Regatta

Vendée Globe: "es ist ein holpriger Ritt"

Boris Herrmann liegt weiter auf Platz sieben, von hinten fliegt "Arkéa Paprec" heran. Vorn ist es ein enger Dreikampf um die Führung

Andreas Fritsch am 20.11.2020
Arkea
Jean-Marie Liot / Alea

Rauscht von achtern heran: "Arkéa Paprec" legte in 24 Stunden 507 Seemeilen zurück

"Es ist zwar sonnig und Tradewinds, aber auch ein ziemlicher holpriger Ritt, die Nerven sind angespannt", meldet der Deutsche von Bord seiner "Seaexplorer". Ab und zu gehen die eingestellten Alarme los, weil das Boot zu hoch fliegt und entsprechend hart in eine der Wellen kracht. 

Stand Freitag

Stand des Rennens heute um 9 Uhr

Doch Herrmann zeigt sich zufrieden, er versucht, einen guten Mittelweg zwischen Speed und Schonung des Bootes zu finden. Vor dem Start hatte er der YACHT erzählt, dass diese Boote "das Potenzial haben, sich selbst zu zerstören" und es am Skipper liegt, das zu verhindern, indem er im rechten Moment vom Gas geht. Das zeigt sich dann darin, dass der Deutsche nachts etwas defensiver segelt, entweder runterrefft oder den Autopiloten so einstellt, das er bei zu viel Druck schneller abfällt.

News von "Seaexplorer"

Das hat allerdings seinen Preis: Mit nicht ganz 420 Seemeilen in 24 Stunden segelt Herrmann  deutlich langsamer als etwa Kevin Escoffiers "PRB" oder die beiden gleich alten "Maître Coq VI" von Yannick Bestaven und Louis Burton "Bureau Vallée II". Beide segeln um die 20, 30 Meilen mehr im Schnitt, und auf "Bureau Vallée II", mit der er vor vier Tagen noch gleichauf lag, hat Herrmann mittlerweile 50 Meilen verloren. Alles Boote, mit denen "Seaexplorer" grundsätzlich mithalten könnte.

Von achtern kommt in großen Schritten noch eins der neuen Boote auf: Sébastien Simons "Arkéa Paprec" fliegt in den Passat-Bedingungen jetzt so richtig. Nachdem der Franzose schwach gestartet war, die ersten Stürme nicht glücklich taktisch meisterte, scheint das Speed-Dragrace nun Skipper und Boot zu liegen. Mit 507 Meilen in 24 Stunden war er der Schnellste, machte in nur einer Nacht rund 80 Seemeilen auf Boris Herrmann gut. Von Bord meldet Simon, dass sein Boot in den Wellen brutal abhebt und hin auch wieder entsprechend landet. 

Taktisch sagt er ein Rennen voraus, das früh weit nach Süden, dicht an die Eisgrenze, führen wird: "Wir müssen um dieses Hoch herum segeln, deshalb segeln wir so dicht unter der Küste Brasiliens. Dann kommt eine schwierige Front, es wird eine extrem südliche Route werden. Wir werden sicher viel früher nach Eis schauen müssen als am Kap Hoorn. Auf jeden Fall wird es keine sehr direkte Route, jene gute Route für einen neuen Vendée-Rekord!"

Auch an der Spitze wird es heute spannend. Alex Thomsons "Hugo Boss" hat nur noch einen hauchdünnen Acht-Meilen-Vorsprung vor Thomas Ruyants "Linked Out". Der und die dahinter segelnde "Apivia" waren die letzten Tage immer deutlich schneller als der Brite, man darf gespannt sein, ob Ruyant sich heute an die Spitze setzen kann. Thomson segelt die westlichste Route, hofft so auf bessere Windwinkel für sein Boot, Ruyant segelt den direkteren, deutlich östlicheren Weg. "Apivia" hat sich genau in der Mitte positioniert. Wer wird am Kap der Guten Hoffnung die Nase vorne haben?

Weiter hinten ist Nicolas Troussel mit seiner entmasteten "Corum" mittlerweile auf den Kapverden angekommen. 

Andreas Fritsch am 20.11.2020

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