Regatta

Vendée Globe: "Apivia" vorn, spannende Fights dahinter

Charlie Dalin passiert heute das Kap der Guten Hoffnung. Boris Herrmann fällt in der Verfolger-Gruppe etwas zurück. Die holt aber Thomas Ruyant ein

Andreas Fritsch am 30.11.2020
Sam Davies
Sam Davies/Initiatives - Coeur

Hatte eine harte Nacht: Sam Davies

Für den Deutschen war das Wochenende schwierig, wie er in einer Videobotschaft von Bord erzählt. Er hat Probleme, das Boot in einem unangenehmen, noch relativ kurzen Seegang schnell zu segeln, "der Bug bleibt immer wieder in einer Welle stecken". Er bleibt auch seinem Ansatz treu, sein Schiff sicher und defensiv zu segeln, was zu schmerzlichen, stetig steigenden Rückständen auf Boote um ihn herum führt, deren Skipper härter pushen. Am Wochenende ging Sébastiens Simsons "Arkéa Paprec" vorbei, die sehr konstant hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten logt und nun Boris Herrmann 40 Meilen voraus ist. Der Franzose fährt ein sehr gutes Rennen, arbeitet sich langsam, aber stetig weiter nach vorn. Eine starke Leistung, denn sein neues Schiff hatte bis kurz vor dem Start mit dem dritten Foil-Bruch zu kämpfen, woraufhin deren Form noch einmal gewechselt wurde (C- statt L-Form). 

Boris Herrmann aus dem Southern Ocean

Das Duo Yannick Bestaven (" Maître Coq") und Kevin Escoffier ("PRB"), mit denen Herrmann vor einigen Tagen noch direkt gleichauf segelte, setzt sich ebenfalls immer weiter ab. Einziger Lichtblick: "Grandpa" Jean Le Cam, der auf seiner "Yes we Cam" als bester Non-Foiler auf Platz vier segelt, holt die Gruppe nun dank des höheren Speeds der Foiler langsam, aber sicher ein. Geht es so weiter, könnte Herrmann in einigen Tagen zum 61-Jährigen aufgeschlossen haben. 

Eine Erklärung, wie es zu seinem Ruder-Schaden kam, schickte auch der ausgeschiedene Brite Alex Thomson noch von Bord: 

Stand Montag

Stand des Rennens heute früh

Ich segelte mit 21 Knoten im Durchschnitt mit kleinem Gennaker und erstem Reff. Ich war unter Deck, als es einen lauten Knall gab und das Boot sofort stark anluvte. Das Ruder war blockiert, und alles was ich tun konnte, war, die Segel einzurollen. Als ich an Deck war, konnte ich sehen, dass das Ruderblatt gebrochen war und herumschwang, mit einem großen Stück Fischer-Ausrüstung darin verkeilt. Ich muss also etwas gerammt haben. Nun muss ich das Boot mit nur einem Ruder ziemlich aufrecht nach Kapstadt segeln. Es ist ein großes Unheil. Ich hatte nach der Reparatur immer noch das Gefühl, ich könnte gewinnen. Ich bin am Boden zerstört."

Spannend geht es auch weiter hinten im Feld zu. Ziemlich schnell segelt seit einigen Tagen die Deutsch-Französin Isabelle Joschke. Mit ihrer "MACSF" hat sie sich weiter nach vorne gearbeitet, liegt nun auf Platz 13 und kommt immer näher an Sam Davies heran, die als beste Frau im Feld mit ihrer "Initiatives-Cœur" nur noch 50 Seemeilen vor ihr segelt. Die Britin erlebte in einer 40-Knoten-Bö ihren ersten "Wipe out", wie sie von Bord schrieb: "Ich habe kurz vor Gough Islands gehalst, kurz nach der Front bei 25 Knoten Wind. Aber der Wind nahm schnell wieder zu, also rollte ich den großen A 7 weg. Gerade noch rechtzeitig, dann kam die erste große Bö mit 40 Knoten. So wurde das Boot flach auf die Seite geworfen, und eine schöne hohe, eiskalte Welle brach über uns hinweg. Alle Schoten etwas lösen, damit das Boot wieder aufsteht und abfallen, aber nicht zu weit, damit es keine Patenthalse wird!

Das 3. Wochen-Update der Rennleitung

Der schwierige Teil ist es dann, ein Trimm- und Segel-Set-up zu finden, das für 22 und 42 Knoten Wind taugt! Das ist nicht so einfach, wenn man allein segelt, du etwas Schlaf brauchst. Es ist ein frustrierender Kompromiss dazwischen, dass du viel Zeit eigentlich zu langsam segelst, dann aber wieder Momente kommen, in denen dein Herz rast, weil dein Boot in einer Bö enorm die Welle runter beschleunigt und du eigentlich zu schnell bist.

Aber die Nacht ist vorbei, nichts ist kaputtgegangen, und der Wind wird heute etwas runtergehen. Später sollte es möglich sein, den großen Gennaker zu setzen und etwas schneller zu segeln.  Bis dahin werde ich mal unter Deck gehen und dickere Socken anziehen, meine Füße sind Eisblöcke!"

Davies war lange fast gleichauf mit Louis Burtons "Bureau Vallée 2" gesegelt, der aber übers Wochenende aber deutlich schneller war. Er hat die südlichste Position im Feld, kurz vor der Eisgrenze, die die Regattaleitung definiert hat. Der Bretone segelt enorm stark, könnte sich dort unten sogar an der Gruppe der Verfolger um Thomas Ruyants "LinkedOut" vorbeischieben. Ruyant segelt nur noch mit einem Foil und ist auf Backbordburg deutlich langsamer, sodass ihn Kevin Escoffier auf "PRB" langsam einholt.

Andreas Fritsch am 30.11.2020

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