Regatta

Vendée Globe: Die Hotspots auf der Route um die Welt

Die Teilnehmer erwartet bei ihrer Weltumsegelung fast alles, was der Planet an Wetterkapriolen zu bieten hat. Welche Gebiete es besonders in sich haben

Lars Bolle am 05.11.2020
Vendée Globe Route
YACHT/N. Campe

Die wichtigsten Hotspots der Vendée Globe

Rund 28 000 Seemeilen legen die Skipper bei der Vendée Globe zurück. Diese lassen sich in drei Hauptetappen unterteilen: das erste Drittel im Atlantik, das Südpolarmeer sowie das letzte Drittel wieder im Atlantik. Dabei haben die Segler nicht nur unterschiedlichste Wind- und Wellenbedingungen zu meistern, sondern durchqueren auch verschiedene Klimazonen mit herbstlichem Wetter beim Start, Hitze am Äquator und subpolarer Kälte im Süden.

Neben der richtigen Einstellung der Yacht, um mit größtmöglicher Geschwindigkeit zu segeln, ist das sogenannte Wetterrouting eine der wichtigsten Aufgaben an Bord. Mittels Wetterprognosen und entsprechender Software, etwa dem Routing-Programm Adrena, versuchen die Skipper, den besten Kurs an Flautenzonen vorbei und um schwere Stürme herum zu finden. Sie sind dabei nur auf ihr eigenes Wissen angewiesen; Hilfe von außen, wie von externen Wetterexperten, ist verboten. Zwar können die Programme mit entsprechenden Prognosedaten gefüttert schon mehrere Tage und teilweise Wochen vorausblicken, doch sind dies immer nur Berechnungen von Wahrscheinlichkeiten. Am Ende liegt es am Wissen und der Erfahrung jedes Skippers, den Vorschlägen der Software zu folgen oder sich auf die eigene Intuition zu verlassen.

Durch Flauten, Stürme und verschiedene Klimazonen

In der ersten Rennphase geben die Teilnehmer normalerweise Vollgas, bis zum Erreichen des Südpolarmeeres hat sich meist die Spreu vom Weizen getrennt. Denn wer zuerst eines der von West nach Ost ziehenden starkwindigen Tiefdruckgebiete erreicht, ist kaum noch einzuholen – wie bei einem Sessellift, in dem man die erste Gondel erwischt. Mit den weiterentwickelten Foils und der höheren Geschwindigkeit können die Boote länger als früher mit diesen Tiefdruckgebieten mitsegeln, sodass die Phasen mit weniger Wind dazwischen, in denen sich das Feld zusammenschieben kann, abnehmen. Allerdings bringt die virtuelle Eisgrenze die Teilnehmer dichter als früher an nördliche Hochdruckgebiete, was interessante Kon-stellationen ergeben könnte.

Mit dem Erreichen von Kap Hoorn beginnt dann die letzte Etappe. Hier versuchen die vorn Platzierten vor allem, ihre Position nach hinten abzusichern. Dabei können sich wegen der wechselnden Bedingungen spannende Kämpfe Boot gegen Boot entwickeln.

Im Folgenden zeigen wir die wichtigsten Hotspots auf der Route:

Vendée Globe Route

Die wichtigsten Hotspots der Vendée Globe

1 Biskaya
Sollte sich zum Startzeitpunkt das Azorenhoch weit nach Osten dehnen, sind moderate Bedingungen zu erwarten. Anders sieht es aus, wenn eines der Tiefdruckgebiete von Neufundland bis Europa zieht. Dann kann es ein sehr harter erster Tag mit viel Wind und teils chaotischen Wellen werden

2 Azorenhoch
Die meist leichtwindige Zone gilt es zu meiden, also nicht zu weit nach Westen zu segeln

3 Kanaren/Kapverden
Die Inselgruppen bieten vielfältige taktische Möglichkeiten. Zwischen den Inseln können sich beschleunigende Düseneffekte bilden, in Lee von ihnen lauern aber auch Abdeckung und Flautenzonen

4 Doldrums
In diesem Gebiet, auch innertropische Konvergenzzone oder Kalmen genannt, kollidieren die beiden Passatwinde, der Nordost- und der Südostpassat. Gewitter, plötzliche starke Böen und Flauten sowie teils sehr hohe Wellen prägen dieses Gebiet

5 St.-Helena-Hoch
Die ausgeprägte Leichtwindzone versperrt den direkten Weg nach Süden und wird westlich umfahren. Dabei versuchen die Skipper, die von der brasilianischen Küste nach Osten ziehenden kleineren Tiefdruckgebiete zu erwischen. Dabei wollen sie jedoch der Küste möglichst weit fernbleiben, da sie sonst zu viel Strecke segeln würden. Für die Kurswahl steht so nur ein schmales Band zur Verfügung

6 Eisgrenze
Um Kollisionen mit Eis-bergen und Growlern zu verhindern, hat die Rennleitung eine Schutzzone, die Antarctic Exclusion Zone (AEZ), eingerichtet. Sie ist ein imaginärer Kreis um die Antarktis zwischen 45 Grad Süd an den Crozet-Inseln und 68 Grad Süd bei Kap Hoorn, zwischen diesen Marken gibt es weitere GPS-Punkte, welche insgesamt eine Linie bilden. Diese Linie darf nicht übersegelt werden. Die Zone wird während des Rennens je nach Eislage angepasst

7 Südpolarmeer
Die Umrundung der Antarktis macht fast ein Drittel der Gesamtdistanz aus und gilt als der härteste Teil. Kälte, viel Wind und hohe Wellen prägen ihn. Nach dem Verlassen des Südatlantiks gilt es auf dem Weg nach Osten, so schnell wie möglich eines der Tiefdruckgebiete zu erwischen, welche aus Brasilien, Madagaskar oder Neuseeland stammen. Diese ziehen in West-Ost-Richtung, die Antarktisumrundung erfolgt also meist bei raumen Winden

8 Flauten
Die Eisgrenze zwingt die Skipper zu einer nördlicheren Route als früher, und es besteht die Gefahr, in eines der Hochdruckgebiete des Indischen Ozeans oder Pazifiks zu geraten

9 Kap Hoorn
Seine Ausdehnung nach Süden bringt die Yachten unter den 56. Breitengrad Süd und damit in die wegen ihrer stürmischen Winde berüchtigten "wütenden Fünfziger"

10 Rückweg
Auf dem letzten Drittel gilt es, dieselben navigatorischen und wettertaktischen Herausforderungen zu meistern wie im ersten Teil: das St.-Helena-Hoch, die Doldrums, das Azorenhoch sowie die Biskaya

Dieser Artikel ist Teil eines großen Spezials zur Vendée Globe in YACHT 23/2020. Das Heft ist bis zum 17.11. am Kiosk erhältlich oder hier digital zu bestellen.

Lars Bolle am 05.11.2020

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