Vendée Globe

Thomson und Le Cléac'h setzen sich ab

Das Feld zieht sich immer weiter auseinander, über 4000 Seemeilen mittlerweile. Alex Thomson beendet Spekulationen um ein Ersatz-Foil

Andreas Fritsch am 30.11.2016
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Drohnenbilder von Skipper Conrad Coleman und seiner "Foresight Natural Energy"

Das Gerücht der letzten Tage war über die Segel-Webseite "Sailing Anarchy" entstanden: Dort wurde ein Video-Gespräch zwischen der Rennleitung und Alex Thomson zunächst veröffentlicht, dann entfernt, in dem die Regatta-Leitung fast schon penetrant nachfragt, ob Thomson ein Ersatz-Foil an Bord habe. Thomson versucht sich zunächst herauszureden, aber die Rennleitung fragt immer wieder beharrlich nach, bis der Brite genervt antwortet: "No comment!" Das Gerücht entstand, weil ein Team-Mitglied von Thomson angeblich gesagt haben soll, der Brite habe ein Ersatzschwert an Bord.

Doch das entpuppte sich gestern als Presse-Ente: In einem fast 30-minütigen Telefonat, das "Sailing Anarchy" mit Thomson über Satelliten-Telefon führte, sagte er: "Wir haben kein Ersatz-Foil an Bord! Es wiegt über 140 Kilo und ist ein enorm sperriges Bauteil. Wo sollte ich das unter Deck stauen? Und danach an Deck bekommen und in die Öffnung einfädeln?" (Zum Interview geht es hier)

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Stand des Rennens heute morgen um 9 Uhr

Alles andere wäre auch überraschend gewesen, angesichts des Aufwandes, den die Teams betreiben, um jedes Kilo Gewicht zu sparen. Außerdem müsste Thomson dann auch gleich zwei Foils dabei haben – da diese wie Tragflächen geformt sind, können sie nicht einfach von einer Schiffseite auf die andere gewechselt werden wie etwa Ruderblätter. Außerdem sind die Anhänge gut über vier Meter lang. Thomson räumte aber ein, dass sein Boot das einzige sei, bei dem die Foils über eine Öffnung an Deck gewechselt werden könnten, alle anderen Teams müssen dies mit einem Kran von außen erledigen. 

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Wetter-Situation für heute

Erfreulich scheint aber, dass er auch ohne Schwert halbwegs den Speed von Armel Le Cléac'h mitgehen kann, der Thomson am Wochenanfang überholt hatte. Knapp 13 Meilen beträgt der Abstand zwischen den beiden, nachdem er zeitweise auf 25 angewachsen war. "Hugo Boss" und "Banque Populaire V" fahren zurzeit südlich eines Tiefs mit gutem Speed über 20 Knoten dem Feld weiter davon.

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Ranking heute Morgen um 9 Uhr

Besonders bitter ist das für den Franzosen Sébastien Josse, der mit seiner "Edmond de Rothschild" den Anschluss einstweilen verloren hat. Josse musste am Wochenende nach der Kollision mit Treibgut sein Ruder reparieren und hatte dabei 70 Meilen eingebüsst. Aus diesem Grund verpasste er das nächste Tief, das die Führenden gerade "abreiten". Mittlerweile hat Josse über 600 Seemeilen Rückstand und fährt immer noch fast sechs Knoten langsamer.

Hinter ihm kommt allmählich das Trio um Jérémie Beyou ("Maitre Coc"), Paul Meilhat ("SMA") und auch Yann Elieès (Queguiner Leucémie") immer dichter. 500 Meilen beträgt der Abstand, doch die Verfolger bekommen von achtern Wind, der sie in den nächsten Tagen noch weiter heranführen könnte.

Wieder 600 Meilen dahinter folgt ein weiteres Trio, das mittlerweile für eine Siegchance im Rennen auf ein kleines Wetter-Wunder hoffen muss: Jean-Pierre Dicks "St. Michel Virbac", Thomas Ruyant mit "Le Souffle du Nord" und Jean Le Cam auf "Finisterre Mer Vent". Solange die Spitze nicht in irgendeinem Hochdruck-Gebiet einparkt und die Verfolger mit dem nächsten Tief optimal von hinten aufkommen, dürfte es schwer werden, nach vorn zu kommen.

Für tolle Bilder von Bord sorgt seit Tagen ein bemerkenswerter Skipper weiter hinten im Feld: Conrad Coleman. Der 32-Jährige mit US- und neuseeländischem Pass schickte Bilder von einer Flauten-Tauchexpedtion zu Kiel und Ruder, um die Technik seiner "Foresight Natural Energy" zu checken. Obendrein hat er eine Drohne an Bord, mit der er seinen Open 60 unter Segeln fotografierte. Coleman segelt mit einem eigentlich kaum konkurrenzfähigen Boot, das zwei Brasilianer vor elf Jahren für ein Transat selbst bauten. Es folgte 2008 eine unglückliche Vendée-Teilnahme, wo das Gefährt mit technischen Problemen früh ausschied. Seitdem wurde es lediglich als Charter-Boot für Incentives benutzt. Angesichts dieser Voraussetzungen ist der 13. Platz ein kleines Wunder, bietet Coleman doch viel neueren Schiffen mit einer exzellenten Leistung Paroli. Er ist ein Vollblut-Profi, der ohne finanzkräftige Sponsoren im Hintergund seine Segelträume erfüllt. Zuletzt war er mit Nandor Fa auf dessem völlig unausgereiften Boot das Barcelona Wolrd Race mitgefahren und hatte es auch beendet, trotz immenser technischer Probleme.    

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Coleman beim Check des Kiels seines Open 60

Andreas Fritsch am 30.11.2016

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