Vendée Globe

Prominenter Ausfall: Riou ist raus

Großes Pech für Vincent Riou: Der "PRB"-Skipper war bereits am Sonntag mit einem "Ufo" kollidiert und muss nun mit demoliertem Kiel aufgeben

Tatjana Pokorny am 22.11.2016

Bitteres Aus für einen der Favoriten: "PRB"-Skipper Vincent Riou muss aufgeben. Der Franzose, der als Einziger in der Flotte die Vendée 2004/2005 schon einmal gewinnen konnte, war bereits am Sonntag mit einem sogenannten "Ufo" (engl.: unknown floating object) kollidiert. Dabei wurde der Kiel der "PRB" beschädigt, er bewegt sich seitdem – die Struktur des Bootes ist mittelfristig gefährdet. Um die "PRB" zu schützen und seine eigene Sicherheit zu gewährleisten, hat Vincent Riou heute Abend seinen Rückzug vom Rennen offiziell bekannt gegeben.

Vendee

"PRB" ist mit beschädigtem Kiel aus dem Rennen

Zur Kollision war es am Sonntag auf dem Weg zum Kap der Guten Hoffnung gekommen. Riou segelte mit seinem nicht foilenden Boot in der Spitzengruppe, bot den Foilern bislang bravourös Paroli. Von der Kollision hatte Riou zunächst nicht öffentlich berichtet, weil er den Schaden nicht sofort hatte feststellen können. Er war zunächst normal weitergesegelt. Erst drei Stunden nach der Kollision hatte der Kiel der "PRB" angefangen zu vibrieren. Dazu waren laute Geräusche zu hören, die von hohen Belastungen im Bereich der Kielaufhängung herrühren dürften. Die Intensität der Geräusche hatte in der Nacht zum Montag zugenommen.

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Fragt sich vermutlich, welche "Macht" ihm alle vier Jahre "Ufos" entgegenschleudert: Vincent Riou scheidet zum zweiten Mal hintereinander bei der Vendée Globe aus

Aufgrund der frischen Winde um 25 bis 30 Knoten und der konstant hohen Geschwindigkeiten um 19 bis 20 Knoten konnte Riou die Kielaufhängung zunächst nicht überprüfen, hat aber sein Shore-Team über den Vorfall informiert. Das "PRB"-Team, die Designer (Guillaume Verdier) und die Struktur-Experten von HDS GSEA Design (Hervé Devaux und Denis Glehen) hatten anhand der beschriebenen Geräusche umgehend verschiedene Hypothesen aufgestellt und durchgerechnet. Erst heute früh konnte Riou in milderen Bedingungen die notwendigen Tests durchführen. Dabei entdeckte er, dass die Kielaufhängung während der Kollision beschädigt worden war. Das entsprechende Titan-Teil ist ein elementarer Bestandteil der Kielkonstruktion. Mit seiner Hilfe lässt sich der Kiel neigen, wodurch wiederum das aufrichtende Moment vergrößert wird. 

Bei der Kollision brach die Verbindung. Das wiederum führte zur permanenten Vibration zwischen Kielachse und der Aufhängung. Mit Blick auf die Kurs-Abschnitte im Indischen und im Pazifischen Ozean sowie die Hatz zurück durch den Atlantik fürchtet Riou den drohenden Kielverlust.

Für den beherzten Nicht-Foiler bedeutet das Aus eine Riesenenttäuschung. Bereits vor vier Jahren war Riou fast auf den Tag genau bei der letzten Vendée Globe nach Kollision mit einem "Ufo" ebenfalls ausgeschieden. Er hatte am 6. November in Les Sables d'Olonne die Segel in der Hoffnung gesetzt, mit den Foilern mithalten und das Ausscheiden zuvor wieder gutmachen zu können. Zurzeit segelt Riou in mittleren Winden um 14 Knoten und ist nach eigener Einschätzung nicht in Gefahr. Er hält Kontakt zu seiner Land-Mannschaft, die mit ihm überlegt, wo er möglicherweise vor dem Törn zurück nach Frankreich einen Reparaturstopp einlegen kann. Derzeit erwägt das Team einen Halt in Kapstadt.

"Es ist hart! Ich denke an alle, die diesen Weg mit mir gegangen sind. Ich weiß, dass viele hinter uns stehen. Ich denke sehr an sie", sagte Riou. "Ich bin enttäuscht über das, was passiert ist. Für sie aber tut es mir besonders leid." Rückenwind für seine Aufgabe aus Sicherheitsgründen erhielt Vincent Riou von PRB-Präsident Jean-Jacques Laurent: "Vincents Aufgabe ist natürlich eine Riesenenttäuschung. Er hat seit dem Start in Les Sables d'Olonne ein unfassbar gutes Rennen gegen die Boote der jüngsten Generation gesegelt. Er hat uns träumen lassen. Das ganze Unternehmen hat mit ihm mitgefiebert. Unglücklicherweise war es wieder ein 'Ufo', das ihm den Weg versperrt hat. Da sind wir schon vor vier Jahren gemeinsam durchgegangen. Es ist hart, derlei Dinge wieder und wieder akzeptieren zu müssen, aber wir stehen voll hinter Vincents Entscheidung, weil er einmal mehr als guter Segler reagiert. Am wichtigsten ist es, dass er in Sicherheit ist und das Boot sicher heimbringt."

Tatjana Pokorny am 22.11.2016

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