Vendée Globe

Krasse Bilder aus dem Sturm

Gestern zog das Sturmtief über Yann Eliès, Jean Le Cam und Jean-Piere Dick hinweg. Videos von Bord und von einem Hubschrauber zeigen die harten Bedingungen

Andreas Fritsch am 14.12.2016
Sturm
Jean Le Cam

Wellenberge 

Dafür, dass alle drei Boote dem schlimmsten Wetter des sehr starken Sturmtiefs aus dem Weg gingen, sind die Bilder dann doch drastisch: Jean Le Cam sendete die wohl beeindruckendsten Schüsse der Seen, die auf seinen Open 60 einprügeln (die besten Momente ab Video-Minute 4) . Er segelt mit dreifach gerefftem Groß und ohne Vorsegel trotzdem noch fast 20 Knoten und beschleunigt auf den Wellenkämmen wie wild. Doch der Autopilot scheint das Boot perfekt im Griff zu haben. Im Mittel hatte er um die 40 Knoten, in Böen entsprechend mehr. Normalerweise ist das Böenpotenzial knapp 50 Prozent über dem mittleren Wind, man kann sich seinen Teil also denken.

Sturm

Wellenberge 

Jean Le Cam im Sturm

Sein nur noch etwa 30 Meilen vor ihm segelnder Landsmann Yann Eliès schickte ähnliche Bilder von Bord. Wer schon einmal Wellen selber gefilmt oder fotografiert hat, weiß, wie harmlos diese in Bild oder Video aussehen, insofern kann man sich ausmalen, wie schlimm es tatsächlich war. Le Cam ist damit der große Gewinner des Sturm-Pokers, da er immer weiterfahren konnte, weder den Kurs ändern oder beidrehen musste. Nur für wenige Stunden ging er etwas vom Gas, um nicht zu sehr über die Wellen zu schießen. 

Jean-Pierre Dick mit "St. Michel-Virbac" in der Bass-Straße

Ganz anders dagegen die Hubschrauber-Aufnahmen von Jean-Pierre Dick: Der Skipper von "St. Michel-Virbac" entschloss sich, fast 450 Seemeilen Umweg durch die Bass-Straße zwischen Australien und Tasmanien zu segeln, um dem Sturmtief aus dem Weg zu gehen, das in einigen Bereichen 50 bis 70 Knoten Wind brachte. So nutzte ein Helikopter-Team die Chance und schickte Luftaufnahmen von seinem surfenden Boot mit dreifach gerefften Groß und Vorsegel, wie es sich in Wellenberge bohrt. Sein Umweg kostet ihn allerdings den 6. Platz und er dürfte viele, viele Meilen auf Yann Eliès und Jean Le Cam verlieren. 

Heute haben alle drei Skipper das Schlimmste hinter sich, das Tief ist durch und ereicht nun diesen Abend den Zweit- und den Drittplatzierten Paul Meilhat ("SMA") und Jérémie Beyou ("Maitre Coq"). Mit 50 bis 60 Knoten Wind in den Böen müssen die beiden am Donnerstag rechnen. Auch weiter hinten im Feld geht es in einem anrollenden Tief mittlerweile zur Sache, wie die Bilder von Nandor Fa ("Spirit of Hungary") von gestern belegen.

Ganz anders an der Spitze: Dort segeln Armel Le Cléac'h und Alex Thomson in schwächeren Winden. Der Franzose konnte sich mit seinem Foil klar bevorteilt deutlich absetzen und führt nun mit schon 270 Seemeilen. Morgen wird er von schwächeren Wind eingeholt, der Mittwoch Alex Thomson fest im Griff hatte, vielleicht eine Chance für den Briten, sich ein paar der verlorenen Meilen wieder zurück zu holen. Für ihn  heißt es die nächsten Tage den Rückstand zu begrenzen, da fast die ganze Strecke zum Kap Hoorn auf Steuerbordbug gesegelt wird – der Seite, auf der er sein Foil verloren hat. 

Sturm

Auch hinten im Feld weht es kräftig

Andreas Fritsch am 14.12.2016

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