Regatta

Vendée Globe: Führungswechsel, während Thomson repariert

Mit Hochdruck arbeitet der Skipper der "Hugo Boss" an der Reparatur der Delamination im Vorschiff. Derweil setzt sich "Apivia" vor "Linked Out"

Andreas Fritsch am 23.11.2020
Apivia
JEAN MARIE LIOT/Alea

Erstmals in Führung: Charlie Dalins "Apivia" 

Noch immer driftet Alex Thomsons Boot mit nur 6 Knoten Fahrt vorwärts, während er offenbar fieberhaft mit der Umsetzung des Reparatur-Plans beschäftigt ist, den ihm sein Team und die Ingenieure von VPLP gestern übermittelt haben. Gestern Abend meldete er sich noch einmal von Bord:

Stand

Stand des Rennens heute Morgen um 9:00

"Nachdem ich sechs Stunden geschlafen habe, damit ich bereit für den anstrengenden Reparatur-Job bin, habe ich mit dem Team den Reparatur-Plan besprochen, damit ich ihn verstehe und die richtigen Fragen stelle. Der erste Teil bestand darin, den Rumpf zu stabilisieren, das beinhaltet einiges an Sägen, Laminieren und Festbolzen. Das ist nun erledigt und laminiert. Der nächste Schritt ist, die weitere Reparatur vorzubereiten. Ich muss alles Material zusammenstellen, muss die Teile zuschneiden, solange es noch hell ist. Ich habe noch einige Stunden Licht um das zu erledigen. Danach ist es egal, im Rumpf vorn ist es sowieso pechschwarz.

Es ist wirklich feucht und heiß – ziemlich hart zu arbeiten im Bug. Aber wir haben viel Material an Bord: Unter-Wasser-Harze, Kleber, die mit der feuchten Umgebung kein Problem haben. Ich glaube nicht, dass viele andere Teams so viel Material an Bord haben wie wir. Ich bin jetzt im Rhythmus und werde so lange weitermachen, wie ich kann. Es ist ein anspruchsvoller Job, ich kann nichts beschleunigen, ich muss sicher sein, dass es richtig wird.

Ich bin natürlich enttäuscht, aber das ist die Vendée Globe. Du musst in der Lage sein, mit so etwas umzugehen. Normalerweise wäre ich wütend und traurig und wäre sehr emotional, aber nicht diesmal. Ich muss damit fertig werden. Ich bin sicher, die Emotionen werden irgendwann kommen, aber das Einzige, was jetzt zählt, ist, dass ich den Job erledigt bekomme. Ich werde tun, was immer möglich ist, um im Rennen zu bleiben!"

Beim 9-Uhr-Update war "Hugo Boss" mittlerweile von Jean Le Cams "Yes we Cam" und Kevin Escoffiers "PRB" überholt worden. In wenigen Stunden dürften "Bureau Vallée" (Louis Burton) und Boris Herrmann den Briten passieren.

Der Deutsche hatte gestern eine harte Nacht, eine Flaute bremste ihn übel für viele Stunden ein. Er verlor 40 Meilen auf die vor ihm segelnde "PRB", die er langsam, aber sicher begann einzuholen. Er blieb aber gelassen, schickte gestern Abend ein Video aus der Flaute. 

Update von "Seaexplorer"

"Es ist sehr schwachwindig seit gestern Mittag. Ich bin guten Speed gefahren, sogar mit meinem Jib Top für einige Zeit, und dann mit dem Code Zero, und von Mittag an ging es von 20 Knoten auf 3 Knoten Bootsspeed. Zum Sonnenuntergang konnte ich dann wieder lächeln, aber davor habe ich mir auf die Nägel gebissen und gehofft, dass ich nicht ganz zum Stehen komme, was zum Glück nicht passiert ist. Ich hatte gerade genug Speed, damit der Bug in die richtige Richtung zeigt. Ich weiß nicht warum, aber ich habe 40 Meilen auf 'PRB' verloren. Sie hat den Wind vor mir erreicht, und als ich noch 5 Knoten gefahren bin, fuhr sie schon 11. Aber es ist schön, in dieser Gruppe zu segeln, mein Rennen ist in dieser Gruppe, und es ist ein gutes Rennen. Ich habe ein paar Plätze verloren, werde aber in den nächsten Tagen versuchen, sie an jedem einzelnen zurückzuholen! Es ist ein bisschen wie die Doldrums, mit Winddrehern von 30 Grad und großen Unterschieden in der Windgeschwindigkeit. Da ist nur die Herausforderung, durch diese Woche zu kommen, dann sind wir bald im Big South!"

Derweil hat an der Spitze erstmals Charlie Dalin mit seiner "Apivia" die Führung übernommen, liegt 18 Seemeilen vor Thomas Ruyants "Linked Out". Beide sind in der Nacht mehrfach gehalst, segeln den schmalen Korridor zwischen einem Hoch und einem Tief entlang. Immer noch auf Platz drei segelt der Franzose Jean Le Cam, mit dem östlichsten Kurs aller Starter. Mit Zähen und Klauen verteidigt er sich gegen die Foiler, segelt bislang ein unfassbar starkes Rennen. 

Interessant ist es auch am Ende des Feldes: Der Japaner Kojiro Shiraishi ist mit seinem reparierten Großsegel, das er nun nur noch mit erstem Reff segeln kann, wieder im Rennen. Von hinten dürfte er aber bald den Atem, seines Schwesterschiffes spüren: Jérémie Beyous "Charal", die zehn Tage nach dem Start nach Reparaturen wieder in Les Sables ins Rennen ging, ist nur noch knapp 700 Meilen hinter ihm und kann bislang mit einer Route dicht unter der afrikanischen Küste einen sehr direkten Weg segeln. Man darf gespannt sein, wann sich der Franzose wieder ans Feld der langsamen Boote herangekämpft hat. Dass ihm das gelingt, ist ziemlich wahrscheinlich. 

Andreas Fritsch am 23.11.2020

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