Regatta

Vendée Globe: Boris Herrmann arbeitet sich nach vorn

Der Deutsche ist mit seiner "Seaexplorer" mittlerweile auf Platz acht angekommen, heute könnte es noch weitergehen. Vorn jagen die Verfolger "Hugo Boss"

Andreas Fritsch am 17.11.2020
Stand des Rennens
Vendee Globe

Stand des Rennens heute Morgen

Die Spray fliegt übers Deck, die Schwerter singen, das Boot fliegt, der Skipper ist glücklich:

"Die Bedingungen sind ideal, der Wind hat etwas nachgelassen, unter 20 Knoten, und wir haben wenig Welle, vielleicht zwei Meter. Damit ich meinen Südkurs halten kann, muss ich etwas abfallen. Das Boot mag das, die Lasten sind nicht groß, wir surfen einfach nur die Wellen ab wie ein großes Surfboard. Auf der Welle beschleunigt das Boot, dann wird es etwas langsamer, und so geht es immer weiter", so Herrmann von Bord, während der Speedo ständig irgendwo zwischen 20 bis 23 Knoten pendelt. 

Boris Herrmann über das ideale Segeln in den Passatwinden

Stand des Rennens

Stand des Rennens heute Morgen

So entspannt das Ganze aussieht, langsam ist es nicht. Gestern lag der Deutsche noch auf Platz zwölf, 24 Stunden später hat er sich im Ranking auf Platz acht vorgearbeitet, nachdem er "Groupe Apicil" und "Maître Coq IV" in der Nacht durch besseren Speed überholen konnte. Auch Sam Davies "Initiatives Cœur"  liegt nun knapp (4 Seemeilen)  hinter der "Seaexplorer", psychologisch wichtig, denn Davies und ihr Boot hatte Herrmann als etwa so stark wie sich selbst eingeschätzt.

Vorn schmilzt der Vorsprung des Briten Alex Thomson derweil langsam dahin. Lagen die beiden Verfolger Thomas Ruyant ("Linked Out") und Charlie Dalin ("Apivia") gestern noch 139 beziehungsweise 183 Seemeilen zurück, haben sich beide in den letzten 24 Stunden rund 30 Meilen herangearbeitet (107/153 Meilen). Und das liegt nicht daran, dass Thomson schon in den Doldrums angekommen ist, er fährt an der Spitze noch immer um die 20 Knoten; Dalin und Ruyant pushen offensichtlich ihre beiden Verdier-Designs, um den Anschluss zu schaffen. Man darf gespannt sein, ob Thomson in den nächsten Tagen gegenhalten kann. Heute rechnet der Brite damit, die Doldrums zu erreichen. Psychologisch ist er dafür gewappnet.

"Ich rechne immer mit dem Schlimmsten. Wir wissen ja, wie Jérémie beim Transat in den Doldrums hängengeblieben ist und die Führung verlor. Wenn ich dann gut durchkomme, ist das ein Bonus!" Zurzeit sieht es im Wetterbericht aber nach einer relativ problemlosen Passage aus. 

Thomson über die anstehende Doldrums-Passage

Auf Platz drei fiel gestern Jean Le Cam zurück, der sich so gut es geht gegen die schnellen Foiler wehrt. Allerdings verlor er an einem Tag 40 Meilen auf "Hugo Boss", und im gleichen Tempo kam Thomas Ruyant von hinten auf. Heute könnte dann "Apivia" vorbeiziehen.  

Der Ex-Top-Favorit startet wieder ins Rennen

Weiter hinten im Feld ist ebenfalls eine Menge los: Jérémie Beyou startet heute um 15 wieder in Les Sables ins Rennen, und der Japaner Kojiro Shiraishi arbeitet in der Flaute dümpelnd fieberhaft an einer Reparatur seines zerissenen Großsegels. Er hat es mittlerweile abgenommen und schleifte gestern mit Sandpapier das Laminat an, vermutlich um eine Laminatverbindung zu schaffen; die Kommentare des Skippers sind leider nur auf Japanisch verfügbar. 

Gut wieder im Rennen ist auch die Deutsch-Französin Isabelle Joschke mit ihrer "MACSF". Nachdem sie viele Plätze verloren hatte, als sie in der ersten Sturmfront mit einem Ausweichkurs in Richtung Portugal vom Feld weg gefahren war, ist sie seit gestern ebenfalls in den Passatwinden angekommen und kommt gut voran. Sie liegt auf Platz 16, hat rund 620 Seemeilen Rückstand. 

Das ist aber noch nichts gegen das letzte Drittel des Feldes, das übel bekalmt in der Flaute nach dem Wirbelsturm "Theta" vor einigen Tagen festhängt. Doch obwohl die Spitze weit enteilt, sind die Skipper dort guter Dinge, wie die Britin Pip Hare auf ihrer "Medailla" schreibt. "Wir segeln hier als Gruppe unser eigenes Rennen im Rennen, hier sind die Abstände klein, man kämpft um jede Position." Die 46-Jährige segelt ein 21 Jahre altes Design, Bernard Stamms damals selbst gebaute "Armor Lux". Etwas frustrierend ist die Flaute allerdings für den Franzosen Armel Tripon. Seine "L'Occitane", ein schneller Sam-Manuard-Neubau, segelte vorn mit, bevor er für eine Reparatur länger auf See stoppen musste und den Anschluss verlor. Der Skipper versucht, den Frust darüber mit täglichem Yoga an Bord in Grenzen zu halten. 

Andreas Fritsch am 17.11.2020

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