Vendé Globe

Live vor Ort: ein Blick unter Deck

Gut zweieinhalb Monate bringen die Skipper unter härtesten Bedingungen an Bord zu. Wie lebt es sich auf einem Open 60 ? Ein Rundgang

Yannick Kethers am 05.11.2016
Vendee Cockpits

Unter Deck der Open 60s

Am kommenden Sonntag, den 6. November, ist es so weit: Um 13:02 Uhr wird der Startschuss zur achten Ausgabe der legendären Vendée Globe fallen. 29 Einhand-Segler werden in See stechen, um den "Everest der Meere" an Bord ihrer Imoca-60-Racer zu bezwingen. Zirka 25.000 Seemeilen und mindestens an die 80 Tage allein auf See liegen vor den Skippern und Yachten – Zahlen, die auf einen echten Härtetest für Mensch und Material hindeuten. Doch wie leben die Segler in diesen drei Monaten auf ihren Open 60s? Wie sieht es unter Deck und Carbon-Bimini aus? Wir waren im Race Village in Les Sables d’Olonne und hatten Gelegenheit, Cockpit und Innenraum einiger dieser wirklich besonderen Boote, mit denen die Teilnehmer demnächst bei extremsten Wetterbedingungen unterwegs sein werden, genauer anzusehen.

Man könnte meinen, alle 29 Hochsee-Rennmaschinen müssten sich mehr oder weniger ähneln und würden sich lediglich in ihrer Rumpfbemalung und ihren Baujahren unterscheiden. Letztendlich sprechen wir auch im Rahmen der Vendée Globe ausschließlich von der Imoca-60-Bootsklasse. Doch so einfach ist es nicht, denn eigentlich teilen die 29 Boote der Flotte nur zwei wirkliche Gemeinsamkeiten, die eben mit der Boxrule der Imocas zusammenhängen: die Länge von 18,28 Meter und den Tiefgang von 4,50 Meter. Jenseits dieser feststehenden Zahlenwerte fängt es an, spannend zu werden: Layout des Cockpits, Design des Spritzwasser-Verdecks, Montageort, Anzahl sowie Größe der Winschen, Sitzpositionen des Skippers, allgemeine Gestaltung des Innenraums, Aufbau der Navigationszentrale, Lage der Schlafplätze… Kurzum, kein Boot gleicht seinem Stegnachbarn.

Fotostrecke: Open 60s: Cockpits und unter Deck

Wo genau liegen nun die Unterschiede, wenn es beispielsweise um die Navigationsplätze im Inneren der Boote geht? An Bord der Famille Mary-Etamine du Lys von Romain Attanasio (mit Baujahr 1998 das älteste Boot der Flotte, gleichauf mit dem Imoca von Sébastien Destremau/Technofirst - FaceOcean) ist die komplette Navigationszentrale inklusive Radar, Bordcomputer, Autopiloteinheit, allgemeiner Navigationsinstrumentation sowie Elektropaneel auf Augenhöhe am Hauptschott starr montiert. Die einzelnen Bildschirme sind hier nicht beliebig drehbar; der Skipper sitzt mittig in der Kabine, eingekeilt in seinem fest angebrachten Navigationsstuhl, unmittelbar vor der breiten Elektroniktafel.

Vendee Cockpits

Navigationsplatz auf Jean-Pierre Dicks "St. Michel-Virbac"

Skipper Kito de Pavant (Bastide Otio, Bj. 2010) und Jean-Pierre Dick auf seiner neuen "St. Michel-Virbac" (Bj. 2015) sitzen während ihrer Routenplanungen ebenfalls auf Stühlen – allerdings sollte man hier eher von Navigationssitzen (ähnlich denen aus dem Auto-Rennsport) sprechen. Jean-Pierre kann die nach seiner Körperform maßgefertigte Schale an Steuerbord und Backbord jeweils an einem Carbonrohr fixieren und seine frei bewegliche Navigationseinheit in die gewünschte Richtung schwenken.

Vendee Cockpits

Kabine von Paul Meilhats "SMA"

Das Paneel an Bord der "Bastide Otio" hingegen ist fest am Schott montiert, dafür aber kann der Sitz mittels einer Talje dem Krängungswinkel des Bootes angepasst werden, um dem Skipper somit auf jedem Bug den besten Sitzkomfort zu bieten.

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Yannick Kethers am 05.11.2016

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