Regatta

Vendée-Globe-Aus für den "Boss", Herrmann "total traurig"

Er war ausgezogen, die Vendée Globe im fünften Anlauf endlich zu gewinnen. Doch eine Bruchserie vereitelte den Siegtraum. Die Fans und Boris Herrmann leiden mit

Tatjana Pokorny am 28.11.2020
Vendée Globe 2020/2021
Jean-Louis Carli/Alea

"Hugo Boss" beim Start in Les Sables-d'Olonne im Seenebel

Die traurige Meldung zum Aus für Alex Thomson bei dieser neunten Vendée Globe kam einen Tag vor dem ersten Advent und hatte sich bereits am Abend zuvor angekündigt: Mit beschädigtem Steuerbordruder sieht der 46-Jährige aus Gosport keine Chance mehr, diese Solo-Weltumsegelung noch beenden zu können. Der technische K.o.-Schlag für Thomson kam, nachdem der Brite schon in der vergangenen Woche viele Tage mit Problemen seiner angeknacksten Längsstringer in der Bugsektion zu kämpfen hatte und eine aufwendige Reparatur auf See durchführte.

Vendée Globe 2020/2021

Ein Bild aus besseren Tagen: So optimistisch war Thomson auch nach der Reparatur seiner angebrochenen Längsstringer noch

"Unglücklicherweise ist eine Reparatur nicht möglich. Wir akzeptieren deshalb, dass dies das Ende des Rennens für uns ist und sind natürlich zutiefst enttäuscht. Wir glauben, dass das Beste des Rennens noch vor uns lag." Die eher nüchterne Thomson-Aussage in der Pressemitteilung des Teams hält die Fakten und die bittere Folge daraus fest, drückt aber nicht die Frustration und grenzenlose Niedergeschlagenheit aus, die er aktuell empfinden muss. Der Brite war nach zwei aufgegebenen Rennen, einem dritten und einem zweiten Platz mit erklärten Siegabsichten, einem extrem auf Erfolg getrimmten Boot und überaus optimistisch in seine fünfte Vendée Globe gestartet. Viele Beobachter waren sich einig, dass die Chancen auf den ersten nicht-französischen Sieg nie so groß waren wie bei dieser neunten Auflage des Solo-Marathons um die Welt.

Vendée Globe 2020/2021

Für Alex Thomson und "Hugo Boss" geht bei dieser 9. Vendée Globe die Sonne unter

Thomson befand sich am Samstagnachmittag noch rund 1800 Seemeilen von Kapstadt entfernt, das er aus eigener Kraft anlaufen will. Sein Team rechnet damit, dass ihm das binnen rund sieben Tagen gelingen kann. Thomson steuert Kapstadt ohne Steuerbordruder an und wird entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Sein Technik-Team wird nach Kapstadt fliegen und ihn dort erwarten.

Boris Herrmann trauert mit seinem Freund

Boris Herrmann sagte gegenüber YACHT online zum Aus seines langjährigen Wegbegleiters und Freundes Alex Thomson: "Das ist total traurig. Und sehr unfair. Er war super vorbereitet, und ich hätte mir sehr gewünscht, dass er gewinnt." Nun muss Thomson mit seiner GBR 99 aufgeben und ausgerechnet jenen Hafen anlaufen, den Herrmann am Tag zuvor als "Hafen der Unglücklichen in der Vendée Globe" beschrieben hat – als Nothafen jener, die es nicht schaffen. Von Fans in der sozialen Netzwerken kam umgehend eine Welle der Unterstützung für den "Boss". Binnen einer Stunde wurde der erste Facebook-Eintrag zur Aufgabe des Rennens tausend Male kommentiert. Einer lautete: "Die Windgötter haben es dieses Mal von Beginn an nicht gut gemeint mit Alex Thomson."

An der Spitze der nun auf 31 Boote geschrumpften Flotte indes blieb alles, wie es war: Charlie Dalin ("Apivia") führt das Rennen mit fast 300 Seemeilen Vorsprung vor Thomas Ruyant ("LinkedOut") mit gebrochenem Flügel und Jean Le Cam ("Yes we Cam") an. Boris Herrmann lag nach 20 Tagen auf Platz acht in der Gruppe der aussichtsreichsten Verfolger. Hier geht es zum Tracker und den Zwischenständen.

Vendée Globe 2020/2021

Alex Thomson war so hoffnungsfroh mit seinem VPLP-Alex-Thomson-Racing-Design ins Rennen gestartet. Er wollte endlich die französische Siegserie beenden. Nun ist das Rennen für ihn nach 20 Tagen auf See vorbei

Tatjana Pokorny am 28.11.2020

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