiefen Pazifik hatte ausführen müssen, um ihre Premiere fortsetzen zu können. Das Ziel erreichte Pip Hare weniger als 50 Seemeilen nach Stéphane Le Diraison ("Time For Oceans"), hatte zuvor in den letzten 36 Stunden noch einmal 100 Seemeilen gutgemacht und ein letztes Mal ihre Kämpferqualitäten unter Beweis gestellt.

Mit einem Boot, das im gleichen Jahr wie einst Ellen MacArthurs "Kingfisher" gebaut wurde, die als beste Frau der Vendée-Globe-Geschichte 2000/01 Zweite geworden war, kam Pip Hare MacArthurs damals ersegelter Gesamtzeit sehr nah. Hare fehlten im Ziel mit gleichaltriger Imoca-Yacht nur 1 Tag, 7 Stunden und 12 Minuten zu MacArthurs vor zwei Jahrzehnten erreichter Zeit (94 Tage, 4 Stunden, 25 Minuten). Nach dem Aus für ihre prominenten Landsleute Sam Davies und Alex Thomson war es die "Medallia"-Skipperin, die den Union Jack am höchsten um die Welt trug. Wenn sie mit geflochtenen Zöpfen und nie versiegendem Lächeln, manchmal aber auch den Tränen nah, vor der eigenen Kamera stand und über Ungemach wie dem Verlust ihrer Windinstrumente im Südpolarmeer sprach, bewegte sie eine zunehmend rieisige Fangemeinde. Was diese Weltumseglerin für viele so sympathisch macht, ist ihre Bodenständigkeit. TV-Fernsehmoderator Andi Robertson sagte: "Was ich an Pip so sehr mag, ist, dass sie ein ganz normaler Mensch ist. Sie steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, sie kommt aus einer ganz normalen Familie und hat Segeln auf günstigen Jollen gelernt. Ihr Vater ist Pastor. Die hat die gleiche Leidenschaft, die einst Ellen MacArthur gezeigt hat."

Jean-Louis Carli / Alea / #VG2020 Pip Hare mit den Bengalos auf dem Vorschiff von "Medallia"

Mit Crowdfunding durchgestartet und von Last-Minute-Sponsor Medallia beflügelt, gelang es Philippa "Pip" Hare, ihren großen Taum bei enormer Eigenleistung und mit kleinem treuen Team umzusetzen. Am Dock angekommen, sagte Hare: "Wir – also ich und 'Medallia' – sind ziemlich, froh hier zu sein. Dieses Boot hat jetzt genug von mir." Ihren nächsten Vendée-Globe-Start nahm Pip Hare noch in der Nacht ihrer Ankunft ins Visier: "Das hier ist keinesfalls meine letzte Vendée Globe. Ganz und gar nicht. Nun, da ich es erlebt habe und weiß, was zu erwarten ist und wo ich mich verbessern kann, muss ich wiederkommen. Es ist auch einfach ein unglaubliches Rennen. Es lässt dich als Mensch wachsen. Warum also sollte ich es nicht wieder machen wollen?"

Olivier Blanchet / Alea / #VG2020 Nach dem Rennen ist auch für Pip Hare vor dem Rennen: Hier feiert die Britin noch, aber ihr Comeback für die zehnten Auflage der Vendée Globe hat sie schon angekündigt

Ari Huusela / #VG2020 In seiner finnischen Heimat ein Star: "Stark"-Skipper Ari Huusela

Alexia Barrier / TSE - 4myocean / #VG2020 "TSE 4My Planet"-Skipperin Alexia Barrier

Sechs Boote waren zum Ende des 96. Tages auf See noch im Rennen. Als nächster Skipper wird Didac Costa ("One Planet One Ocean") in Les Sables-d'Olonne erwartet. Schlusslicht bleibt vorerst der Finne Ari Huusela, der am Morgen des 12. Februar noch knapp 3300 Seemeilen bis ins Ziel zu absolvieren hatte. Dabei war es dem "Stark"-Skipper zuletzt gelungen, seinen Rückstand auf die vor ihm liegende Alexia Barrier ("TSE 4MyPlanet") auf nur noch rund 60 Seemeilen zu verkürzen.

Hier geht es zum Tracking und den Ergebnissen (bitte anklicken!).


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Themen: MedailliaPip HareVendée Globe

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