Regatta

Vendée Globe: der steinige Pfad gen Süden

Nach dem Sturm umfährt das Feld heute das Tief des tropischen Sturms "Theta". Die Spitzengruppe formiert sich allmählich. Herrmann hängt im Schwachwind fest

Andreas Fritsch am 12.11.2020
Linked Out
Jean-Marie Liot / Alea

Führt die Gruppe im Westen an: Thomas Ruyants "Linked Out"

Der Start der Vendée Globe ist diesmal ein komplizierter für die Skipper. Erst Flaute, dann eine frühe Sturmfront, und jetzt müssen sie den Kern des ehemaligen Karibik-Sturms "Theta" weit, weit westlich umfahren. Schon jetzt ist klar: Die etwas über neun Tage, die Alex Thomson beim letzten Rennen als schnellstes Boot zum Äquator brauchte, wird die Flotte dieses Jahr um mindestens zwei Tage verfehlen. Es fehlten bisher die richtig schnellen Reach-Bedingungen.

Doch genau die könnte es heute für die ersten Boote geben. Über Nacht formierte sich die Gruppe der westlichen Ausreißer und positionierte sich perfekt westlich des Tiefs, sodass Thomas Ruyants "Linked Out" an der Spitze, Charlie Dalins "Apivia" und Kevin Escoffiers "PRB" teils in Sichtweite zueinander sich einen harten Kampf liefern. Heute morgen war auch Alex Thomson noch mit dabei, bevor er sich entschied, einen südlicheren Kurs mit erstaunlich vielen Halsen zu segeln, während die Konkurrenz einen westlichen Bogen ohne Manöver fährt.

Der Brite zeigte sich gestern bei einer Live-Schalte von Bord frischer und erholter als die Tage zuvor:

Der Brite meldet sich von seiner "Hugo Boss"

"Das Rennen ist jetzt richtig eng hier, ich segle vier Meilen von 'Apivia' entfernt und vier von 'PRB'. Ich genieße das! Der Sturm war anstrengend, die ersten Wellen kamen in sehr kurzen Abständen, was für die Boote gefährlich ist. Später hatten wir dann Fünf-Meter-Wellen, eine hatte auch sieben Meter, wir können das mit unseren Sensoren messen. Die Böen gingen bis 53 Knoten! Ich brauchte für eine Wende in 40 Knoten zwei Anläufe, um das Boot durch den Wind zu bekommen!"

Srand des Rennens

Stand des Rennens heute Morgen um 9 Uhr

Ob die Entscheidung des Briten, von der Dreiergruppe wegzufahren, sich auszahlt, werden wir wohl morgen wissen. Thomson hat ein Faible für solche Splits, hat sie immer wieder bei der Vendée gemacht, oft allerdings mit eher desaströsem Ergebnis. 2016 war er vor den Kanaren eine Ost-Route weg vom Feld gefahren, was ihn fast hundert Meilen gekostet hatte.

Unglücklich mit seiner Position ist dagegen Boris Herrmann. In einem Video von Bord sagte er, dass er bei der Passage der Front sich zu lange nicht traute abzufallen, um das Boot vor zu starkem Seegang zu bewahren und dabei den Anschluss an die Spitze verloren hat. Er blieb dann in einer Schwachwindzone hängen, während die vier westlichen Ausreißer diese noch passieren konnten. Zerknirscht fällt in seiner Video-Analyse das "F"-Wort... Nun liegt er im Mittelfeld und fährt im schwächeren Wind fast sieben Knoten langsamer als die westlich positionierte Gruppe.

Boris Herrmann berichtet

Ein echtes Phänomen des Rennens ist bisher aber der Franzose Jean Le Cam. Der 61-Jährige, der seine fünfte Vendée segelt, liegt mit seinem 13 Jahre alten Non-Foiler von Farr Design rechnerisch an der Spitze. Zwar werden ihn die Foiler im Westen heute sicherlich überholen, aber es könnte sein, dass er sich dahinter an die Spitze der Verfolger setzt. Der kauzige Franzose ist bekannt dafür, sehr smart zu segeln. Letztes Mal wurde er mit demselben Boot immerhin Sechster, insgesamt kam er schon dreimal ins Ziel, seine beste Position war ein dritter Platz 2005.

Erfreulich war auch der gestrige Tag für Armel Tripon. Der konnte das defekte Fallenschloss seiner "L'Occitane", das er eigentlich ankernd vor A Coruña repaieren wollte, gestern auf See austauschen. Er drehte sofort um und ist jetzt wieder im Rennen. Genau wie Fabrice Amedeo, der seit gestern wieder unterwegs ist und derzeit vor dem Cap Finisterre in der Flaute festhängt.  

Andreas Fritsch am 12.11.2020

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